Diplomarbeit, 2007
138 Seiten, Note: 3,00
Einleitung
1 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund
1.1 Definition
1.2 Lebenssituation der Menschen mit Migrationshintergrund
1.3 Bildungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
1.4 Ergebnisse der PISA- Studie 2003
1.5 Die besondere Zweisprachigkeit von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
1.6 Mögliche Gründe für die Sonderbeschulung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
1.6.1 Sozioökonomische, -kulturelle und psychosoziale Faktoren
1.6.2 Sprach- und Verständnisschwierigkeiten
1.6.3 Diagnostik und Leistungsbeurteilung
1.6.4 Strukturelle Aspekte
1.6.5 Das Bildungswesen
2 Daten und Fakten zu Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Sonderschulen in Österreich
3 Unterricht in heterogenen und interkulturellen Klassen
3.1 Begriffsbestimmungen
3.1.1 Interkulturalität
3.1.2 Interkulturelles Lernen
3.1.3 Interkulturelle Kompetenz
3.2 Interkultureller Unterricht und Interkulturelle Kompetenz
3.3 Der monolinguale Habitus der multilingualen Schule
3.3.1 Der monolinguale Habitus
3.3.2 Die Sprache der Mehrheit ist die einzige erlaubte Sprache
3.3.3 Der Frontalunterricht ist die angestrebte Unterrichtsform
3.3.4 Kooperation zwischen den ein- und zweisprachigen LehrerInnen
Empirischer Teil
4 Fragen zur Unterrichtssituation
4.1 Wie viele SchülerInnen in wie vielen Schulstufen befinden sich in der Klasse?
4.2 Welche Sozialform wird bevorzugt verwendet?
4.3 Welche Lernart wird bevorzugt verwendet?
4.4 Welche Unterrichtsform wird bevorzugt verwendet?
4.5 Wird für alle SchülerInnen das Gleiche vorbereitet?
4.6 Welche Sprache wird im Unterricht benutzt? Können alle Kinder diese Sprache verstehen?
4.7 Gibt es im Unterricht Versuche die SchülerInnen auf eine heterogene und interkulturelle Gesellschaft vorzubereiten?
5 SchülerInnenbezogene Fragen
5.1 Wie gehen die SchülerInnen mit der Heterogenität um?
5.2 Gibt es Konflikte zwischen den SchülerInnen? Wie oft und aus welchen Gründen kommt es zu diesen?
6 Fragen zur Zusammenarbeit mit Eltern und KollegInnen
6.1 Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Eltern?
6.2 Gibt es Zusammenarbeit mit KollegInnen?
7 Fragen zur Ausbildung und Arbeitsbedingungen von LehrerInnen
7.1 Sind die LehrerInnen mit ihrer Ausbildung zufrieden?
7.2 Sind die LehrerInnen mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden?
8 Ergebnisse der Untersuchung
8.1 Fragen zur Unterrichtssituation
8.2 SchülerInnenbezogene Fragen
8.3 Fragen zur Zusammenarbeit mit Eltern und KollegInnen
8.4 Fragen zur Ausbildung und Arbeitsbedingungen von LehrerInnen
8.5 Ergebnisse im Vergleich zu den Ausführungen von Schader und Gogolin
8.5.1 Basil Schader
8.5.2 Ingrid Gogolin
8.6 Zusammenfassung
9 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Unterrichtspraxis in Kleinklassen von Sonderschulen im ländlichen niederösterreichischen Raum unter besonderer Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Ziel ist es zu analysieren, ob und wie Lehrkräfte ihr methodisch-didaktisches Vorgehen anpassen, wenn SchülerInnen mit Migrationshintergrund in der Klasse sind, und welche subjektiven Erfahrungen sie dabei machen.
3.3.1 Der monolinguale Habitus
Im Rahmen des bereits erwähnten Projekts stellte sich heraus, dass Missverständnisse zwischen LehrerInnen und SchülerInnen oft dadurch entstehen, dass die Versuche der LehrerInnen den Kindern zu helfen, fast ausschließlich einen Appell an ein gemeinsames Sprachgefühl enthalten. Dieser Praxis sind sich die LehrerInnen nicht bewusst. Das Misslingen der Absicht des Lehrers wird dann deutlich, wenn ein Kind mit Migrationshintergrund an der Reihe ist. Dessen sprachliche Sozialisation hat nicht ausschließlich in der deutschen Sprache stattgefunden, sondern es ist in mehrsprachigen Verhältnissen aufgewachsen und hat daher ein anderes Sprachgefühl entwickelt, als die Lehrerin annimmt. Gogolin nennt dies den „monolingualen Habitus“ der LehrerInnen. Damit ist gemeint, dass die LehrerInnen unbewusst von einer prinzipiellen Homogenität der SchülerInnen ausgehen, sie haben die implizite Voraussetzung, dass alle Kinder dieselben sprachlich kulturellen Erfahrungen haben, dass die „Kinder ‚normalerweise’ einsprachig in einsprachiger Umwelt“ aufwachsen.
„Die stillschweigende Annahme der Üblichkeit des Aufwachsens in ‚einer Sprache und Kultur’ [ist] in unseren Gesellschaften und Schulen nach wie vor weitgehend ungebrochen.“ (Gogolin 1997, 8f.). Missverständnisse im Unterricht entstehen dadurch, dass die LehrerInnen fast ausschließlich an ein gemeinsames Sprachgefühl appellieren. Kinder die in mehrsprachigen Verhältnissen aufwachsen, haben aber ein anderes Sprachgefühl als monolinguale Kinder, weshalb sie die Anweisungen der LehrerInnen oft nicht verstehen können. (vgl. Gogolin 1997, 3f.). Diese unbewusste Grundhaltung der LehrerInnen ist aber sehr leicht verständlich, wenn man sich die durchschnittliche Zusammensetzung des Lehrkörpers ansieht. Die LehrerInnen sind fast immer monolingual deutschsprachig aufgewachsen, stammen zum Großteil aus der Mittelschicht und bewegen sich seit ihrer Schulzeit vorwiegend unter ihresgleichen. Somit unterschieden sie sich aber in ihrer Sozialisation konträr von jener der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. (vgl. Schader 2000, 20).
1 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund: Dieses Kapitel definiert den Begriff Migrationshintergrund und erörtert dessen Relevanz für das Bildungssystem sowie die Lebenssituation der Betroffenen.
2 Daten und Fakten zu Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Sonderschulen in Österreich: Hier werden statistische Daten präsentiert, die eine Überrepräsentation von Kindern mit Migrationshintergrund an österreichischen Sonderschulen belegen.
3 Unterricht in heterogenen und interkulturellen Klassen: Dieses Kapitel erläutert Begriffe wie Interkulturalität und interkulturelle Kompetenz und setzt sich kritisch mit dem monolingualen Habitus an Schulen auseinander.
4 Fragen zur Unterrichtssituation: Dieser Abschnitt wertet Interviews zur alltäglichen Gestaltung des Unterrichts aus, einschließlich Sozialformen, Lernarten und der Verwendung von Sprache.
5 SchülerInnenbezogene Fragen: Es wird untersucht, wie die Kinder mit Heterogenität in der Klasse umgehen und welche Konflikte dabei entstehen.
6 Fragen zur Zusammenarbeit mit Eltern und KollegInnen: Dieses Kapitel beleuchtet die Kommunikation mit Eltern sowie die Zusammenarbeit innerhalb des Lehrkörpers und mit externen Fachkräften.
7 Fragen zur Ausbildung und Arbeitsbedingungen von LehrerInnen: Hier reflektieren die befragten Lehrkräfte ihre berufliche Ausbildung und äußern Wünsche zu ihren Arbeitsbedingungen.
8 Ergebnisse der Untersuchung: Dieses Kapitel fasst die empirischen Befunde zusammen und vergleicht diese mit den theoretischen Ausführungen von Schader und Gogolin.
9 Ausblick: Der Autor schlägt weitere Forschungsfelder vor, etwa im städtischen Kontext, und betont die Notwendigkeit, auch die Schülerperspektive stärker einzubeziehen.
Migrationshintergrund, Sonderschule, Unterrichtspraxis, heterogene Klassen, interkulturelles Lernen, monolingualer Habitus, Schulerfolg, Sprachförderung, Zweisprachigkeit, qualitative Inhaltsanalyse, Lehrerausbildung, sonderpädagogischer Förderbedarf, Schulkultur, Sozialisation, Österreich.
Die Arbeit untersucht die Unterrichtspraxis von Sonderschullehrkräften in ländlichen Regionen Niederösterreichs, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Kleinklassen.
Zentrale Themen sind die Überrepräsentation von Migrationskindern an Sonderschulen, der Einfluss von Sprachkenntnissen auf den Lernerfolg sowie die methodisch-didaktischen Herausforderungen in heterogenen Lerngruppen.
Ziel ist es zu erfahren, wie sich die Unterrichtspraxis aus der subjektiven Sicht der SonderschullehrerInnen verändert, wenn SchülerInnen mit Migrationshintergrund in ihre Klassen integriert sind.
Die Verfasserin führt eine qualitative Untersuchung durch, basierend auf acht Leitfadeninterviews mit SonderschullehrerInnen, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet werden.
Der empirische Teil widmet sich Fragen zur Unterrichtssituation, zum Verhalten der SchülerInnen gegenüber Heterogenität, zur Zusammenarbeit mit Eltern und KollegInnen sowie zur Zufriedenheit der Lehrkräfte mit ihrer Ausbildung und ihren Arbeitsbedingungen.
Wichtige Begriffe sind Migration, Sonderbeschulung, monolingualer Habitus, Heterogenität, interkulturelle Kompetenz und schulische Benachteiligung.
Die Lehrkräfte sind zwar grundsätzlich mit ihrer Ausbildung zufrieden, bemängeln jedoch einen zu geringen Praxisbezug in der PÄDAK und fühlen sich auf den Unterricht mit Kindern mit Migrationshintergrund nicht ausreichend vorbereitet.
Die Unterrichtssprache ist überwiegend die deutsche Umgangssprache. Trotz Verständnisproblemen aufgrund unterschiedlicher Vokabulare sehen die befragten Lehrkräfte darin meist kein größeres Hindernis, da sie den Unterricht ohnehin individuell stark differenzieren.
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