Magisterarbeit, 2008
137 Seiten, Note: 2,0
0 Vorwort
1 Einleitung
2 Die Dimensionen des Erzählens: Der Stand der Forschung
2.1 Zur Definition von Erzählen
2.2 Funktionen des Erzählens
2.2.1 Sprecher-, hörer- und kontext-orientierte Funktionen (Quasthoff 1980)
2.2.2 Funktionalisiertes Erzählen, innere und Tiefenfunktionen (Ehlich 1983)
2.2.3 Erzählen als Handlungsmodus (Rath 1981)
2.2.4 Zusammenfassung
2.3 Erzählstrukturen
2.3.1 Das Höhepunktmodell (Labov/Waletzky 1967)
2.3.2 Höhepunkterzählung vs. Geflechterzählung (Wagner 1986)
2.3.3 Das Modell der fünf Jobs (Hausendorf/Quasthoff 1989)
2.3.4 Das Konzept der „story grammars“ (Rumelhart 1975)
2.3.5 Die narrative Superstruktur (van Dijk 1980)
2.3.6 Die Relationsstruktur (Quasthoff 1980)
2.3.7 Das Modell der Markierungen (Boueke et al. 1995)
2.3.8 Zusammenfassung
2.4 Der Erwerb von Erzählfähigkeit
2.4.1 Erzählerwerb beim Spracherwerb
2.4.2 Erzählerwerb als interaktiver Prozess
2.4.3 Erzählerwerb als Entwicklung der Textkonstitution
2.4.4 Erzählerwerb als Entwicklung eines kognitiven Schemas
2.4.5 Erzählerwerb als Entwicklung einer Höhepunktstruktur
2.4.5.1 Das Modell der sieben „patterns“ (Peterson/McCabe 1983)
2.4.5.2 Das Vier-Stufen-Modell (Boueke et al. 1995)
2.4.5.3 Diskussion
2.4.6 Zusammenfassung
3 Die Studie
3.1 Der Berliner Ortsteil Wedding
3.1.1 Die Bevölkerungsstrukur
3.1.2 Die Schule
3.2 Das Erzählprojekt
3.3 Die Kinder
3.3.1 Die ethnische Herkunft
3.3.2 Die Ergebnisse des Sprachstandstests
3.4 Methodik
3.4.1 Kategorisierung der Kinder
3.4.2 Datengewinnung
3.5 Linguistische Analyse der Nacherzählungen
3.5.1 Erzähldauer
3.5.2 Lexemverwendung
3.5.2.1 Bewertungssystem
3.5.2.2 Gesamtlexemzahl
3.5.2.3 Anzahl unterschiedlicher Lexeme
3.5.2.4 Diversität des Lexikons
3.5.2.4.1 Der Diversitätswert D
3.5.2.4.2 Der Diversitätswert P
3.5.2.4.3 Ergebnisse
3.5.2.4.4 Diskussion der Diversitätswerte D und P
3.5.2.5 Gesamtlexemzahl im Vergleich zur Ursprungsgeschichte
3.5.2.6 Anzahl der verschiedenen Lexeme im Vergleich zur Ursprungsgeschichte
3.5.3 Mittel der Kohäsion und Kohärenz
3.5.3.1 Aktanteneinführung
3.5.3.1.1 Ergebnisse
3.5.3.1.2 Diskussion
3.5.3.2 Referenz
3.5.3.2.1 Bewertungssystem
3.5.3.2.2 Kritik am Bewertungssystem
3.5.3.2.3 Ergebnisse
3.5.3.2.4 Diskussion
3.5.3.3 Konnektoren
3.5.3.3.1 Bewertungssystem
3.5.3.3.2 Ergebnisse
3.5.3.3.3 Diskussion
3.5.3.4 Tempusübergänge
3.5.4 Zusammenfassung
3.6 Strukturanalyse
3.6.1 Bewertungssystem
3.6.2 Kritik am Bewertungssystem
3.6.3 Ergebnisse
3.6.4 Diskussion
3.7 Analyse nach dem Vier-Stufen-Modell (Boueke et al. 1995)
3.7.1 Bewertungssystem
3.7.2 Ergebnisse
3.7.3 Diskussion
4 Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die Erzählfähigkeit von Kindern mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Kindern deutscher Herkunft durch die linguistische Analyse ihrer Nacherzählungen, mit dem Ziel, linguistische Defizite aufzuzeigen und deren Ausprägungsstärke zu bestimmen.
2.2.2 Funktionalisiertes Erzählen, innere und Tiefenfunktionen (Ehlich 1983)
Ehlich unterscheidet in seiner Arbeit aus dem Jahr 1983 ebenfalls drei Funktionen des Erzählens: funktionalisiertes Erzählen, innere Funktionen und Tiefenfunktionen des Erzählens.23
Beim funktionalisierten Erzählen wird „die Funktion, unter die das Erzählen subsumiert wird, […] von außen – von den für die Institution charakteristischen Zwecken her, die die Handelnden erfüllen wollen – an das Erzählen herangetragen“.24 Als Beispiele dieser Institutionen nennt Ehlich u. a. Schule, Gericht und Krankenhaus.
Das funktionalisierte Erzählen jedoch „reicht für eine Funktionsbestimmung des Erzählens nicht aus“,25 wie Ehlich anmerkt. Es ist vielmehr auch die innere Funktion des Erzählens mit hinzuzuziehen. Sie umfasst nach Ehlich die „Unterhaltung, das Erfahren von Spannung und von Spannungslösung, das Erzielen von Genuss und die Belehrung“.26 Diese zweite Funktion ist es, die insbesondere bei Märchen, Sagen und ähnlichem zum Tragen kommt.
Weiterhin muss auch die Tiefenfunktion des alltäglichen Erzählens mit einbezogen werden. Diese beschreibt Ehlich als „das Herstellen einer gemeinsamen Welt“27 von Erzähler und Zuhörer. Sie setzt sich aus der Partizipation des Zuhörers, also der Teilhabe an der gemeinsamen Welt und/oder der Gemeinsamkeit zwischen Erzähler und Zuhörer selbst zusammen. Entweder nimmt der Rezipient also „nur“ Anteil an der Erzählung oder aber er ist selbst vom erzählten Sachverhalt betroffen und hat auf diese Weise etwas mit dem Erzähler gemein. Auch die Selbstdarstellung, auf die vor ihm u. a. Quasthoff bereits eingegangen ist (vgl. 2.2.1), erwähnt Ehlich in diesem Zusammenhang, da er ihren Zweck darin sieht, „den Inhalt der Selbstdarstellung für Sprecher und Hörer gemeinsam zu machen“.28
0 Vorwort: Danksagungen der Autorin an Betreuer, beteiligte Schulen und Projektbeteiligte.
1 Einleitung: Einführung in die Problematik des Erwerbs der Erzählfähigkeit bei Kindern unterschiedlicher Herkunft und Definition der Forschungsziele.
2 Die Dimensionen des Erzählens: Der Stand der Forschung: Überblick über theoretische Grundlagen zu Funktionen, Strukturen und Erwerb der Erzählfähigkeit.
3 Die Studie: Beschreibung des Untersuchungsrahmens, der Stichprobe, der Methodik und Durchführung der linguistischen Analyse der Nacherzählungen.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Fazit der Studienergebnisse und Vorschläge für zukünftige Forschungsansätze.
Erzählfähigkeit, Migrationshintergrund, Sprachstandstest, Nacherzählungen, Linguistische Analyse, Wortschatz, Kohäsion, Kohärenz, Erzählstrukturen, Erstklässler, Anna-Lindh-Grundschule, Sprachförderung, Erzählprojekt, Sprachliche Defizite, Sprachentwicklung.
Die Arbeit untersucht, wie sich Erzählfähigkeiten bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund im Alter von sechs bis sieben Jahren entwickeln und ob dabei linguistische Unterschiede feststellbar sind.
Die zentralen Felder umfassen die linguistische Theorie des Erzählens, Strukturmodelle von Erzählungen sowie die empirische Analyse von Nacherzählungen bezüglich ihrer sprachlichen Qualität.
Das primäre Ziel ist es, linguistische Defizite bei Kindern mit Migrationshintergrund gegenüber ihren Mitschülern deutscher Herkunft im Hinblick auf Wortvielfalt, Textstruktur und sprachliche Kohärenz nachzuweisen.
Die Arbeit nutzt eine empirische Pilotstudie, bei der 16 Grundschulkinder im Rahmen eines Erzählprojekts Märchen nacherzählten. Die Daten wurden anschließend auf Lexemverwendung, Kohäsionsmittel und strukturelle Merkmale hin ausgewertet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Forschungsstandes zum Erzählerwerb und einen praktischen Teil, der die linguistische Analyse der erhobenen Nacherzählungen in Relation zu Sprachstandstests und ethnischer Herkunft darstellt.
Neben der Erzählfähigkeit sind dies Begriffe wie Sprachstandstest, Migrationshintergrund, Kohäsion, Kohärenz sowie verschiedene Strukturmodelle wie das „Modell der fünf Jobs“ oder das „Vier-Stufen-Modell“.
Entgegen der ursprünglichen Annahme zeigten Kinder mit Migrationshintergrund, insbesondere solche mit überdurchschnittlichen Sprachstandstestergebnissen, überraschend gute Leistungen bei der Wortvielfalt und der Strukturierung von Geschichten.
Die Studie relativiert diese Überlegenheit, da Faktoren wie die individuelle Motivation, die Vertrautheit mit der Geschichte und der Einfluss der Sprache im Elternhaus die Ergebnisse beeinflussen können und die Stichprobe mit n=16 sehr klein ist.
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