Doktorarbeit / Dissertation, 2005
421 Seiten, Note: cum laude
Einleitung
1. Begleitforschungen im Bereich des Bürgerrundfunks
2. Medienkompetenz als politische Schlüsselkompetenz
2.1 Die Entwicklung der Medien und ihre Bedeutung in der Gesellschaft
2.2 Medienkompetenz – Bildungsbegriff und -aufgabe
2.3 Medienkompetenz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
2.4 Die Bildungsinhalte
3. Zur Entwicklung der Bürgersender in Deutschland
3.1 Die Idee des Bürgerrundfunks: Offene Kanäle und Nichtkommerzieller Lokaler Hörfunk
3.2 Formen und Merkmale des Bürgerrundfunks
3.2.1 Merkmale Offener Kanäle (OK)
3.2.2 Merkmale Nichtkommerzieller Lokaler Hörfunksender (NKL)
3.2.3 Ausbildungssender
3.3 Das duale Rundfunksystem in Deutschland und die Zulassung von Bürgerrundfunk
3.3.1 Die Entstehung des dualen Rundfunksystems der Bundesrepublik Deutschland und der gesellschaftspolitische Diskurs
3.3.2 Die medienpolitische Diskussion um den Ausbau neuer Übertragungstechniken und die Einführung des dualen Rundfunksystems
3.3.3 Die Diskussion um die Zulassung von Bürgerrundfunk – Pro und Kontra Offene Kanäle
3.3.4 Die Landesmedienanstalten
3.4 Die Entstehung des Bürgerrundfunks in der Bundesrepublik Deutschland
3.4.1 Die Entstehung und Zulassung der ersten Offenen Kanäle
3.4.2 Die Entstehung und Zulassung des Nichtkommerziellen Lokalen Hörfunks
3.4.3 Zusammenfassung: Traditionslinien und Entstehung des Bürgerrundfunks
3.5 Grundsätzliche Regelungen und Organisationsmerkmale des Bürgerrundfunks
3.5.1 Der „Rundfunkstaatsvertrag“
3.5.2 Grundsätzliche Regelungen und Organisationsmerkmale Offener Kanäle
3.5.3 Grundsätzliche Regeln und Organisationsmerkmale der NKL
3.5.4 Zusammenfassung: Strukturen
3.6 Problemkreise des Bürgerrundfunks
4. Lage des Bürgerrundfunks um das Jahr 2000 – eine Übersicht über die Entwicklung und den Betrieb der Bürgersender in ihrer länderspezifischen Ausprägung
4.1 NKL und Präferenz für Ausbildungssender – der „OK-freie“ Süden
4.1.1 Baden-Württemberg
4.1.2 Bayern
4.1.3 Sachsen
4.2 Konzentration auf die OK – Länder mit Offenen Kanälen aber ohne NKL
4.2.1 Berlin/Brandenburg
4.2.2 Bremen
4.2.3 Mecklenburg-Vorpommern
4.2.4 Nordrhein-Westfalen
4.2.5 Rheinland-Pfalz
4.2.6 Saarland
4.2.7 Schleswig-Holstein
4.3 Bürgerrundfunklandschaften – Länder mit NKL und OK
4.3.1 Hamburg
4.3.2 Hessen
4.3.3 Niedersachsen
4.3.4 Sachsen-Anhalt
4.3.5 Thüringen
4.4 Dachorganisationen, Kooperationen
4.4.1 Der Arbeitskreis Offener Kanäle/Bürgerfunk (AKOK)
4.4.2 Die Norddeutsche Kooperation Bürgermedien (NOKO)
4.4.3 Der Bundesverband Offene Kanäle (BOK) e.V.
4.4.4 Der Bundesverband Freier Radios (BFR)
5. Die Praxis vor Ort
5.1 Der Bürgerrundfunk als medienpädagogisches Handlungs- und Forschungsfeld
5.1.1 Saarland: Offener Kanal in Schulen (OkiS)
5.1.2 ArbeitnehmerInnen auf Sendung – Projekt der PH Freiburg in Offenen Hörfunkkanälen und NKL
5.1.3 Freie Radios in Baden-Württemberg als Ort der aktiven Jugend-Medienarbeit
5.2 Modellbeispiele
5.2.1 Radio „Corax“ (Halle/Saale) –
5.2.2 Radio „Lora“ (München) (Stand Januar 2001)
5.2.3 OK Bremen/OK Bremerhaven
5.2.4 Offener Kanal Wernigerode(Stand Mai 2001)
5.2.5 Zusammenfassung
5.3 Die Praxis vor Ort aus Nutzersicht OK-Umfrage Sachsen-Anhalt
5.3.1 Ziele und Grenzen der Umfrage
5.3.2 Theoretische Ansätze der Befragung
5.3.3 Befragungsmodus
5.3.4 Auswertung
5.3.5 Fazit und Rückschlüsse für die weitere Arbeit der Offenen Kanäle in Sachsen-Anhalt
6. Ergänzender Überblick über wesentliche Entwicklungen nach 2001
6.1 Thüringen, Nordrhein-Westfalen , Saarland und Hamburg
6.2 Das niedersächsische Konvergenzmodell
6.2.1 Die Idee des Konvergenzmodells und die daraus resultierenden Aufgaben der Bürgersender
6.2.2 Die Umsetzung des Konvergenzmodells
6.3 Ausblick auf die mögliche weitere Entwicklung
7. Zusammenfassung
Diese Dissertation bietet eine umfassende Analyse der Entstehung, Entwicklung und Strukturen des Bürgerrundfunks in Deutschland. Das primäre Ziel ist es, die Rolle von Nichtkommerziellen Lokalen Hörfunksendern (NKL) und Offenen Kanälen (OK) als Lernorte in der modernen Kommunikationsgesellschaft darzulegen. Dabei untersucht die Arbeit die Institutionalisierung dieser Sender, ihre Arbeitsorganisation sowie ihre Funktionen im gesellschaftspolitischen Umfeld und hinterfragt kritisch, wie sie zur Förderung von Medienkompetenz beitragen.
Die Idee des Bürgerrundfunks: Offene Kanäle und Nichtkommerzieller Lokaler Hörfunk
Das Zusammenwirken zweier wesentlicher Aspekte hebt die Bürgersender sowohl von professionellen Rundfunksendern wie auch von Medienwerkstätten und anderen soziokulturellen Einrichtungen ab:
• die Verwirklichung des Rechts auf freie Meinungsäußerung gemäß Artikel 5 des Grundgesetzes durch Senden der eigenproduzierten Beiträge
und
• die medienpädagogischen Ambitionen mit dem Ziel der Förderung von Medienkompetenz.
Im Zeitalter der Massenmedien müssen die modernen Kommunikationsmittel den Bürgerinnen und Bürgern zugänglich gemacht werden, wenn sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wirksam wahrnehmen wollen. Diese Ansicht vertritt auch Ernst Gottfried Mahrenholz, ehemaliger Richter am Verfassungsgericht: "Erst das gedruckte oder das gesendete Wort bringt die Wirkung hervor, die der Meinungsfreiheit ihre Durchschlagskraft verleiht."
Er stellt er fest und macht deutlich, dass Meinungsfreiheit ohne Presse- und Rundfunkfreiheit nicht denkbar ist: "Ohne Presse- und Rundfunkfreiheit ist die Meinungsfreiheit ein ziemlich stumpfes Instrument. Und deshalb hat auch das Grundgesetz nicht nur die Meinungsfreiheit, sondern auch die Presse- und Rundfunkfreiheit unter seinen besonderen Schutz gestellt."
Bürgerrundfunk ermöglicht den Bürgern, mit Hilfe moderner Medien ihr Recht auf freie, öffentliche Meinungsäußerung wahrzunehmen. Durch die Funktion des Senders unterscheiden sich die Einrichtungen des Bürgerrundfunks ganz entscheidend von Medienwerkstätten. Ebenso wie diese erfüllen sie jedoch auch medienpädagogische Aufgaben, indem sie durch die praktische Arbeit mit den Medien die Herausbildung von Medienkompetenz fördern.
Auch wenn beide Aspekte beim Bürgerrundfunk kaum zu trennen sind und sich gegenseitig durchdringen, ist doch zu erkennen, dass sich die Schwerpunkte in der öffentlichen Diskussion von der ursprünglichen Betonung des Rechts auf freie Meinungsäußerung zunehmend in Richtung des medienpädagogischen Aspekts verschoben haben.
1. Begleitforschungen im Bereich des Bürgerrundfunks: Ein Überblick über die Forschungstätigkeit, die zumeist durch Landesmedienanstalten initiiert wurde, wobei der Fokus auf Evaluation und medienpädagogischen Projekten liegt.
2. Medienkompetenz als politische Schlüsselkompetenz: Auseinandersetzung mit dem Begriff Medienkompetenz als politische Handlungskompetenz und deren Bedeutung in der modernen Wissens- und Kommunikationsgesellschaft.
3. Zur Entwicklung der Bürgersender in Deutschland: Detaillierte Darstellung der Entstehung des dualen Rundfunksystems, der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Konzepte für Offene Kanäle und NKL.
4. Lage des Bürgerrundfunks um das Jahr 2000 – eine Übersicht über die Entwicklung und den Betrieb der Bürgersender in ihrer länderspezifischen Ausprägung: Ein bundesweiter Bestandsaufnahme der verschiedenen Organisationsformen und landesspezifischen Bürgerrundfunklandschaften zum Ende der 1990er Jahre.
5. Die Praxis vor Ort: Exemplarische Vorstellung von Forschungsberichten und Modellbeispielen zur medienpädagogischen Arbeit sowie eine detaillierte Nutzerumfrage in Sachsen-Anhalt.
6. Ergänzender Überblick über wesentliche Entwicklungen nach 2001: Kurze Zusammenfassung jüngerer Strukturveränderungen, wie etwa die Schließung einiger Sender und die Einführung neuer Konvergenzmodelle in Niedersachsen.
7. Zusammenfassung: Abschließende Synthese der Entwicklung, Strukturen und Funktionen des Bürgerrundfunks als lernortorientierte Medienpraxis.
Bürgerrundfunk, Offene Kanäle, Nichtkommerzieller Lokaler Hörfunk, Medienkompetenz, Medienpädagogik, duales Rundfunksystem, Medienkritik, Bürgerbeteiligung, Meinungsfreiheit, Landesmedienanstalten, Konvergenzmodell, Partizipation, Nutzerforschung, Öffentlichkeitsarbeit, Medienlandschaft.
Die Arbeit untersucht die Entstehung, Entwicklung und die organisatorischen Strukturen des Bürgerrundfunks in der Bundesrepublik Deutschland sowie dessen Bedeutung als medienpädagogischer Lernort.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des dualen Rundfunksystems, die verschiedenen Modelle des Bürgerrundfunks (Offene Kanäle und NKL), die Förderung von Medienkompetenz und die praktische Umsetzung in verschiedenen Bundesländern.
Das Ziel ist es, eine umfassende Bestandsaufnahme und wissenschaftliche Einordnung des Bürgerrundfunks vorzulegen, um seine Funktion für die politische Bildung und die aktive Medienaneignung zu verdeutlichen.
Die Arbeit stützt sich primär auf umfangreiche Recherchen, die Auswertung von Fachliteratur, Medienberichten, gesetzlichen Dokumenten sowie auf eine eigene empirische Nutzerumfrage in fünf Offenen Kanälen in Sachsen-Anhalt.
Der Hauptteil analysiert die historischen Traditionslinien, die rechtlichen Grundlagen in den Bundesländern, die organisatorische Trägerschaft und präsentiert konkrete Praxisbeispiele aus verschiedenen Regionen.
Schlüsselwörter sind unter anderem Bürgerrundfunk, Medienkompetenz, Offene Kanäle, NKL, Partizipation, politische Bildung und medienpädagogisches Handlungsfeld.
Die Unterscheidung ist deshalb entscheidend, da beide Modelle unterschiedliche Entstehungsgeschichten (z. B. "von oben" konzipierte Offene Kanäle vs. "von unten" gewachsene Freie Radios) und daraus resultierend unterschiedliche rechtliche Regelungen, Zugangsformen und Trägerschaftsmodelle aufweisen.
Die Nutzerbefragung dient dazu, Erkenntnisse über die Motivation, die erworbenen Kompetenzen und die Bedeutung einzelner Angebotsformen aus Sicht der aktiven Nutzer zu gewinnen, um die medienpädagogische Arbeit empirisch zu untermauern.
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