Diplomarbeit, 2007
113 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Vorgehensweise
1.2 Forschungsstand
2. Freizeit
2.1 Migranten in der Freizeitsoziologie
2.2 Freizeit von Frauen
2.3 Freizeit in der Türkei
3. Kultur
4. Integration
5. Die These vom Kulturkonflikt
6. Erziehung in türkischen Familien
7. Zur sozialen Konstruktion von Geschlecht und Ethnie
7.1. Ethnie
7.2 Geschlecht
7..3 Geschlechterkonstruktionen in der Türkei, in Deutschland und in der Migration
7.3.1 Geschlechterrollen in der Türkei
7.3.2 Geschlechterrollen unter türkischen Migranten in Deutschland
7.3.3 Geschlechterrollen in Deutschland
7.3.4 Zur Rolle der Frau im Islam
8. Die Lebenslage und Rahmenbedingungen der Freizeitgestaltung von türkischen Mädchen und jungen Frauen
8.1 Wohn- und Familiensituation
8.2 Bildung und Erwerbstätigkeit
8.3 Finanzielle Rahmenbedingungen
8.4 Zeitbudget
9. Freizeitkontakte
9.1 Inner- und interethnische Freundschaften
9.2 Geschlechtsgemischte Gruppen
9.3 Freizeit in der Familie
9.4 Sprache im Freundeskreis
9.5 Ethnisch orientierte Cliquenformationen
9.5.1 Türkische Street Gangs
9.5.2 Die türkischen Powergirls
10. Freizeitaktivitäten
10.1 Freizeitaktivitäten im Überblick
10.2 Freizeiträume
10.3 Diskotheken und Musikszenen
10.4 Fernsehnutzung
10.5 Sport
10.6 Vereine und Organisationen
10.7 Organisierte Freizeitangebote – Angebote für Mädchen
11. Fazit
Die Diplomarbeit untersucht das Freizeitverhalten von türkischen Mädchen und jungen Frauen in Deutschland. Ziel ist es, zu analysieren, ob ihr Freizeitverhalten als Indikator für den Stand ihrer Integration dienen kann und inwiefern unterschiedliche kulturelle Geschlechterrollenverständnisse ihre Freizeitgestaltung beeinflussen.
1. Einleitung
Vorweg gesagt: Die Gruppe der türkischen Mädchen und jungen Frauen ist in sich äußerst heterogen. Sie setzt sich zusammen aus Personen verschiedener Schichten, Milieus, Konfessionen und regionaler Herkunft (mit entsprechend unterschiedlichen regionalen Traditionen), sie unterscheiden sich in der Wanderungsgeschichte ihrer Familien. Sie nach ihrer türkischen Herkunft differenziert zu untersuchen ist damit nur eine von vielen Möglichkeiten.
In den Medien, Alltagsdeutungen, sowie Teilen der wissenschaftlichen Literatur dienen türkische Frauen als Symbol für mangelnde Integration. Ihr „Anderssein“ bezüglich Verhalten, Kleidung und Stellung in der Familie wird thematisiert in integrationsbezogenen Diskussionen um das Kopftuch, Ehrenmorde, islamischen Fundamentalismus etc.
In diesem Zusammenhang wird Migranten mit türkischem Migrationshintergrund zugeschrieben, dass ihre Geschlechterrollen deutlich unterschiedlich sind von denen „der“ deutschen bzw. westlichen Kultur. Dies wird als Integrationshemmnis und Anzeichen mangelnder Integrationsbereitschaft gedeutet. Teilweise ausgeblendet werden hierbei die Veränderungen von Werten und Normen, die Familien und Individuen durch Migrationsprozesse erfahren.
Thematisiert wird das Anderssein „der“ türkischen Mädchen und Frauen auch in Bezug auf das Freizeitverhalten:
„Sie dürfen nicht nur nicht tanzen, sondern auch nicht an Klassenfahrten teilnehmen, nicht ins Kino oder ins Cafe gehen, nicht alleine spazieren gehen. Es werden nur die notwendigen Kontakte wie Schulbesuch, eventuell Einkaufen und Behördengänge zugelassen. Hingegen nehmen die Verpflichtungen im Haushalt einschließlich der Versorgung kleinerer Kinder zu. Für die meisten türkischen Mädchen sind Freizeitkontakte mit einem Freund undenkbar; einige von ihnen dürfen sich innerhalb einer Gruppe bewegen; längst nicht alle Mädchen dürfen mit der Freundin ein Kino besuchen und noch weniger mit einer nach Geschlecht gemischten Gruppe ins Kino gehen; kaum ein Mädchen darf in die Disko […]. Die Mädchen sind auf Freizeitbetätigungen mit ihren Eltern verwiesen, wie gemeinsam spazieren gehen und Besuche von Verwandten […].“
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Heterogenität der Zielgruppe heraus und erläutert die Forschungsfrage sowie das Vorgehen der Untersuchung.
2. Freizeit: Dieses Kapitel liefert eine soziologische Definition von Freizeit und diskutiert die Abgrenzung zur „Obligationszeit“ bei Frauen sowie kulturelle Spezifika in der Türkei.
3. Kultur: Es erfolgt eine theoretische Klärung des Kulturbegriffs, um kulturelle Unterschiede und Distanzen im Kontext der Integration zu analysieren.
4. Integration: Dieses Kapitel beleuchtet den Integrationsbegriff sowie die verschiedenen Dimensionen und Ansätze, wie etwa die transnationale Migration.
5. Die These vom Kulturkonflikt: Es wird die These einer „völligen Unvereinbarkeit“ zwischen deutscher und türkischer Kultur kritisch hinterfragt und diskutiert.
6. Erziehung in türkischen Familien: Das Kapitel analysiert stereotype Erziehungsmerkmale und zeigt die Variationen zwischen traditionellen und modernen Erziehungsstilen auf.
7. Zur sozialen Konstruktion von Geschlecht und Ethnie: Hier werden die theoretischen Konzepte von Geschlecht und Ethnie als soziale Konstruktionen und deren Wechselwirkung untersucht.
8. Die Lebenslage und Rahmenbedingungen der Freizeitgestaltung von türkischen Mädchen und jungen Frauen: Es werden objektive Faktoren wie Wohnsituation, Bildung und finanzielle Rahmenbedingungen analysiert.
9. Freizeitkontakte: Das Kapitel untersucht die sozialen Kontakte, die Bedeutung von Freundeskreisen und Cliquen sowie das Sprachverhalten.
10. Freizeitaktivitäten: Ein Überblick über konkrete Freizeitaktivitäten, Freizeiträume sowie die Teilnahme an organisierten Angeboten für Mädchen.
11. Fazit: Die Zusammenführung der Ergebnisse zeigt, dass das Freizeitverhalten türkischer Mädchen durch vielfältige Bedingungen geprägt ist und nicht als bloßer Mangel an Integration missverstanden werden sollte.
Freizeit, Integration, Gender, Türkische Mädchen, Migrationshintergrund, Geschlechterrollen, Kulturkonflikt, Sozialisation, Familie, Freizeitaktivitäten, ethnische Identität, Transkulturalität, soziale Netzwerke, Freizeitkontakte, Lebenslage
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Analyse des Freizeitverhaltens von jungen türkischstämmigen Frauen in Deutschland unter dem Aspekt der Integration.
Zentrale Themen sind der Einfluss von Erziehung und Geschlechterrollen, die Bedeutung ethnischer Netzwerke und die Frage nach der (Mehrfach-)Integration.
Das Ziel ist die Überprüfung, ob das Freizeitverhalten türkischer Mädchen Aufschluss über ihr Integrationsmuster gibt und wie kulturelle Geschlechterkonstruktionen die Gestaltung ihrer Freizeit beeinflussen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer Sekundärauswertung existierender quantitativer und qualitativer Studien (Mehrthemenuntersuchungen).
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen (Kultur, Integration, Gender), die Lebenslage (Wohnung, Finanzen) und die empirische Analyse von Kontakten und Aktivitäten.
Die zentralen Begriffe sind Integration, Freizeitverhalten, Geschlechterrollen, türkische Migration und soziale Konstruktion.
Die Arbeit zeigt, dass türkische Mädchen häufiger in privaten Räumen und bei der Familie Freizeit verbringen, während erlebnisorientierte Angebote (Disko, Sportvereine) weniger genutzt werden.
Hierbei handelt es sich um eine untersuchte Gruppe von Mädchen, die sich bewusst von traditionellen Rollenbildern distanzieren und eine eigene, transkulturelle Identität im Alltag entwickeln.
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