Magisterarbeit, 2005
125 Seiten, Note: 1,4
1. Die Körperaufwertung
1.1 Zeichen der Körperaufwertung
1.2 Ursachen der Körperaufwertung
1.3 Folgen der körperlichen Aufmerksamkeit
1.3.1 Magersucht
1.3.2 Bulimie
1.3.3 Binge- Eating
1.3.4 Atypische Essstörungen
1.3.5 Essstörungen als ethnische Störungen
2. Bekommt der Mann einen Körper?
2.1 Die Aufwertung des männlichen Körpers
2.2 Gründe für die Körperaufwertung der Männer
2.3 Folgen der Körperaufwertung für die Männer
2.3.1 Magersucht bei Männern
2.3.2 Binge- Eating- Disorder und Bulimie bei Männern
2.3.3 Individuelle Ursachen von Essstörungen
2.3.4 Der Adonis Komplex
2.3.5 Ursachen des Adonis Komplexes
3. Ergebnisse der Umfrage
3.1 Methodik
3.2 Allgemeine Daten
3.3 Auswertung der Fragebögen
3.4 Diätverhalten
3.5 Essstörungen der befragten Männer
3.6 Ausblick
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der zunehmenden Körperaufwertung in unserer Gesellschaft auf junge Männer und analysiert, wie diese Entwicklung zur Entstehung von Essstörungen beitragen kann.
Die Körperaufwertung
Der Körper als ‚symbolisches Kapital’, wie Bourdieu es nennt, ist zwar nicht erst eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, doch die Bedeutung des Körpers als Träger symbolischen Ausdrucks hat in den letzten Jahren einen starken Bedeutungswandel erfahren. Herbert Willems spricht von einer „Kultur der Inszenierung“.
„In allen gesellschaftlichen Bereichen wetteifern einzelne und gesellschaftliche Gruppen in der ‚Kunst’, sich selbst und ihre Lebenswelt wirkungsvoll in Szene zu setzen. Stadtplanung, Architektur und Design inszenieren unsere Umwelt als kulissenartige ‚Environments’, in denen mit wechselnden ‚Outfits’ kostümierte Individuen und Gruppen sich selbst und ihren eigenen ‚Lifestyle’ mit Effekt zur Schau stellen. Einkaufen wird hier zum ‚Shopping’- Erlebnis, bei dem der Käufer sich als Akteur durch die verschiedenen Szenerien bewegt, die geschickte Marketing-Strategien entworfen haben. Man konsumiert nicht nur, sondern stellt Konsum zugleich aus und dar.“
Gegen die Annahme einer Inszenierungsgesellschaft lässt sich jedoch einwenden, dass der Körper nicht nur der Selbstinszenierung dient, sondern mittlerweile Bestandteil und wesentlicher Garant für den sozialen Status ist.
In den Vereinigten Staaten ist dies heute deutlich sichtbar. Die unteren Schichten essen hauptsächlich Fast Food, während die oberen Schichten zu Sushi oder makrobiotischer Ernährung greifen. Die Ernährungsgewohnheiten wirken sich auf das Körperbild aus. So häufen sich auch in Deutschland in letzter Zeit Berichte über Kinder aus sozial schwachen Familien, die aufgrund der Ernährung unter Übergewicht leiden. Das Gefälle arm und reich wirkt sich über die Ernährung, oder besser über den Geschmack, direkt auf ein „Dick-Dünn Gefälle“ aus. Durch den Geschmack grenzen sich die Schichten zueinander ab, und so wird am Körper die soziale Positionierung sichtbar. So lautete ein Artikel in der ‚Bunten’ im Juli 2004 „Das neue Statussymbol: Die Waage zeigt den Wohlstand an“. Je höher der soziale Status ist, desto weniger häufig tritt Übergewicht auf. Wer erfolgreich sein will, versucht dem Schönheitsideal zu entsprechen. Das heißt auch, wer gesellschaftlich aufsteigen will, passt sich dem schlanken Ideal an. Wer in unserer Gesellschaft an Gewicht verliert, erntet Anerkennung und Bewunderung für die erbrachte Leistung.
1. Die Körperaufwertung: Dieses Kapitel erläutert, wie der Körper in der modernen Gesellschaft zum zentralen Statussymbol und Objekt der Selbstinszenierung geworden ist, wobei dieser Trend zunehmend auch Männer betrifft.
2. Bekommt der Mann einen Körper?: Hier wird die Aufwertung des männlichen Körpers in den letzten 25 Jahren untersucht, wobei die Rolle der Medien und die Entstehung des Adonis-Komplexes als spezifische Männerkrankheit im Mittelpunkt stehen.
3. Ergebnisse der Umfrage: Das letzte Kapitel präsentiert die Ergebnisse der empirischen Untersuchung an 49 Männern hinsichtlich ihrer Körperwahrnehmung, ihres Diätverhaltens und des Umgangs mit dem gesellschaftlichen Schönheitsideal.
Körperaufwertung, Essstörungen, Männlichkeit, Adonis-Komplex, Körperbild, Schlankheitsideal, Medienwirkung, Selbstinszenierung, Pseudoindividualisierung, Diätverhalten, Körperunzufriedenheit, Leistungsgesellschaft, Konsumverhalten, Soziologie, Empirische Umfrage.
Die Arbeit befasst sich mit der zunehmenden Bedeutung des Körpers als Statussymbol und Identitätsmerkmal und den damit verbundenen psychischen Folgen für junge Männer, insbesondere im Hinblick auf Essstörungen.
Die zentralen Themen sind der soziologische Wandel der Körperwahrnehmung, die Konstruktion männlicher Identität in den Medien, die Entstehung von Essstörungen sowie die empirische Analyse des Körperempfindens bei Männern.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Schönheitsideale und eine kommerzialisierte Körperkultur junge Männer verunsichern und welche Rolle diese Einflüsse bei der Entstehung von Essstörungen bei Männern spielen.
Die Arbeit kombiniert einen theoretischen soziologischen Rahmen mit einer eigenen empirischen Umfrage, bei der 49 junge Männer mittels eines halbstandardisierten Fragebogens zu ihren Einstellungen bezüglich Körper, Gewicht und Ernährung befragt wurden.
Der Hauptteil analysiert die Ursachen und Folgen der Körperaufwertung sowohl allgemein als auch spezifisch für Männer, beschreibt verschiedene Essstörungen und stellt die Ergebnisse der Umfrage dar.
Wichtige Begriffe sind Körperaufwertung, Essstörungen, Adonis-Komplex, Männlichkeitskonstruktion und Körperunzufriedenheit.
Der Adonis-Komplex bezeichnet eine körperdysmorphe Störung, bei der sich Männer, trotz hoher muskulöser Entwicklung, für zu schmächtig halten, was zu extremem Training und Fressattacken führen kann.
Durch die Veränderung der Rollenbilder und eine gezielte Vermarktung durch die Industrie wird auch Männern suggeriert, dass Erfolg, Attraktivität und soziale Anerkennung eng mit einem trainierten, optimierten Körper verknüpft sind.
Die Umfrage zeigt eine hohe Körperfixierung und Unzufriedenheit bei jungen Männern, wobei sich die persönlichen Idealbilder stark an medial vermittelten Normen orientieren, was das Risiko für Essstörungen erhöht.
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