Magisterarbeit, 2006
154 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Deutsche Immigration nach Argentinien
a) Einwanderung und Bevölkerungsentwicklung
b) Deutsche Einwanderung
c) Einwanderungszahlen
d) Etappen jüdischer Einwanderung
3. Rechtskonservative Gemeinschaftsbildung der Deutschsprachigen in Buenos Aires
3.1 Aspekte soziökonomischer Transformation der deutschsprachigen Gemeinschaft in Buenos Aires bis zum Ende des ersten Weltkrieges
a) Sozioökonomische Transformation der deutschsprachigen Gemeinschaft vor dem ersten Weltkrieg
b) Aspekte der sozialen Entwicklung ab 1914
3.2 Antiliberales Denken und (rechts-)konservative Gemeinschaftsbildung in Buenos Aires
a) Antiliberales und antidemokratischen Denken in Deutschland und Argentinien
b) Die positive Integration des völkischen Diskurses
.01 Struktur des völkischen Integrationsdiskurses
.02 Brückenbegriff im ideologischen Kampf um Gemeinschaft: Der Heimatdiskurs
3.3 Richtungsstreit und politische Polarisierung zu Beginn der Weimarer Republik
a) Die Wahrnehmung von Kriegsende und Versailles bei den Deutschsprachigen in Buenos Aires
b) Politische Polarisierung: Die Auseinandersetzungen der Deutschsprachigen in Buenos Aires nach dem Ende des Ersten Weltkrieges
c) Der Beginn der Weimarer Republik: Keiper vs. Alemann, der Streit zwischen „Reichsdeutschen“ und „Volkdeutschen“
3.4 Deutsche Farben, deutsche Flaggen: Die konservative deutschsprachige Kolonie in Buenos Aires und ihre politische Symbolik
a) Politische Symbolik als Auseinandersetzungsfeld zu Beginn der Weimarer Republik
b) Identifikationsprobleme und offene Ablehnung: die politische Symbolik der Weimarer Republik und die deutschsprachige Gemeinschaft in Buenos Aires
c) Antirepublikanische Propaganda und nationale Feiertage in Buenos Aires
d) Zwischen politischer Parteinahme und Vermittlung: Die Rolle der Deutschen Gesandtschaft in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre
e) Zusammenfassung: Die Klaglose Neuorganisation politischer Symbolik – der Übergang zur Regierung Hitler
4. Das Organ der deutschnationalistischen Mehrheit: Die Deutsche La Plata Zeitung (DLPZ)
4.1 Aufbau und Rolle der DLPZ
4.2 Die DLPZ als Propagandaorgan in Argentinien
4.3 Aspekte der politischen Ökonomie der DLPZ während der Weimarer Republik
4.3.1 Etappen der Annährung: Der zentrale Begriff der ‚nationalen Einheit’ in der DLPZ
4.3.2 Die Feinde: Gegenspieler des völkischen Diskurses
a) Frankreich
b) Sozialdemokraten
c) Sozialismus/Kommunismus
d) Weltkrise, Wirtschaftskrise
4.3.3) Hinwendung zur völkischen Bewegung: Schicksal und Geschichte
a) 1930: Zustimmung zur autoritären Regierung, Entdeckung der nationalsozialistischen Bewegung
b) Das antirationale Lebensgefühl: Die schicksalsschwere Zeit
c) Reichsgründungsfeiern 1930-1932: Geschichte kulturelle Überlegenheit
4.3.4 Aspekte eines völkischen Integrationsdiskurses in der DLPZ
a) Heroismus
b) DLPZ und der Nationalsozialismus
c) DLPZ und Rassismus/Antisemitismus
d) Die DLPZ als NS-Propagandaorgan: Emil Tjarks und „die Judenbehandlung im neuen Deutschland“
4.4 Zusammenfassung: Die Politik der DLPZ
5. Ausblick: Gemeinsamkeit und Differenz
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Kultur der deutschsprachigen Einwanderer in Buenos Aires während der Weimarer Republik. Das primäre Ziel ist es, zu ergründen, warum nationalsozialistische Ideologien und Programmatiken unter der Mehrheit dieser Gemeinschaft bereits vor der Machtübernahme 1933 auf eine so breite Anschlussfähigkeit stießen und warum sich die Wahrnehmung politischer Ereignisse in der „Heimat“ so stark an ein konservativ-nationalistisches Weltbild band.
Die positive Integration des völkischen Diskurses
Entscheidend für die diskursive Ökonomie eines völkischen Nationalismus nach dem Ende des Ersten Weltkrieges waren zunächst seine integrative Potenz und seine positiven Konnotationen. Die Selbstbezeichnung durch das politische Programm des ‚Völkischen’ dient generell, wie Eva-Maria Ziege unterstreicht, „sowohl zur Bezeichnung des gemeinsamen Nenners der antiliberalen Rechten als auch einer distinkten Strömung innerhalb dieses Spektrums“.
Gleichzeitig erarbeitete dieses politische Lager nach 1918 nicht mehr nur die Negierung des Anderen, wie es der Antisemitismus – sowohl als politisches Schlagwort des ausgehenden 19. Jahrhunderts als auch als Motto der Parteien aus diesem Zeitkontext – als ablehnender Differenzdiskurs getan hatte. ‚Völkisch’ ging nunmehr über die Bezeichnung des ‚Fremden’ hinaus und verwies auf ein ‚Eigenes’, auf eine historisch gewachsene und legitimierte ‚Identität’.
Dem völkischen Diskurs gelang damit eine Bündelung negativer Signifikate, die er im wesentlichen aus dem Antisemitismus übernahm, sowie entscheidender, positiver Signifikate: der Generierung einer positiv verstandenen Wir-Gruppe. Diese positiven Signifikate destilliert Ziege aus den gängigen Lexika der 1930er und 1940er Jahre und kommt zu dem Ergebnis, dass Termini wie ‚Leben’, ‚Gemeinschaft’, ‚Blut und Boden’, das ‚Organische’, das ‚Innere’, die ‚Sitte der Väter’, die ‚ureigenen Formen der gemanischen Stämme’ und die ‚Ganzheit’ als korporative Zusammenfassung einen positiven Bezug einer solchen Wir-Gruppe erlaubten. Diese Gedankenwelt verfestigte sich unter den Deutschsprachigen in Buenos Aires mit den jüngeren Einwanderern der 1920er Jahre.
1. Einleitung: Diese Einleitung umreißt die Fragestellung nach der politischen Kultur der Deutschsprachigen in Buenos Aires und deren Annäherungsprozesse an den Nationalsozialismus während der Weimarer Republik.
2. Deutsche Immigration nach Argentinien: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Bevölkerungsentwicklung und die Strukturen der deutschen Einwanderung in Argentinien sowie die Phasen der jüdischen Migration.
3. Rechtskonservative Gemeinschaftsbildung der Deutschsprachigen in Buenos Aires: Hier wird der Prozess der sozioökonomischen und politischen Formung einer konservativ geprägten deutschsprachigen Kolonie analysiert, einschließlich der antiliberalen Grundstimmungen.
4. Das Organ der deutschnationalistischen Mehrheit: Die Deutsche La Plata Zeitung (DLPZ): Dieses Hauptkapitel untersucht die Rolle der DLPZ als Sprachrohr für nationalkonservative Ideologien und die zunehmende Hinwendung zum Nationalsozialismus.
5. Ausblick: Gemeinsamkeit und Differenz: Abschließend werden die zentralen Thesen zusammengeführt, die beschreiben, wie die deutschsprachige Kolonie durch völkische Narrative auf den „Schritt vom Kaiser zum Führer“ vorbereitet wurde.
Weimarer Republik, Buenos Aires, Nationalsozialismus, Deutsche La Plata Zeitung, Deutschnationalismus, völkischer Diskurs, Heimat, Gemeinschaft, Identität, Antisemitismus, Exil, Konservatismus, politische Symbolik, Migration, Integrationsdiskurs
Die Arbeit analysiert die politische Kultur der deutschsprachigen Gemeinschaft in Buenos Aires während der Jahre 1918 bis 1933 und wie diese auf den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland reagierte.
Zentrale Themen sind die soziale Ausdifferenzierung der deutschsprachigen Kolonie, die Rolle konservativer Netzwerke, die Bedeutung der Presse als Meinungsführer sowie der Einfluss von Identitätsbegriffen wie „Heimat“ und „Volksgemeinschaft“.
Das Ziel ist zu erklären, warum sich eine weithin wohlhabende und bürgerliche deutschsprachige Kolonie in Südamerika so tiefgreifend mit dem Nationalsozialismus identifizierte, obwohl sie geografisch weit von der „Heimat“ entfernt war.
Die Autorin/der Autor nutzt eine diskursanalytische Methode, um anhand von Zeitungsartikeln der Deutschen La Plata Zeitung und offiziellen Dokumenten der Gesandtschaft die Verschiebung politischer Narrative nachzuvollziehen.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Deutschen La Plata Zeitung, deren Rhetorik, die gezielte Nutzung von Feindbildern und die diskursive Vorbereitung der Leser auf eine Akzeptanz der NS-Politik.
Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie „Völkischer Nationalismus“, „Exil“, „Politische Symbolik“ und „Gemeinschaftsbildung“.
Der Heimatdiskurs diente als emotionale Projektionsfläche, die zwischen Nostalgie für das Kaiserreich und einer politisch aufgeladenen Ablehnung der Weimarer Republik oszillierte, um eine „nationale Einheit“ einzufordern.
Die DLPZ war das größte deutschsprachige Blatt Südamerikas und fungierte als maßgeblicher Transmissionsriemen für die konservativ-nationalistische Weltanschauung der lokalen Eliten an die breitere deutschsprachige Bevölkerung.
Die Mehrheit der Elite lehnte die Weimarer Republik als „amputierten Torso“ und Symbol für „Parteiengezänk“ ab und hielt demonstrativ an der kaiserlichen Symbolik fest, während die offizielle Vertretung der Republik meist eine ambivalente oder passive Haltung einnahm.
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