Bachelorarbeit, 2021
43 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Überblick über die mittelalterlichen Siedlungsverhältnisse im Gebiet zwischen Elbe/Saale, Oder/Neiße, Erzgebirge und Ostsee
3 Der Sorbisch-Polabische Grenzraum
4 Materialteil
4.1 Naturnamen
4.1.1 Topographische Namen
4.1.2 Pflanzennamen
4.1.3 Tiernamen
4.2 Kulturnamen
4.3 Personennamen
4.4 Sonstige Namen
Karte 1: Untersuchte Toponyme im westlichen Bereich Berlins
Karte 2: Untersuchte Toponyme im östlichen Bereich Berlins
5 Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht slawische Ortsnamen im Berliner Raum, um deren Ursprung und Bedeutung vor dem Hintergrund der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft zu klären und das Geschichtsbewusstsein bezüglich der slawischen Wurzeln in der Region zu schärfen.
1. Altglienicke
Altglienicke ist ein Ortsteil im Südwesten des Bezirks Treptow-Köpenick und wurde 1375 als Glinik und Glyneke erstmals erwähnt.
Für die ältesten Belege wird eine GF aplb. *Glin-k zu ursl. *glìna ‘Lehm, Ton‘ angenommen. Vergleichbare Formen im Sl. sind u. a. russ., slow. glína dass., pol., nsorb. glina dass., čech., osorb. hlina dass. sowie drawplb. glano dass., vgl. auch drawplb. adj.nom.sg.n. glanenă ‘irden, irdisch, tönern‘. DERKSEN rekonstruiert für die sl. Formen eine Wurzel uridg. *gleh1i-n-, BEEKES hingegen *glei-neh2-. Nominal wird gr. γλίνη ‘Lehm‘ sowie ferner auch lit. gléima ‘Schleim‘, ae. clǣg ‘Lehm, Ton‘, lat. glūten ‘Klebstoff‘ dazugestellt. Alle Formen können zu einer Wurzel *gleH- ‘bestreichen, kleben bleiben‘ gestellt werden, vgl. ostlit. gliẽti ‘bestreichen‘ kymr. glyn-‘anhängen‘, ahd. klenan ‘bestreichen‘, an. klína ‘beschmieren. Das n-Infix erklärt sich wohl aus einer ursprünglich deverbalen Bildung von einem Nasalpräsensstamm.
Bei der Rekonstruktion der Bildungsweise des ON bereitet jedoch das n im Auslaut insofern Probleme, als dass nicht mehr nachvollzogen werden kann, ob das zur Ableitung verwendete Suffix n-haltig war oder nicht. Der ON wurde demnach entweder mit einem k-Suffix (ursl. *-ьk-, *-ъk-, *-iъk-) oder der Suffixverbindung -nik (ursl. *-ьnikъ) gebildet. Bei einem k-Suffix kann nicht bestimmt werden, ob dieses einen Diminutiv bildete und somit ein einfacher Name vorläge oder ob dieses Suffix dazu diente, einen Namen aus einem Appellativum zu bilden (vgl. SCHLIMPERT BNB 3: 287). Auszugehen ist demzufolge von einer Bedeutung ‘Ort bei einer Lehmgrube‘ oder ‘Ort, an dem es Lehm gibt‘.
1 Einleitung: Die Arbeit motiviert sich aus dem Mangel an Bewusstsein über slawische Wurzeln im Berliner Raum und setzt sich zum Ziel, vorhandenes Material auf ein breiteres etymologisches Fundament zu stellen.
2 Überblick über die mittelalterlichen Siedlungsverhältnisse im Gebiet zwischen Elbe/Saale, Oder/Neiße, Erzgebirge und Ostsee: Dieses Kapitel skizziert die Besiedlungsgeschichte und Siedlungskontinuität zwischen germanischen und slawischen Gruppen nach der Völkerwanderungszeit.
3 Der Sorbisch-Polabische Grenzraum: Der Abschnitt erläutert die lautlichen Kriterien zur Abgrenzung sorbischer von polabischen Ortsnamen und verortet die Sprachgrenze südlich von Berlin.
4 Materialteil: Dies ist das Hauptkapitel, in dem eine Vielzahl Berliner Ortsnamen detailliert nach etymologischen, historischen und bildungssprachlichen Gesichtspunkten analysiert wird.
5 Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Abhängigkeit von der Überlieferungslage und weist auf den weiteren Forschungsbedarf in der Sorabistik und der historischen Dialektologie hin.
Berliner Ortsnamen, Slawische Siedlungsgeschichte, Etymologie, Toponymie, Polabisch, Sorbisch, Sprachkontakt, Namensforschung, Indogermanistik, Brandenburgisches Namenbuch, Siedlungskontinuität, Sprachgrenze, Wortbildung, Sprachassimilation, Historische Dialektologie.
Die Arbeit befasst sich mit der etymologischen Herleitung und Deutung von Berliner Stadtteil- und Ortsnamen, die slawischen Ursprungs sind.
Die Themenfelder umfassen die Siedlungsgeschichte des Raums zwischen Elbe und Oder, die sorbisch-polabische Sprachgrenze sowie die sprachwissenschaftliche Analyse von Natur-, Kultur- und Personennamen.
Das Ziel ist es, die slawischen Ursprünge Berliner Namen wissenschaftlich fundiert zu rekonstruieren und die Erkenntnislücke im Geschichtsbewusstsein zur slawischen Besiedlung zu verkleinern.
Es wird eine historisch-vergleichende sprachwissenschaftliche Methode angewandt, die auf der Auswertung früher Überlieferungsformen, lautgesetzlicher Rekonstruktionen und dem Vergleich mit indogermanischen sowie slawischen Appellativa basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Naturnamen (topographische Namen, Pflanzen, Tiere), Kulturnamen, Personennamen und sonstigen Namen, jeweils mit eigenen etymologischen Beiträgen.
Zentrale Begriffe sind Toponymie, Etymologie, slawische Wurzeln, Sprachkontakt, Rekonstruktion, Sorabistik und die sorbisch-polabische Sprachgrenze.
Diese Differenzierung ist entscheidend für das Verständnis der regionalen sprachlichen Prägung, da der Berliner Raum historisch durch altpolabische Einflüsse bestimmt wurde.
Vergleichsnamen aus anderen slawisch geprägten Gebieten dienen als essenzielle Stütze, um Lautwandel und Wortbedeutungen der Berliner Namen besser einordnen zu können, besonders wenn die Überlieferungslage spärlich ist.
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