Bachelorarbeit, 2019
53 Seiten, Note: 1,5
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Geschichtlicher Hintergrund
2.2 Nationalsozialismus als Unterrichtsgegenstand für den Grundschulunterricht
2.3 Potenziale eines problemorientierten Literaturunterrichts
3. Das Bilderbuch als Medium für den Unterrichtsgegenstand Nationalsozialismus
3.1 Das Bilderbuch als Medium
3.2 Das Bilderbuch als Vehikel für den problemorientierten Literaturunterricht
3.3 Anforderungen an die Gestaltung von Bilderbüchern zum Nationalsozialismus
4. Analyse der Bilderbuchbeispiele
4.1 Vorliegende Ansätze zur Analyse von Bilderbüchern
4.2 Elisabeth Reuter: Judith und Lisa
4.2.1 Strukturelle Untersuchung des Textes
4.2.2 Gestaltungsmerkmale der Bilder
4.2.3 Die Entwicklung des Themas in Text- und Bildstruktur
4.3 Judith S. Kestenberg: Als Eure Großeltern jung waren
4.3.1 Strukturelle Untersuchung des Textes
4.3.2 Gestaltungsmerkmale der Bilder
4.3.3 Die Entwicklung des Themas in Text- und Bildstruktur
5. Vergleichende Betrachtung und Bewertung der Bilderbücher
6. Fazit
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Bilderbücher "Judith und Lisa" und "Als Eure Großeltern jung waren" geeignet sind, das komplexe und sensible Thema Nationalsozialismus sowie den Holocaust bereits im Literaturunterricht der Grundschule zu vermitteln.
2.1 Geschichtlicher Hintergrund
Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus ein Anfang bereitet, und insbesondere jüdische Personen fielen den faschistischen Grausamkeiten zum Opfer (vgl. Hildebrand 2003: 1). In der Zeit von April 1933 bis 1945 wurden insgesamt etwa 2000 Gesetze gegen die jüdische Bevölkerung erlassen (vgl. Zimmermann 1997: 48).
Als erste Maßnahme, die sich gezielt gegen die jüdische Minderheit richtete, kann der Boykott gegen jüdische Unternehmen gelten, welcher auf den 1. April 1933 befristet wurde (vgl. Longerich 1998: 35). Hierbei handelte es sich jedoch entgegen der offiziellen Bezeichnung nicht um eine „auf der freiwilligen Entscheidung von Konsumenten beruhende[n] Maßnahme“ (Longerich 1998: 35), sondern um eine staatlich organisierte Unterbindung wirtschaftlicher Tätigkeiten der jüdischen Ärzte, Rechtsanwälte und Geschäftsinhaber (vgl. ebd.). Potenzielle Kunden wurden durch Warn-Plakate davon abgehalten in jüdischen Geschäften einzukaufen. Tätigten diese ihre Einkäufe dennoch in den betreffenden Geschäften, wurden sie fotografiert oder mussten ihre Identität bekannt geben (vgl. Longerich 1998: 37). Die Mehrheit der Bevölkerung verhielt sich so, wie das Regime es von ihnen erwartete und mied die jüdischen Unternehmen.
1. Einleitung: Diese Einleitung begründet die Notwendigkeit einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Grundschule und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie die untersuchten Bilderbücher vor.
2. Theoretische Grundlagen: Das Kapitel skizziert den geschichtlichen Hintergrund der NS-Zeit und diskutiert die pädagogische Debatte über die Thematisierung des Holocaust im Grundschulalter sowie die Potenziale eines problemorientierten Literaturunterrichts.
3. Das Bilderbuch als Medium für den Unterrichtsgegenstand Nationalsozialismus: Hier wird das Bilderbuch definiert, seine Eignung für den Unterricht analysiert und es werden Anforderungen an die Gestaltung solcher Bücher formuliert.
4. Analyse der Bilderbuchbeispiele: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte strukturelle, bildnerische und thematische Analyse der zwei ausgewählten Bilderbücher "Judith und Lisa" und "Als Eure Großeltern jung waren".
5. Vergleichende Betrachtung und Bewertung der Bilderbücher: Die beiden Werke werden hinsichtlich ihrer Identifikationsangebote, ihrer Darstellung geschichtlicher Wirklichkeit und ihrer typisierenden Personendarstellung verglichen und bewertet.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Bilderbücher trotz einzelner Schwächen für den Unterricht geeignet sind, sofern eine intensive pädagogische Begleitung stattfindet.
Nationalsozialismus, Holocaust, Literaturunterricht, Grundschule, Bilderbuch, Kinderliteratur, Geschichtsbewusstsein, Identifikation, problemorientierter Unterricht, Antisemitismus, Erinnerungskultur, pädagogische Vermittlung, Judith und Lisa, Als Eure Großeltern jung waren
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Eignung und den Herausforderungen, das komplexe Thema Nationalsozialismus und Holocaust anhand von Bilderbüchern im Literaturunterricht der Grundschule zu vermitteln.
Zentrale Themen sind die geschichtliche Aufarbeitung, die didaktische Begründung für eine frühe Thematisierung, die Analyse von Kinderliteratur als Medium sowie die Möglichkeiten der Werteerziehung und Solidaritätsentwicklung bei Kindern.
Das Ziel ist es, exemplarisch an zwei Bilderbüchern zu prüfen, ob und wie diese Medien dazu beitragen können, Grundschulkindern einen altersgerechten Zugang zur NS-Vergangenheit zu ermöglichen, ohne sie kognitiv oder emotional zu überfordern.
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse basierend auf dem "thematischen Ansatz" nach Jens Thiele, um die Bilderbücher systematisch hinsichtlich ihrer Text- und Bildstruktur sowie ihrer Eignung für den Unterricht zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Definition und Anforderungsanalyse des Mediums Bilderbuch sowie die detaillierte Analyse und der Vergleich der beiden Kinderbücher "Judith und Lisa" und "Als Eure Großeltern jung waren".
Die zentralen Begriffe umfassen Nationalsozialismus, Holocaust, Grundschuldidaktik, Literaturunterricht, Bilderbuchanalyse sowie Erinnerungskultur.
Die Bücher wählen unterschiedliche Strategien: Während "Judith und Lisa" Gewalt eher indirekt durch die Ausgrenzung der jüdischen Freundin thematisiert, zeigt "Als Eure Großeltern jung waren" auch explizitere Aspekte wie Lager und Selbstmord, was höhere Anforderungen an die begleitende Lehrkraft stellt.
Die Autorin betont, dass Bilderbücher zu diesem Thema keinesfalls selbsterklärend sind. Die Lehrkraft ist essenziell, um Hintergründe zu erläutern, Fragen zu beantworten und die Kinder bei der Verarbeitung der schwierigen Inhalte zu unterstützen.
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