Bachelorarbeit, 2008
46 Seiten, Note: 1,3
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1. Einleitung
2. Zeiten des Umbruchs
2.1 Die Umbrüche des 18. Jahrhunderts und der Selbstmord
2.2 Der Werther als Paradigma der Umbruchszeit
3. Die Leiden des Jungen Werthers
3.1 Der Urkonflikt und der tragische Weg
3.2 Artverwandte Diskurse und potentielle Wege
3.3 Kritische Stimmen vs. Wertherfieber
4. Ergebnisse
Die vorliegende Arbeit untersucht die Phänomenologie des Freitods im 18. Jahrhundert, einer Epoche tiefgreifender Umbrüche. Im Fokus steht dabei die Analyse der moralischen, theologischen und philosophischen Selbstmorddebatte sowie deren literarische Spiegelung, insbesondere im Kontext von Goethes "Die Leiden des jungen Werthers".
3.1 Der Urkonflikt und der tragische Weg
Von Beginn an, so Buhr, durchzieht den Roman Werthers Konflikt zwischen Sinnlichem und Rationalem. Bis zum Schluss wird Werthers Rückbezug auf die Natur in den Vordergrund gestellt. Man könnte fast sagen er wird immer wieder eins mit dem sinnlich Schönen der Natur. Als personifizierte Natur kann man natürlich Lotte erkennen. Zudem ist Werther Künstler. Allerdings malt und zeichnet er kaum. Das einzig herausragende Kunsterlebnis ist die Szene, in der er zwei Jungen zeichnet (siehe Abb. 17). Laut Andree ist dies aber kein konventionelles künstlerisches Schaffen im Sinne einer künstlichen Fabrikation. Werther zeichne hier im „Strom des Genies“. Das Schaffen vollzieht sich unbewusst, weil Natur und Genie in diesem Prozess miteinander eins sind. Werthers Zeichnung entsteht geradezu schlafwandlerisch. Weitere empfindsame und naturbezogene Dimensionen Werthers sind beispielsweise die Musik (Siehe Abb. 6) und seine Antike-Lektüre.
Dem gegenüber wird das wissenschaftlich Rationale gestellt, einerseits durch die gesellschaftliche Norm und Werthers Bezügen zu dieser, andererseits natürlich auch durch seine direkten Kontrahenten Albert, den er gleicher Maßen als „braven“ und „ehrlichen“ Mann anerkennt. Laut Buhr ist das Motiv des Herzens das zentrale Motiv des Textes.
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Phänomen des Selbstmords als existentielles Grenzthema und legt die Zielsetzung der Arbeit dar, die Phänomenologie des Freitods in der Umbruchszeit des 18. Jahrhunderts zu untersuchen.
2. Zeiten des Umbruchs: Dieses Kapitel zeichnet die philosophische und moralische Selbstmordkontroverse des 18. Jahrhunderts nach, beleuchtet die Rolle von Religion und Aufklärung und analysiert den Werther-Roman als kulturelles Paradigma.
3. Die Leiden des Jungen Werthers: Hier wird der innere Konflikt des Protagonisten analysiert, verschiedene potentielle Lebenswege (Ratio, Leidenschaft, Wahnsinn) abgewogen und die heftige, kontroverse zeitgenössische Rezeption des Romans untersucht.
4. Ergebnisse: Das Fazit fasst zusammen, dass im 18. Jahrhundert ein Paradigmenwechsel vom Suizid als "Todsünde" hin zu einer medizinisch-psychologischen Krankheitsdiagnose stattfindet, wobei der Werther als Spiegel dieser mentalitätsgeschichtlichen Umbrüche fungiert.
Selbstmord, Freitod, 18. Jahrhundert, Goethes Werther, Aufklärung, Moraltheologie, Melancholie, Empfindsamkeit, Suiziddebatte, Literaturgeschichte, Wertherfieber, Wahnsinn, Individuum, Gesellschaft, Anthropologie
Die Arbeit analysiert die Debatte um den Selbstmord im 18. Jahrhundert und wie sich das Verständnis dieses Phänomens zwischen theologischer Verurteilung und aufklärerischer bzw. psychologischer Einordnung wandelte.
Die Untersuchung umfasst die moralisch-philosophische Auseinandersetzung mit dem Freitod, die Entwicklung der modernen Anthropologie und Medizin sowie die literarische Darstellung menschlicher Extremsituationen im Sturm und Drang.
Ziel ist es, den Grenzbereich des Suizids in der Umbruchszeit des 18. Jahrhunderts auszuloten und aufzuzeigen, wie Goethes "Werther" als paradigmatisches Werk die damaligen gesellschaftlichen und psychologischen Umwälzungen reflektiert.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl zeitgenössische philosophische Traktate als auch das literarische Werk selbst sowie dessen zeitgeschichtliche Rezeptionsdokumente in die Betrachtung einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der philosophischen Antike-Rezeption, die aufklärerische Debatte, die medizinhistorische Entwicklung (Pathologisierung des Suizids) und die detaillierte Analyse von Werthers Konflikt und Umfeld.
Zentrale Begriffe sind Selbstmord, Werther-Roman, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Melancholie, Moral und gesellschaftliche Umbruchsprozesse.
Die Arbeit zeigt auf, dass die antiken philosophischen Argumente über Pflichten gegenüber Gott, dem Staat und dem Individuum die Basis für die Debatten des 18. Jahrhunderts bildeten und von Denkern wie Hume oder Mendelssohn erneut rezipiert wurden.
Der Bauernbursche dient im Roman als eine Art "Präfiguration" oder Spiegelung von Werthers Schicksal und verdeutlicht die gesellschaftlichen und moralischen Konsequenzen einer ungezügelten Triebhaftigkeit im Vergleich zu Werthers Wahl des Selbstmords.
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