Essay, 2000
9 Seiten
1. >Die richtig in Ordnung sind<
2. Wer überlebt, hat recht
3. Die einstigen demokratischen Lehrmeister offerieren heute Sozialdarwinismus als Krafttrunk
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologische und gesellschaftliche Kontinuität von Sozialdarwinismus und Rassismus, indem sie diese Konzepte als „Drogen“ analysiert, die zur Stabilisierung und Mobilisierung in Krisenzeiten eingesetzt werden. Der Autor hinterfragt kritisch, wie diese Mechanismen aus der Zeit des Nationalsozialismus in veränderter Form in moderne ökonomische Doktrinen übergegangen sind.
Wer überlebt, hat recht
Schon am Ende der Weimarer Republik hatten die Nationalsozialisten, neben dem Rassismus eine zweite Droge im Angebot, durch die sie zum Groß-Dealer wurden: den Sozialdarwinismus.
Diese Droge hieß damals selbstverständlich nicht so. Denn unter ihrem wirklichen Namen hätte sie der breiten Bevölkerung und speziell >dem deutschen Arbeiter< nicht einmal von der sogenannten >Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei< verkauft werden können.
Der Sozialdarwinismus war nämlich ursprünglich eine Entdeckung des zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals beschlich selbst die wohlgesonnenen Teile des Bürgertums, angesichts des quantitativen Anwachsens und der selbstbewußter werdenden Interessenvertretung des Industrieproletariats, ein immer tieferes Gefühl der Bedrohung, das die Arbeiter als wilde Tiere erscheinen ließ.
1. >Die richtig in Ordnung sind<: Das Kapitel führt in die Metapher von Rassismus und Sozialdarwinismus als gefährliche gesellschaftliche Drogen ein, die Deutschland seit der NS-Zeit prägen und noch heute in aktuellen politischen Diskursen nachwirken.
2. Wer überlebt, hat recht: Hier wird der Ursprung des Sozialdarwinismus als ideologisches Werkzeug zur Legitimation von Ausgrenzung und Herrschaft im Nationalsozialismus sowie dessen psychologische Wirkung auf die Masse untersucht.
3. Die einstigen demokratischen Lehrmeister offerieren heute Sozialdarwinismus als Krafttrunk: Das letzte Kapitel zieht eine Verbindung zwischen der historischen Vergangenheitspolitik der Bundesrepublik und der heutigen Verankerung von Wettbewerbsdenken und Marktradikalismus als neue, vermeintlich alternativlose Ideologien.
Sozialdarwinismus, Rassismus, Nationalsozialismus, Gesellschaft, Ideologie, Wettbewerb, Ausgrenzung, Geschichte, Vergangenheitspolitik, Rechtspopulismus, Marktwirtschaft, Macht, Individuum, Masse, Moral
Die Arbeit befasst sich mit der Kontinuität von zerstörerischen gesellschaftlichen Ideologien, konkret Rassismus und Sozialdarwinismus, und deren Wandel von der NS-Zeit bis in die moderne westliche Gesellschaft.
Zentrale Themen sind die Instrumentalisierung von Ideologien zur sozialen Kontrolle, die Rolle von "Feindbildern" für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Parallelen zwischen historischem Sozialdarwinismus und modernem Markt-Wettbewerbsdenken.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Gifte aus der Vergangenheit ihre Form ändern und unter neuen Etiketten, wie etwa der Maxime "Alle Macht den Märkten", in der Gegenwart fortbestehen.
Der Autor nutzt eine historisch-soziologische Perspektive, die stark durch gesellschaftskritische Ansätze, unter anderem in Anlehnung an Herbert Marcuse, geprägt ist.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Sozialdarwinismus als Droge im 19. Jahrhundert, dessen Anwendung durch die Nationalsozialisten zur "Reinigung des Volkskörpers" und die Transformation dieser Mechanismen nach 1945.
Zu den prägenden Begriffen gehören Sozialdarwinismus, Rassismus, Wettbewerb, Effizienz, Sicherheit, Vergangenheitspolitik und gesellschaftliche Ausgrenzung.
Der Autor argumentiert, dass Rassismus primär nach außen wirkt, während das Gift des Sozialdarwinismus direkt in das Innere der Gesellschaft wirkt und diejenigen bedroht, die dem herrschenden Effizienzdruck nicht standhalten.
Der Begriff dient als Metapher für Ideologien, die ein trügerisches Versprechen von Sicherheit, Stärke oder Überlegenheit bieten, das jedoch zur Unterdrückung und zur Ausgrenzung der vermeintlich Schwächeren führt.
Er kritisiert, dass die Aufarbeitung sich zu stark auf die alleinige Schuld der NS-Führung konzentrierte und dabei die tieferliegenden, sozialdarwinistischen Strukturen, die in der deutschen Gesellschaft verblieben sind, unberührt ließ.
Er sieht im heutigen Kult des Stärkeren und der uneingeschränkten Marktlogik eine neue Form des Sozialdarwinismus, die den Menschen nur noch nach seiner Verwertbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit beurteilt.
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