Masterarbeit, 2020
115 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Methodik
4. Quellenkritik
4.1. Oral History und Protokollliteratur – eine Abgrenzung
4.2. Protokollliteratur in der DDR
4.3. Kritische Betrachtung der DDR-Protokollliteratur und ihr Mehrwert als historische Quelle
4.4. Verwendete Protokollbände
4.4.1. Maxie Wander: Guten Morgen, du Schöne (1975, hier 1978²)
4.4.2. Christine Müller: Männerprotokolle (1985)
4.4.3. Christine Lambrecht: Männerbekanntschaften. Freimütige Protokolle (1986)
4.4.4. Jürgen Lemke: Ganz normal anders. Auskünfte schwuler Männer aus der DDR (1989)
4.4.5. Kerstin Gutsche: Ich ahnungsloser Engel. Lesbenprotokolle (1991)
5. Geschlechtergerechtigkeit in der späten DDR
5.1. Geschlechtergerechtigkeit in der DDR – historischer Kontext
5.2. Analyse des Datenmaterials – Geschlechtergerechtigkeit
5.2.1. Narrative über Weiblichkeit
5.2.1.1. Selbstwahrnehmung ihrer Rolle als Frau
5.2.1.2. Fremdwahrnehmung der Frauenrollen
5.2.2. Narrative über Männlichkeit
5.2.2.1. Selbstwahrnehmung der Rolle als Mann
5.2.2.2. Fremdwahrnehmung Männlichkeit
5.2.3. Narrative über Gleichberechtigung
6. Beziehungsalltag in der späten DDR
6.1. Paarbeziehungen in der späten DDR – historischer Kontext
6.1.1. Pronatalistische Maßnahmen der DDR-Regierung
6.1.2. Eheschließung in der DDR
6.1.3. Nichteheliche Lebensgemeinschaften in der DDR
6.1.4. Ehescheidungen in der DDR
6.2. Analyse des Datenmaterials – Paarbeziehungen
6.2.1. Gründungen von Paarbeziehungen
6.2.2. Konfliktmanagement in Paarbeziehungen
6.2.3. Trennungsverläufe
7. Sexualität in der späten DDR
7.1. Sexualmoral und Sexualpolitik im historischen Kontext
7.1.2. Sexualität – Liebe – Ehe
7.2. Analyse des Datenmaterials – Sexualität
7.2.1. Die Aufklärung und „das erste Mal“
7.2.2. Narrative über Sexualität
8. Homosexualität in der späten DDR
8.1. Homosexualität in der DDR – historischer Kontext
8.2. Analyse des Datenmaterials – Homosexualität
8.2.1. Umgang mit der eigenen sexuellen Orientierung
8.2.2. Homophobie in der Gesellschaft
9. Fazit und Ausblick
Die Arbeit analysiert, wie DDR-Bürger*innen individuelle Freiheiten in Bezug auf Geschlechterrollen, Partnerschaften und Sexualkultur gestalteten und welche persönlichen Wahrnehmungen sie innerhalb dieses gesellschaftlichen Rahmens artikulierten.
1. Einleitung
„Etwas fällt mir ein, das wirst du sonderbar finden. Wir schlucken jetzt alle diese grüne Pille zum Frühstück, die uns die Freiheit gebracht hat, ja? Ich weiß genau, ich gehe kein Risiko mehr ein, wenn ich mit einem Mann schlafe. Weißt du was? Wenn ich einen Mann liebe, dann will ich dieses Risiko eingehen! Weil der ganze Sex sonst auf die Dauer öde wird. Da wird eben was Wichtiges ausgeklammert, eine große Erschütterung. Man wird flach ohne dieses Risiko. Sex ist für mich ja nicht ein Spaß, sondern gelegentlich etwas Totales. Im Sex drücke ich meine ganze Persönlichkeit aus, viel direkter als sonstwo, ja? Ich bin keine Sexmaschine, ich bin eine Frau. Und es geht wunderbar, sobald ein Mann das begriffen hat. Enthemmung ist hervorragend, doch es bleibt eine Leere, die schlimm sein kann, wenn das alles überhaupt nichts mehr mit Verantwortung zu tun hat.
Eine gesunde Sexualität muß dem Menschen anerzogen werden. Wer denkt darüber denn nach? Ich bin der Auffassung, daß alles lernen kann, die Liebe wie den Sex.“ – Rosi
Sexualität wird in unserer heutigen Gesellschaft regelmäßig in den öffentlichen Diskurs gezogen. Produkte werden mit sexualisierten Inhalten vermarktet, wir führen einen stetigen Diskurs darüber, wie denn eine gelungene Sexualität aussehen könnte oder wir diskutieren darüber, dass die heterosexuelle Kleinfamilie – als „normale“ Familienform – durch die frühzeitige Sexualaufklärung über differente Sexualitäten im Kindesalter in Gefahr geraten könnte. Sexualität und Sexualitäten scheinen also etwas Totales zu sein.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Sexualität und Geschlechterrollen in der späten DDR unter Verwendung zeitgenössischer Erzählungen.
2. Forschungsstand: Überblick über existierende literaturwissenschaftliche und historische Ansätze zur DDR-Protokollliteratur.
3. Methodik: Erläuterung der qualitativen Inhaltsanalyse als Instrument zur Auswertung biographischer Protokolle.
4. Quellenkritik: Auseinandersetzung mit der Gattung der Protokollliteratur und deren Eignung als historische Quelle.
5. Geschlechtergerechtigkeit in der späten DDR: Untersuchung der Rollenbilder von Mann und Frau im Spannungsfeld zwischen staatlicher Ideologie und individueller Lebensrealität.
6. Beziehungsalltag in der späten DDR: Analyse der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Paarbeziehungen, Heiratsverhalten und Scheidungsmuster.
7. Sexualität in der späten DDR: Betrachtung der Sexualmoral und der subjektiven Bedeutung von Sexualität jenseits staatlicher Normen.
8. Homosexualität in der späten DDR: Analyse der gesellschaftlichen Stellung und individuellen Erfahrungen homosexueller Menschen in der DDR.
9. Fazit und Ausblick: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse zur Diskrepanz zwischen staatlichen Normen und gelebtem Alltag.
DDR, Sexualität, Geschlechterrollen, Paarbeziehung, Protokollliteratur, Alltagsgeschichte, Emanzipation, Homosexualität, Sozialismus, Familienpolitik, Gender, Identität, DDR-Alltag, Oral History, Lebensgemeinschaft.
Die Arbeit untersucht, wie Menschen in der späten DDR ihre Partnerschaften, Sexualität und Geschlechterrollen erlebten und gestalteten.
Die Arbeit behandelt die Bereiche Geschlechtergerechtigkeit, Beziehungsalltag, Sexualmoral sowie die spezifische Situation homosexueller Menschen in der späten DDR.
Das Ziel ist herauszufinden, wie DDR-Bürger*innen ihre individuelle Freiheit und ihre Wahrnehmung innerhalb der gegebenen gesellschaftlichen Strukturen (Normen, Erwartungen) formulierten.
Die Autorin verwendet die qualitative Inhaltsanalyse, um Protokollliteratur und Interviews aus der Zeit zwischen 1978 und 1991 systematisch auszuwerten.
Der Hauptteil analysiert narrative Protokolle zu den Themenfeldern Weiblichkeit, Männlichkeit, Paarkonflikte, Scheidung, sexuelle Selbstbestimmung und die Herausforderungen für die LGBTQ+-Community.
DDR-Alltag, Geschlechterrollen, Sozialismus, Sexualität, Identität und Emanzipation bilden den Kern der Analyse.
Die Arbeit zeigt, dass die DDR-Regierung durch pronatalistische Anreize und Eheförderung zwar versuchte, das Familienmodell zu steuern, dies aber oft an der Realität und den individuellen Bedürfnissen der Bürger*innen scheiterte.
Die Erzählungen darüber dienen als Indikator für den Stand der Sexualaufklärung und den sozialen Druck innerhalb der DDR, der oft zu Unbehagen oder Erwartungshaltungen führte, die nicht mit der individuellen emotionalen Realität übereinstimmten.
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