Diplomarbeit, 2008
69 Seiten, Note: 1,0
1 EINLEITUNG
2 BEGRIFFLICHKEITEN DER SYSTEMTHEORIE
2.1 Der Begriff der Autopoiesis
2.1.1 Autopoiesis nach Maturana und Varela
2.1.2 Autopoiesis nach Luhmann
2.2 Psychische Systeme
2.3 Emergenz
2.4 Strukturelle Kopplung / Interpenetration
2.5 Komplexität
2.5.1 Kontingenz
2.5.2 Doppelte Kontingenz
2.6 Sinn
2.7 Kommunikation und Wahrnehmung
2.8 Zeit, Struktur und Prozess
2.9 Beobachtung und „Blinder Fleck“
2.10 Realität durch Selbst- und Fremdreferenz
3 AUTOPOIETISCHE GENESE PSYCHISCHER SYSTEME
3.1 Autopoietisches Bewusstseinssystem versus Subjektbegriff
3.2 Konsequenzen der Geschlossenheit psychischer Systeme
3.2.1 Beobachtung und Teilnahme an Kommunikation
3.2.1.1 Operation der Beobachtung
3.2.1.1.1 Alter Ego
3.2.1.1.2 Paradoxie der Selbstreferenz
3.2.1.2 Teilnahme an Kommunikation als Kontakt
3.3 Erzeugung und Reproduktion von Gedankenereignissen
3.4 Entstehung und Formung des Bewusstseins
3.4.1 Bi-Stabilität und „crossing“
3.4.2 Bedingte Fremdreferenz und Resonanz
3.4.3 Trivialmaschine versus Nicht-Trivialmaschine
3.4.3.1 Selbstintendierung, Ich, Identität
3.5 Kommunikation, Sprache und Bewusstsein
3.6 Erwartungen des Bewusstseins
3.7 Individuum: Differenz von Bewusstsein und Leben
3.7.1 Das Bewusstsein des „Beobachtetwerdens“
3.8 Autopoietische Genese
4 SOZIALISATION UND ERZIEHUNG DES BEWUSSTSEINS
4.1 Sozialisation nach Luhmann
4.2 Selbstsozialisation
4.2.1 Voraussetzungen für die Erfassung von Erwartungen
4.2.2 Abweichung und Konformität
4.3 Individualität durch Abweichung sozialer Normen
4.4 Erziehung
5 FAZIT
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Niklas Luhmanns systemtheoretische Konzeption des psychischen Systems als autopoietisch operierendes System zu verdeutlichen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich dabei mit der autopoietischen Genese psychischer Systeme und deren systemtheoretischer Abgrenzung gegenüber klassischen Subjekt- und Erziehungsbegriffen.
3.2.1.1.1 Alter Ego
Unter anderem, durch die Reflexion der Beobachtung des Beobachteten, ergibt sich nach Luhmann die „Unterstellung eines alter ego“:
“Die Unterstellung eines alter ego kommt mithin dadurch zustande, daß der Beobachter auf das Beobachten reflektiert und das Nichtbeobachtete am Beobachteten mitzubeobachten versucht.”
Folglich ist ein „alter ego“, systemtheoretisch betrachtet, dass „erarbeitete“ Wissen darüber, dass andere psychische System ebenso intransparent sind, wie das eigene. So trivial diese Feststellung klingen mag, verbindet diese doch das Verständnis über eine Sozialdimension, in der ein „alter ego“ eine universelle Relevanz im Sinnhorizont des Bewusstseins trägt. Das „alter ego“ ermöglicht eine soziale „Sinnverweisung“, d.h. es kann hinterfragt werden, ob das andere Bewusstseinssystem „Sinn“ im gleichen Maße oder anders erfährt wie man selbst. Sinn wird dadurch zu einem eigentümlichen Komplex von Auffassungswerten, was letztlich auf den Aspekt der Kontingenz verweist.
1 EINLEITUNG: Darstellung des theoretischen Rahmens der Arbeit, die sich mit Luhmanns Systemtheorie und der Autopoiesis des Bewusstseins befasst.
2 BEGRIFFLICHKEITEN DER SYSTEMTHEORIE: Einführung in die zentralen Begriffe der Systemtheorie nach Luhmann, darunter Autopoiesis, Komplexität, Sinn und strukturelle Kopplung.
3 AUTOPOIETISCHE GENESE PSYCHISCHER SYSTEME: Vertiefung der Autopoiesis-Theorie für Bewusstseinssysteme, Analyse der Selbst- und Fremdreferenz sowie der paradoxen Strukturen des Denkens.
4 SOZIALISATION UND ERZIEHUNG DES BEWUSSTSEINS: Untersuchung der Möglichkeiten und Grenzen von Sozialisation und Erziehung angesichts der operativen Geschlossenheit psychischer Systeme.
5 FAZIT: Zusammenfassende Würdigung von Luhmanns Theorie und Ausblick auf deren Bedeutung für die pädagogische und psychologische Forschung.
Systemtheorie, Niklas Luhmann, Autopoiesis, Bewusstsein, Psychische Systeme, Selbstreferenz, Kommunikation, Sozialisation, Erziehung, Komplexität, Kontingenz, Strukturelle Kopplung, Sinn, Nicht-Trivialmaschine, Identität
Die Arbeit untersucht Niklas Luhmanns systemtheoretische Ansätze zur Definition und Genese psychischer Systeme als geschlossene, autopoietische Einheiten.
Neben den systemtheoretischen Grundbegriffen stehen die Autopoiesis, das Verhältnis von Individuum und Umwelt sowie die kritische Auseinandersetzung mit Erziehung und Sozialisation im Fokus.
Das Ziel ist die Erläuterung der „autopoietischen Genese“ des Bewusstseins, um das menschliche Denken jenseits traditioneller, oft diffuser Subjektbegriffe systemtheoretisch präzise zu fassen.
Es handelt sich um eine systematische Literaturarbeit, die Luhmanns theoretische Konstrukte interpretiert und auf psychologische sowie pädagogische Fragestellungen anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Begriffsarbeit, die Analyse der autopoietischen Genese psychischer Systeme sowie eine kritische Betrachtung von Selbstsozialisation und pädagogischen Interventionsmöglichkeiten.
Die Arbeit zeichnet sich durch einen hohen Abstraktionsgrad und den Versuch aus, Luhmanns soziologische Theorie interdisziplinär auf den Sonderfall des psychischen Systems zu übertragen.
Psychische Systeme sind als Nicht-Trivialmaschinen konzipiert, die zirkulär-kausal, geschichtsabhängig und somit analytisch nicht determinierbar reagieren, statt auf gleiche Inputs mit gleichen Outputs zu antworten.
Erziehung wird als intentionalisierte, aber oft erfolgsunsichere Kommunikation verstanden, die das psychische System zur Selbstsozialisation irritieren kann, anstatt es direkt zu formen.
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