Bachelorarbeit, 2017
61 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Wehrmachtsdesertion: Zum Wandel des gesellschaftlichen Meinungsbildes
2.1 NS-Zeit: Desertion als Verrat an der „Volksgemeinschaft“
2.2 Ausgrenzung und Marginalisierung 1945 bis 1980
2.3 Enttabuisierung und sukzessive Rehabilitierung seit 1980
3. Deserteurdenkmäler in Deutschland
3.1 Frühe Gedenkzeichen für Deserteure in der Nachkriegszeit
3.2 Friedensbewegung und Differenzierung der Gedenkkultur: Neue Impulse in den 1980er-Jahren
3.3 Zur Chronologie und Periodisierung der Deserteurdenkmäler
3.3.1 Die frühen Denkmalsprojekte: 1986 bis Anfang der 1990er-Jahre
3.3.2 Denkmalsetzungen zwischen den 1990er-Jahren und 2002
3.3.3 Jüngere Denkmalsprojekte nach der politischen Rehabilitierung 2002
4. Die Kontroversen zu Denkmälern für Wehrmachtsdeserteure
4.1 Verrat oder Widerstandstat? Der Streit um die historische Bewertung der Legitimität von Desertion aus der Wehrmacht
4.2 Sterben oder desertieren für den Frieden? Gegenwartsbezüge und friedenspolitische Implikationen
4.3 Erinnerungszeichen für Deserteure als „Gegendenkmäler“ zu traditionellen Gedenkformen und politischem Totenkult
4.4 Desertion, Zivilcourage und Whistleblowing: Aktuelle Bezüge im Diskurs
5. Resümee und Fazit
Die Arbeit untersucht den Diskurs zur Errichtung von Deserteurdenkmälern in der Bundesrepublik Deutschland, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse des Wandels in der Wahrnehmung von Wehrmachtsdeserteuren sowie deren gesellschaftlicher und juristischer Rehabilitierung liegt.
3.3.1 Die frühen Denkmalsprojekte: 1986 bis Anfang der 1990er-Jahre
Die ersten eingeweihten Denkmäler zwischen 1986 und den frühen 1990er-Jahren gehen auf Initiativen kriegsdienstverweigernder Reservisten (Bremen, Darmstadt, Hannover, Ulm), DFG-VK-Gruppen (Karlsruhe, München/Mann-heim) oder aus dem grün-alternativen Spektrum (Kassel) zurück. Charakteristisch für diese Denkmäler ist eine bewusst unscharfe Trennung zwischen dem Aspekt des konkreten Gedenkens an Wehrmachtsdeserteure und friedenspolitischer Appelle, die von ihnen für zeitaktuelle Fragen ausgehen. Diese ersten Deserteurdenkmäler stießen an allen Standorten, an denen sie entstanden, auf vehementen Widerstand von Denkmalsgegnern. Vor allem die engen Bezüge zur Verteidigungs- und Bündnispolitik bewirkten eine besondere Schärfe der Auseinandersetzung. Dadurch konnten die privat initiierten Denkmäler oft nicht an den vorgesehenen Aufstellungsorten an ehemaligen Hinrichtungsstätten oder in der Nähe von Kriegerdenkmalen realisiert werden.
In diesen Zusammenhängen entstanden im Jahr 1986 ein „dem unbekannten Deserteur“ gewidmete Denkmal in Bremen-Vegesack, der 1987 für München geschaffene, 1993 nach Mannheim gebrachte und dort schließlich 2002 eingeweihte Steinobelisk mit der Inschrift „Alle Kriege sind verlorene Kriege / den Deserteuren“ und die 1987 in Darmstadt eingeweihte und ebenfalls dem unbekannten Deserteur gewidmete Stahlplastik des Reservistenverbandes „Darmstädter Friedenshetzer“. Zum Antikriegstag am 1. September 1989 wurden Denkmäler in Ulm, Bonn und Marburg präsentiert, ein Jahr darauf in Hannover und Göttingen – hier als bundesweit erstes offiziell durch eine Stadt eingeweihtes Deserteurdenkmal. Das Göttinger Denkmal steht damit am Übergang zu einer Phase ab 1990, in der die Projekte allmählich eine stärkere Rückendeckung innerhalb der Kommunalpolitik erfahren.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema der Deserteurdenkmäler im Kontext der Erinnerungskultur und beschreibt die methodische Vorgehensweise anhand der historischen Diskursanalyse.
2. Wehrmachtsdesertion: Zum Wandel des gesellschaftlichen Meinungsbildes: Dieses Kapitel skizziert den historischen Wandel von der NS-Zeit über die Nachkriegszeit bis hin zur sukzessiven Rehabilitierung seit 1980.
3. Deserteurdenkmäler in Deutschland: Hier werden die Entstehung, die frühen Vorläufer und eine Periodisierung der Denkmalsprojekte nach Initiatoren und Realisierung analysiert.
4. Die Kontroversen zu Denkmälern für Wehrmachtsdeserteure: Das Kapitel untersucht diachron die Streitpunkte um historische Bewertung, friedenspolitische Implikationen und die Abgrenzung zu traditionellen Gedenkformen.
5. Resümee und Fazit: Das Resümee fasst den Prozess der gesellschaftlichen und juristischen Rehabilitierung zusammen und reflektiert die Einbettung in die aktuelle Erinnerungskultur.
Wehrmachtsdesertion, Deserteurdenkmäler, NS-Militärjustiz, Erinnerungskultur, Friedensbewegung, Rehabilitierung, Gegendenkmale, Zivilcourage, Erinnerungsgeschichte, Vergangenheitspolitik, Soldatentod, Kriegsverräter, Mahnmal, Antikriegsdenkmal, Denkmalsstreit.
Die Bachelorarbeit behandelt den historischen und gesellschaftlichen Diskurs zur Errichtung von Denkmälern für Deserteure der Wehrmacht in Deutschland.
Die Arbeit fokussiert auf den Wandel des Meinungsbildes, die Rolle der Friedensbewegung, die Kontroversen um Denkmalsstandorte und die politische Rehabilitierung der Opfer der NS-Militärjustiz.
Das Ziel ist die Analyse des gesellschaftlichen Prozesses, durch den Deserteure in den 1980er-Jahren „denkmalswürdig“ wurden, sowie die Untersuchung der unterschiedlichen Positionen der beteiligten Akteure.
Die Arbeit basiert methodisch auf der historischen Diskursanalyse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse des Meinungswandels, eine Chronologie der Denkmalsetzungen sowie eine Untersuchung der ideologischen Konfliktlinien zwischen Befürwortern und Gegnern der Denkmäler.
Wichtige Begriffe sind Deserteurdenkmäler, Wehrmachtsdesertion, NS-Militärjustiz, Erinnerungskultur, Rehabilitierung und Zivilcourage.
Während frühe Denkmäler oft aus zivilgesellschaftlichem Protest ohne offizielle Genehmigung entstanden und von erbitterten Konflikten geprägt waren, sind moderne Projekte stärker in staatliche Gedenkkonzepte integriert und verlaufen zunehmend im Konsens.
Der Begriff beschreibt Denkmäler, die explizit in räumlicher Nähe zu traditionellen Kriegerdenkmalen errichtet wurden, um deren oft affirmative Botschaft durch eine kritische Perspektive auf Krieg und Militär zu brechen.
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