Examensarbeit, 2007
104 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Terminologie
2.1 Verbrechensliteratur
2.2 Kriminalliteratur
2.2.1 Der Detektivroman
2.2.2 Der Thriller / Der kriminalistische Aktionsroman
3. Gattungsgeschichte
4. Gattungstypische Elemente
4.1 Die Handlungselemente und ihre erzähltechnische Umsetzung
4.1.1 Das rätselhafte Verbrechen / Der Mord
4.1.2 Die Fahndung
4.1.3 Die Lösung des Falles
4.2 Die Figuren des Detektivromans
4.3 Das Milieu im klassischen Detektivroman
4.4 Handlungsschauplätze des Detektivromans
5. Die Detektivromane Friedrich Dürrenmatts
5.1 Der Richter und sein Henker
5.1.1 Handlungselemente
5.1.2 Figuren
5.1.3 Milieu-/Gesellschaftsdarstellung
5.1.4 Topographie
5.2 Der Verdacht
5.2.1 Handlungselemente
5.2.2 Figuren
5.2.3 Milieu-/ Gesellschaftsdarstellung
5.2.4 Topographie
5.3 Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman
5.3.1 Handlungselemente
5.3.2 Figuren
5.3.3 Milieu-/ Gesellschaftsdarstellung
5.3.4 Topographie
6. Fazit
Die wissenschaftliche Hausarbeit untersucht die Detektivromane Friedrich Dürrenmatts hinsichtlich der Frage, ob diese die klassische Gattung des Detektivromans systematisch zerstören oder ob es sich um notwendige Variationen zur Modernisierung handelt.
4.1.1 Das rätselhafte Verbrechen / Der Mord
Der Mord zu Beginn des Romans ist das zentrale Ereignis der Handlung. Er fungiert als das die Handlung beherrschende Rätsel, hat aber doch nur auslösende Funktion: „Wenn Mord als Rätselstellung intellektuelle Neugierde (oder eine Art kunsthandwerklichen Interesses) erwecken soll, so ist es ganz folgerichtig, wenn seine Ausführung kompliziert und unwahrscheinlich ist.“ Beim Mordrätsel sollte es sich somit um eine von der Alltagserfahrung des Lesers abweichende Kuriosität handeln, dessen Konstruktion idealtypisch zwar höchst unwahrscheinlich, aber dennoch nicht physisch unmöglich ist. Um die Kuriosität des Rätsels und somit die Spannung zu erhöhen, wird der Mord zusätzlich in einem soziologisch untypischen Kontext verübt: „Eine idyllische Szene fungiert als Topographie, in der die Mittelschicht das Zentrum der dargestellten Gesellschaft bildet.“ Da der Mord nur als Rätsel fungiert, spielen Blut- und Gewalttaten im Detektivroman – im Gegensatz zum Thriller – keine Rolle, zentral sind die Lösungsversuche und ihre Methoden, nicht so sehr das Milieu und die psychische Konstitution des Täters: „Gemäß der Gattungstradition kristallisieren Handlungsschematisierung, Personentypisierung und Abgeschlossenheit des Handlungsschauplatzes essentiell das Rätsel und bewirken eine a-realistische Darstellung der Gesellschaft.“ Entscheidend ist, dass der Mord nicht als Symptom für einen moralischen Defekt der Gesellschaft beschrieben wird: „Zwar wirkt er als sozialer Katalysator: er reißt die Fassade der Wohlanständigkeit herunter, so daß sich im Laufe der Detektion das unehrenwerte Sein der dargestellten Gesellschaft offenbart. Damit intendiert Christie jedoch keine Sozialkritik, sondern sie will den Schwierigkeitsgrad der Rätselfrage nach dem Mörder erhöhen.“
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert das Thema der Arbeit und stellt die Forschungsfrage nach der Destruktion oder Variation der Detektivroman-Gattung durch Friedrich Dürrenmatt.
2. Terminologie: Dieses Kapitel definiert und grenzt Begriffe wie Kriminalliteratur, Detektivroman und Thriller voneinander ab, um eine Arbeitsgrundlage zu schaffen.
3. Gattungsgeschichte: Es wird die historische Entwicklung des Detektivromans skizziert, wobei die Bedeutung englischsprachiger Vorbilder und mediale Entstehungsbedingungen hervorgehoben werden.
4. Gattungstypische Elemente: Hier werden die wesentlichen Merkmale des klassischen Detektivromans erarbeitet, die als Analysekriterien für Dürrenmatts Werke dienen.
5. Die Detektivromane Friedrich Dürrenmatts: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die Werke „Der Richter und sein Henker“, „Der Verdacht“ und „Das Versprechen“ hinsichtlich ihrer Gattungstradition und -innovation.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und beantwortet, inwiefern Dürrenmatt das Genre destruiert oder durch Variationen rettet.
Friedrich Dürrenmatt, Detektivroman, Kriminalliteratur, Gattungsgeschichte, Destruktion, Analysis, Mystery, Zufall, Bärlach, Matthäi, Gattungstypische Elemente, Literaturwissenschaft, Gesellschaftsdarstellung, Kriminalroman, Erzähltechnik.
Die Arbeit untersucht die Detektivromane von Friedrich Dürrenmatt auf ihre gattungsspezifischen Eigenschaften und analysiert, wie der Autor das klassische Genre des Detektivromans innerhalb seiner Werke kritisch hinterfragt oder destruiert.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Kriminalliteratur, der Definition gattungstypischer Elemente (Handlung, Figur, Milieu) sowie der spezifischen Anwendung dieser Elemente in Dürrenmatts Romanen.
Das primäre Ziel ist es zu klären, ob Dürrenmatt die Gattungsregeln des klassischen Detektivromans systematisch bricht oder ob er lediglich Variationen vornimmt, um der Gattung neue Impulse zu verleihen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Gattungsgeschichte aufbaut, um Analysekriterien für die spezifische Auseinandersetzung Dürrenmatts mit den Konventionen des Detektivromans zu gewinnen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Vorbetrachtung der Gattungsmerkmale und eine detaillierte Analyse von „Der Richter und sein Henker“, „Der Verdacht“ und „Das Versprechen“.
Schlüsselbegriffe sind Dürrenmatt, Detektivroman, Kriminalliteratur, Gattungstypische Elemente, Analysis, Mystery, Zufall und die spezifischen Protagonisten Bärlach und Matthäi.
Dürrenmatts Ermittler, wie etwa Bärlach, sind oft gezeichnet durch Krankheit, Alter und moralische Ambiguität. Sie agieren nicht mehr als unfehlbare „Denkmaschinen“, sondern werden selbst in moralische Dilemmata verstrickt, was den klassischen Heldenmythos zerstört.
Der Zufall dient als bewusstes Gegenmittel zur logischen, planmäßigen Aufklärung. Er zerstört das Vertrauen in die menschliche Vernunft und die Erklärbarkeit der Welt, was zentral für Dürrenmatts Intention ist, das klassische, logisch-rationale Detektivschema ad absurdum zu führen.
„Das Versprechen“ wird als „Requiem auf den Kriminalroman“ bezeichnet. Während die anderen Romane noch Parallelen zum klassischen Schema aufweisen, bricht Dürrenmatt hier radikaler mit dem Happy End und der Vorstellung, dass Verbrechen logisch und vollständig aufgeklärt werden können.
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