Examensarbeit, 2008
56 Seiten, Note: 1,3
I. Vorwort
I. 1. Forschungskontroversen zur 6. Satire
I. 2. Leitfragen und methodisches Vorgehen
II. 1. Die Struktur der 6. Satire
II. 1. 1. Pudicitiam Saturno rege moratam: Über das Proömium (V. 1-20)
II. 1. 2. atque duae pariter fugere sorores: Pudicitia und Iustitia haben die Erde verlassen (V. 21-135)
II. 1. 3. nullam invenies quae parcat amanti: Die Qualen der Ehe für den Ehemann (V. 136-285)
II. 1. 4. saevior armis luxuria incubuit: Der Luxus verdirbt die römischen Frauen (V. 286-300)
II. 1. 5. non umquam reputat quanti sibi gaudia constent: Der Luxus der Frauen treibt die Männer in den Ruin (V. 300-365)
II. 1. 6. Das Oxford-Fragment (O 1-34)
II. 1. 7. nil non permittit mulier sibi, turpe putat nil: Die Unarten und Verbrechen der Frauen (V. 366-633)
II. 1. 8. Clytaemestram nullus non vicus habebit: Diese Frauen existieren wirklich (V. 634-661)
II. 2. Der poeta ethicus und der satirische Sprecher
III. Fazit
IV. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Struktur der 6. Satire von Juvenal und analysiert, inwiefern der Dichter und der satirische Sprecher in diesem Werk distanziert voneinander zu betrachten sind, um die moralische Intention hinter der Darstellung weiblicher Laster zu ergründen.
II. 1. 1. Pudicitiam Saturno rege moratam: Über das Proömium (V. 1-20)
In den Proömien des ersten juvenalischen Buches (Satiren 1 - 5) steht der Leser sogleich mitten im Geschehen der jeweiligen Satiren. Ausrufe, rhetorische Fragen und Beschreibungen derjenigen Menschen und Laster, die in der entsprechenden Satire angeprangert werden sollen, prägen das Bild dieser Proömien. Ganz anders gibt sich der Prolog der zu analysierenden 6. Satire. Es finden sich keine Namen von Zeitgenossen, es wird keine Kritik direkt ausgesprochen und das gesamte Proömium erinnert an den Stil eines Epos. Saturno rege (V. 1) und sub Iove (V. 15) stehen für das goldene und das silberne Zeitalter der insgesamt vier Weltzeitalter, deren Schilderung in Epen zu finden ist. Kennzeichen des goldenen Zeitalters bei Juvenal ist die Pudicitia, die bereits in dem ersten Vers der Satire genannt wird. Nur in der goldenen Zeit, als die Menschen noch in Höhlen wohnten (V. 2-3: cum frigida parvas praeberet spelunca domos), auf Laub und Fellen schliefen (V. 5-7: torum cum sterneret [...] frondibus et [...] ferarum pellibus) soll Pudicitia auf der Erde geweilt haben.
I. Vorwort: Einleitung in das Thema Juvenal und die Zielsetzung der Examensarbeit, die moralische Entrüstung des Dichters und den Übergang zur Analyse der 6. Satire.
I. 1. Forschungskontroversen zur 6. Satire: Darstellung der wissenschaftlichen Debatten zur Struktur, Komposition und dem umstrittenen Oxford-Fragment der 6. Satire.
I. 2. Leitfragen und methodisches Vorgehen: Definition des strukturellen Schwerpunkts der Arbeit sowie der methodischen Herangehensweise zur Untersuchung des satirischen Sprechers.
II. 1. Die Struktur der 6. Satire: Übergeordnete Betrachtung der kompositorischen Einteilung der 6. Satire in acht Abschnitte, um die These einer fehlenden Struktur zu widerlegen.
II. 1. 1. Pudicitiam Saturno rege moratam: Über das Proömium (V. 1-20): Analyse des epischen Stils und der Bedeutung der Pudicitia im goldenen Zeitalter innerhalb des Proömiums.
II. 1. 2. atque duae pariter fugere sorores: Pudicitia und Iustitia haben die Erde verlassen (V. 21-135): Untersuchung des Übergangs zum kritischen Ton und der ehelichen Problematik unter Einbeziehung des Adressaten Postumus.
II. 1. 3. nullam invenies quae parcat amanti: Die Qualen der Ehe für den Ehemann (V. 136-285): Analyse des Dialogs mit dem Interlocutor und der Schilderung der schlechten Auswirkungen der Ehe auf das Verhältnis der Ehegatten.
II. 1. 4. saevior armis luxuria incubuit: Der Luxus verdirbt die römischen Frauen (V. 286-300): Erörterung der Ursachen für die moralische Entartung, insbesondere durch den Einfluss des Luxus nach der Zeit des 2. Punischen Krieges.
II. 1. 5. non umquam reputat quanti sibi gaudia constent: Der Luxus der Frauen treibt die Männer in den Ruin (V. 300-365): Analyse der Auswirkungen der Trunkenheit und Extravaganz auf die moralische Integrität und die Finanzen der Ehegatten.
II. 1. 6. Das Oxford-Fragment (O 1-34): Diskussion der Authentizität, der Überlieferungsgeschichte und der inhaltlichen Relevanz des Oxford-Fragments für die Satire.
II. 1. 7. nil non permittit mulier sibi, turpe putat nil: Die Unarten und Verbrechen der Frauen (V. 366-633): Untersuchung der zunehmenden sexuellen Verdorbenheit und der Dominanz der Frauen, gipfelnd in der Eunuchen-Passage.
II. 1. 8. Clytaemestram nullus non vicus habebit: Diese Frauen existieren wirklich (V. 634-661): Analyse des Epilogs, der die Grenze zwischen Mythos und Realität verwischt und die dargestellten Untaten als moderne Realität darstellt.
II. 2. Der poeta ethicus und der satirische Sprecher: Untersuchung der "persona-Theorie" zur Differenzierung zwischen Dichter Juvenal und dem satirischen Sprecher.
III. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der 6. Satire als strukturierte Warnung vor der Ehe und Einordnung der Rolle des Autors.
IV. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Ausgaben, Kommentare und Sekundärliteratur.
Juvenal, 6. Satire, römische Satirik, Pudicitia, Luxuria, Oxford-Fragment, Ehebruch, antike Literatur, moralische Entartung, Persona-Theorie, Satirestruktur, Frauenbild, Postumus, Gesellschaftskritik, römische Kaiserzeit.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der 6. Satire von Juvenal und deren Struktur sowie der moralischen Intention des Dichters gegenüber den römischen Frauen seiner Zeit.
Zentrale Themen sind der Verfall der Sitten, die Rolle der Pudicitia im Gegensatz zur Luxuria, die Institution der Ehe und die Frage der künstlerischen Gestaltung durch den satirischen Sprecher.
Das Ziel ist es zu klären, ob der 6. Satire eine durchdachte Struktur zugrunde liegt und inwiefern der satirische Sprecher als vom Dichter distanzierte Figur zu betrachten ist.
Die Arbeit nutzt philologische Analyse, den Vergleich mit antiken Quellen und die Einbeziehung verschiedener Forschungspositionen zur Struktur- und Persona-Theorie.
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte abschnittsweise Analyse der 6. Satire, einschließlich der Diskussion über das Oxford-Fragment und der rhetorischen Techniken Juvenals.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Juvenal, Pudicitia, Luxuria, Oxford-Fragment und Satirestruktur charakterisiert.
Es ist umstritten, da es nur in einer Handschrift überliefert ist und sowohl hinsichtlich seiner Echtheit als auch seiner korrekten Platzierung innerhalb der 6. Satire stark diskutiert wird.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Juvenal eher als Misogamist denn als Misogynist einzustufen ist, da sich die Kritik am Verfall der Ehe auch auf das Verhalten der Männer in seinen anderen Satiren erstreckt.
Sie beschreibt den theoretischen Ansatz, dass die Stimme des satirischen Sprechers in den Satiren nicht zwingend mit den privaten Ansichten des historischen Autors Juvenal identisch sein muss.
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