Diplomarbeit, 2007
55 Seiten, Note: ausgezeichnet
1. EINFÜHRUNG
1.1. DIE FRAGE NACH DEM KANON IN DER GEGENWARTSLITERATUR
2. LITERARISCHE SITUATION DER NEUNZIGER JAHRE - VON DER LITERATURKRISE BIS ZUR NEUEN LUST AM ERZÄHLEN
2.1. DIE LITERATURSTREITE
2.1.1. Der Streit um Christa Wolf
2.1.2. Der Streit um Günter Grass
2.2. DER GENERATIONSWECHSEL
2.3. DIE ROLLE DER MEDIEN
2.4. DIE NEUE LUST AM ERZÄHLEN
3. DER NACHKLANG DES ZWEITEN WELTKRIEGS IN DER DEUTSCHEN NACHKRIEGS- UND GEGENWARTSLITERATUR
3.1. UWE TIMM UND HANS-ULRICH TREICHEL – AUF DER SUCHE NACH DEN VERLORENEN BRÜDERN
3.2. ZWEI QUEREINSTEIGER DER LITERATUR: BERNHARD SCHLINK UND W.G. SEBALD
3.3. ALTES THEMA, JUNGE AUTOREN: MARCEL BEYER, INKA PAREI UND THOMAS LEHR
4. DDR-LITERATUR NACH DER DDR?
4.1. DIE LITERATURWENDE
4.2. DER WENDEROMAN
4.2.1. Helden wie Brussig und Schulze
4.2.2. Wessis melden sich zu Wort – Sven Regener und Thomas Hettche
5. WEITERE STRÖMUNGEN UND THEMENBEREICHE IN DER DEUTSCHEN GEGENWARTSLITERATUR
5.1. POP-LITERATUR
5.2. MIGRANTENLITERATUR
5.3. BERLIN-ROMAN UND „FRÄULEINWUNDER“
5.4. DEUTSCHE AUTOREN VERMESSEN DIE WELT
6. ZUSAMMENFASSUNG
Die Arbeit untersucht die literarischen Entwicklungen und Strömungen in der deutschen Prosa um die Jahrtausendwende, mit einem besonderen Fokus auf die Aufarbeitung von Geschichte und den Generationswechsel nach 1995.
3.2. ZWEI QUEREINSTEIGER DER LITERATUR: BERNHARD SCHLINK UND W.G. SEBALD
Zwei wohl bekannteste und im Ausland anerkannteste und erfolgreichste deutsche Autoren, sind erstaunlicherweise eigentlich zwei Quereinsteiger der Literatur. Bernhard Schlink, 1944 geboren, Berliner Juraprofessor und Verfassungsrichter in Nordrhein-Westfalen, war bisher literarisch nur durch wenige Kriminalromane ausgewiesen, während Sebald, derselbe Jahrgang, Professor der Literaturwissenschaft an der University of East Anglia in Norwich, erst in seinem letzten Jahrzehnt (er ist 2001 gestorben) literarisch aktiv wird. Beide setzten sich in ihrem Opus fast ausschließlich mit dem Thema der Nazi-Vergangenheit auseinander. Schlink beschäftigt sich auch als Jurist überwiegend mit der Frage der Schuld, während für Sebald die zentrale Frage eben die Frage nach der Funktion von Erinnerungen und Gedächtnis für Geschichte darstellt.
In Schlinks Krimiromanen kommt schon sein zentrales Thema zum Ausdruck, nämlich „die deutsche Vergangenheit, die nicht vergehen will, und die Unmöglichkeit einer pauschalen Verurteilung oder Freisprechung einer Gruppe von Menschen“39, aber der wahre Durchbruch in die literarische Welt gelingt ihm erst 1995 mit dem preisgekrönten, in neununddreißig Sprachen übersetzten Roman Der Vorleser. Es ist erwähnenswert, dass es das erste deutsche Buch war, das auf Platz eins der Bestsellerliste der New York Times stand. Für Der Vorleser erhielt der Autor zahlreiche Preise, darunter auch den Hans-Fallada-Preis. Es ist eine Art „Prosa-Lehrstück über Schuld und Verfehlungen der NS-Zeit“40. In diesem Roman hat der Autor die Liebesgeschichte zwischen einem anfangs fünfzehnjährigen Schüler und einer älteren Straßenbahnschaffnerin mit der Frage nach der Schuld der Deutschen vor und nach 1945 verbunden: Die Schaffnerin stellt sich im Verlauf des Romans als ehemalige KZ-Aufseherin heraus, der Schüler, jetzt ein Jura-Student, fühlt sich zerrissen zwischen seiner nicht vergessenen Jugendliebe und seinem festen Willen, die Nazi-Verbrechen zu verurteilen.
1. EINFÜHRUNG: Diese Einleitung beschreibt den literarischen Aufschwung um die Jahrtausendwende und legt den Fokus auf die Problematik der Kanonbildung in der Gegenwartsliteratur.
2. LITERARISCHE SITUATION DER NEUNZIGER JAHRE - VON DER LITERATURKRISE BIS ZUR NEUEN LUST AM ERZÄHLEN: Das Kapitel analysiert die literarischen Skandale und den Generationswechsel in den 90er Jahren, welche die Literaturkrise beendeten.
3. DER NACHKLANG DES ZWEITEN WELTKRIEGS IN DER DEUTSCHEN NACHKRIEGS- UND GEGENWARTSLITERATUR: Hier wird untersucht, wie jüngere Autoren die NS-Vergangenheit aus der Perspektive nachfolgender Generationen aufarbeiten.
4. DDR-LITERATUR NACH DER DDR?: Dieses Kapitel betrachtet den literarischen Umgang mit der Wende und dem untergegangenen DDR-Staat durch Autoren aus Ost und West.
5. WEITERE STRÖMUNGEN UND THEMENBEREICHE IN DER DEUTSCHEN GEGENWARTSLITERATUR: Ein Überblick über zentrale Strömungen wie Pop-Literatur, Migrantenliteratur, Berlin-Romane und die internationale Ausrichtung deutscher Autoren.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Eine abschließende Synthese der Ergebnisse über die Vielfalt und die veränderte Wahrnehmung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
Gegenwartsliteratur, Literaturwende, Wenderoman, NS-Vergangenheit, Pop-Literatur, Migrantenliteratur, Generationswechsel, Erinnerungskultur, Berlin-Roman, Identität, Geschichtsaufarbeitung, Deutsche Einheit, Literaturkritik, Belletristik, Erzählkultur
Die Diplomarbeit untersucht die zentralen Strömungen und Themenfelder der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur im Zeitraum von ca. 1995 bis 2005.
Die Schwerpunkte liegen auf der Verarbeitung der NS-Zeit, der DDR-Vergangenheit, dem Wenderoman sowie neuen Strömungen wie der Pop- und Migrantenliteratur.
Das Ziel ist es, Ordnung in die unübersichtliche Literaturszene zu bringen und die wichtigsten Strömungen sowie deren Hauptvertreter systematisch darzustellen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die zentrale Werke, Kritiken und literaturwissenschaftliche Diskurse in den Kontext der zeitgeschichtlichen Entwicklungen setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zum Nachklang des Zweiten Weltkriegs, zur Literatur nach der DDR sowie zu spezifischen Genre-Entwicklungen und thematischen Erweiterungen in der Gegenwartsliteratur.
Zu den prägenden Begriffen gehören Gegenwartsliteratur, Wenderoman, Erinnerungskultur, Pop-Literatur, Generationenwechsel und der literarische Umgang mit der deutschen Geschichte.
Die Autorin stellt fest, dass der Wenderoman primär ein von der Literaturkritik gefordertes Konstrukt war, welches in der Realität durch vielfältige, individuelle Perspektiven ersetzt wurde.
Die Pop-Literatur markierte einen Bruch mit der moralisierenden Nachkriegsliteratur und trug maßgeblich zur Popularisierung des Lesens bei jüngeren Generationen bei.
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