Magisterarbeit, 2008
72 Seiten, Note: 1,7
0. Einleitung
1. Theoretischer Rahmen
1.1. Definition – Referenz
1.2. Definition – Kohäsion und Kohärenz
1.3. Zum Anaphernbegriff
1.4. Definition – Antezedent
1.5. Koreferenz und Anaphernverstehen
2. Standardannahmen zum Anaphernverstehen
2.1. Zur Interpretation pluraler Anaphern/Plurale Diskursanapher
3. Abweichungen von Standardannahmen zu Anaphern
3.1. Genus- und Numeruskongruenz zwischen Antezedent und Anapher
3.2. Ambiguitäten bei Anaphern
3.3. Komplexanaphern
3.4. Veränderung der Referenten
3.5. Indirekte Anaphern
3.6. Faulheitspronomen
4. Zur Vielfalt der Relationen zwischen der Anapher und dem Antezedenten am Beispiel eines Textes
5. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Relationen zwischen Anaphern und Antezedenten in natürlicher Sprache. Das Hauptziel besteht darin, die Regularitäten hinter verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten anaphorischer Beziehungen zu beleuchten und dabei insbesondere über den klassischen Koreferenzbegriff hinauszugehen, indem auch komplexe, indirekte und satzübergreifende Anaphorik analysiert werden.
1.2. Definition – Kohäsion und Kohärenz
Innerhalb der Linguistik haben sich bisher vorwiegende Autoren textlinguistischer Richtung mit Fragen des Verstehens oder der Verständigung eines Textes beschäftigt. Um den inhaltlichen Zusammenhang zwischen den einzelnen sprachlichen Äußerungen determinieren zu können, muss man in Betracht ziehen, dass sich diese in vielen Fällen an sprachlichen Elementen festmachen, die untereinander in einem deutlichen syntaktischen oder auch semantischen Bezug stehen. Die einzelnen Sätze eines Textes befinden sich folglich in einer spezifischen Abhängigkeit voneinander, so dass man in der Lage ist, ihre Aufeinanderfolge als einen zusammenhängenden Text zu erkennen. Der Zusammenhang von Text- oder Äußerungsteilen wird Kohäsion genannt und wird durch grammatische und lexikalische Mittel des Sprachsystems ausgedrückt.
„Kohäsionsmittel lassen sich grob zwei Gruppen zuordnen, nämlich einerseits der Rekurrenz, der Wiederkehr bestimmter Elemente, andererseits der Konnexion, expliziten Verknüpfungsmittel wie insbesondere Konjunktionen.“( Adamzik 2004: 140 )
Die kohäsiven Formen sind meistens dafür verantwortlich, einem Text Kohärenz zusprechen zu können wie in (1), wo es ersichtlich wird, dass der durch kohäsive Verknüpfungsmittel ausgedrückte Zusammenhang unserem Weltwissen über das Verhalten von Menschen, die Müdigkeit empfinden, entspricht. Somit stellt die Existenz von kohäsiven Elementen das Gerüst für die Kohärenz dar.
0. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Fragestellung zur Vielfalt anaphorischer Relationen und grenzt den Untersuchungsbereich auf die Diskursanaphorik ein.
1. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel definiert grundlegende linguistische Begriffe wie Referenz, Kohäsion, Kohärenz, Anapher und Antezedent als Basis für die weitere Analyse.
2. Standardannahmen zum Anaphernverstehen: Hier werden gängige Modelle zur Interpretation von Anaphern sowie die Besonderheiten bei pluralen Diskursanaphern erörtert.
3. Abweichungen von Standardannahmen zu Anaphern: Dieser Hauptteil analysiert komplexe Phänomene wie Genusinkongruenzen, Ambiguitäten, Komplexanaphern, Referentenveränderungen, indirekte Anaphern und Faulheitspronomina.
4. Zur Vielfalt der Relationen zwischen der Anapher und dem Antezedenten am Beispiel eines Textes: Anhand einer systematischen Märchenanalyse wird das Zusammenspiel der theoretisch diskutierten Interpretationsstrategien und Faktoren in einem konkreten Textzusammenhang illustriert.
5. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach Koreferenz nur eine von mehreren Möglichkeiten der Anaphernverknüpfung darstellt und kognitive Inferenzprozesse für die Kohärenzbildung entscheidend sind.
Anapher, Antezedent, Koreferenz, Kohärenz, Kohäsion, Referenz, Diskursanapher, Inferenz, Weltwissen, Komplexanapher, Faulheitspronomen, Textlinguistik, Sprachwissenschaft, Referenzidentität, Informationsstruktur.
Die Arbeit untersucht, wie sprachliche Ausdrücke (Anaphern) in einem Text auf zuvor genannte Begriffe (Antezedenten) Bezug nehmen und welche Mechanismen dabei für das Textverständnis sorgen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Klärung des theoretischen Hintergrunds von Referenz und Kohärenz, der Identifikation von Standardmechanismen der Anaphernauflösung sowie der Analyse komplexer Ausnahmefälle.
Das Ziel ist es zu zeigen, dass anaphorische Beziehungen oft vielschichtiger sind, als es eine rein auf Koreferenz fokussierte Forschung annimmt, und dass Weltwissen für die Interpretation essenziell ist.
Es werden sowohl theoretische Definitionen aus der Textlinguistik herangezogen als auch eine Vielzahl an Beispielen analysiert, um die Funktionsweise anaphorischer Ausdrücke an konkreten Daten zu demonstrieren.
Im Hauptteil werden systematisch Abweichungen von Standardannahmen untersucht, darunter Ambiguitäten, der Einsatz von Inferenzen bei indirekten Anaphern und die Rolle von Weltwissen bei der Auflösung von Verweisen.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Diskursanaphorik, kognitive Inferenzprozesse, Komplexanaphern und textuelle Kohärenz aus.
Direkte Anaphern basieren in der Regel auf expliziter Koreferenz und morpho-syntaktischer Übereinstimmung, während indirekte Anaphern keine explizite Referenzidentität aufweisen und über Brücken ("Bridging") sowie Weltwissen erschlossen werden müssen.
Weltwissen ist laut der Autorin oft die entscheidende Instanz, wenn grammatische Merkmale wie Genus oder Numerus nicht ausreichen, um bei mehrdeutigen Sätzen den richtigen Antezedenten zu bestimmen.
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