Diplomarbeit, 2007
73 Seiten, Note: 1,1
EINLEITUNG 1
1. GRÜNDUNG AUS DER KRISE 6
1.1. Der deutsche Film zwischen Zusammenbruch und Aufbruch 6
1.2. Eine Doppelakademie für den deutschen Film 11
1.3. Welche Akademie braucht der deutsche Film? 14
1.4. Ein „Bauhaus für den Film“, im Rohbau fertig 17
2. FILMSTU DIUM IM ZEICHEN DER STUDENTENPROTESTE 20
2.1. Die Studentenproteste in Berlin 20
2.2. Die Probezeit der Filmstudenten 23
2.2.1. Sozialkritik und Experiment – erste Übungen 24
2.2.2. Am Ende der Probezeit 29
2.3. „Dziga- Wertow-Akademie (vormals dffb)“ 30
2.3.1. Das kämpfende Kollektiv 32
2.3.2. Kämpfende Filme 33
2.3.3. Schlacht um die Akademie 37
3. DAS FILMKULTURELLE ERBE VON „68“ 41
3.1. Das Konzept „Zielgruppenfilm“ 41
3.1.1. Schülerfilmprojekte 42
3.1.2. Vom Zielgruppenfilm zum engagierten Film 44
3.1.3. Der Berliner Arbeiterfilm 47
3.1.4. Zielgruppen-Distribution 50
3.2. Abseits des Zielgruppenfilms 51
3.2.1. Helke Sander und die Frauenfilmbewegung 52
3.2.2. Harun Farockis Guerillakino 55
3.3. Rückschauen der Studentenbewegten 59
Diese Arbeit untersucht die kulturgeschichtliche Bedeutung der „68er“-Generation an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie die politische Politisierung der ersten westdeutschen Filmstudenten ihre praktische Filmarbeit beeinflusste und inwiefern diese Entwicklung als Modell für die Filmausbildung sowie als Impulsgeber für neue filmkulturelle Konzepte wie den Zielgruppenfilm fungierte.
2.3.2. Kämpfende Filme
Die Filme der dffb-Studenten ab dem zweiten Studienjahr, also nach dem 2. Juni 1967, sind in der überwiegenden Mehrheit der APO-Bewegung verbunden und tragen einen agitatorischen Gestus. Günter Peter Strascheck brachte die Hinwendung zur Studentenbewegung schon im Titel seines zweiten Films an der dffb zum Ausdruck: „Ein Western für den SDS“ (1967/68). Laut Stascheck ein „Filmessay über Mao Tse Tungs ‚Nur im Prozess der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft als Ganzes ist eine echte Gleichberechtigung der Männer und Frauen realisierbar’ “.
In drei Episoden zeigt er die Emanzipation einer Arbeiterin im klassischen Dreischritt: Ausgehend vom Zustand der Abhängigkeit über die Aufklärung bis zum revolutionären Handeln. Die sozialkritisch intendierten Studienfilme aus dem ersten Studienjahr, wie eben Straschecks „Hurra für Frau E.“, aber auch Bitomskys „Das Vögelein“ oder Meins „Oskar Langenfeld“, stellten bereits Menschen in Abhängigkeitszuständen dar. In ihrem zweiten Studienjahr erklommen die politischen Studenten gleichsam die beiden nächsten Stufen, Aufklärung und revolutionäres Handeln.
Zu den Aufklärern sind neben Strascheck auch Thomas Mitscherlich oder Skip Norman zu zählen. Kapitalismuskritik übte Thomas Mitscherlich in seinem Filmessay „Geld“ (1968), der eine Parallele zwischen Geld und Kot konstruiert. Der Amerikaner Skip Norman zeigt in „Strange Fruit“ (1969) die Rede eines Black-Panther-Aktivisten, die er mit Aufnahmen der Wohnquartiere der US-Armeeangehörigen in Berlin unterschneidet. Er will damit nicht nur über die Schwarzenbewegung informieren, sondern auch einen thematischen Brückenschlag nach Berlin schaffen. Als „Gegenuntersuchung“ der Ereignisse des 2. Juni 1967 verstand sich ein Film von Rüdiger Minow und Thomas Giefer. Der AStA der Freien Universität Berlin initiierte im Misstrauen gegen die offiziellen Ermittlungen eine eigene Untersuchung der Todesumstände von Benno Ohnesorg. Die Untersuchungen des AStA bestanden gleichsam in der Produktion des Films „Der 2. Juni 1967“ (1967).
1. GRÜNDUNG AUS DER KRISE: Dieses Kapitel beleuchtet die wirtschaftliche und künstlerische Krise des deutschen Films in den frühen 1960er Jahren, die zur Gründung der dffb als Reaktion auf den Transformationsbedarf im Filmwesen führte.
2. FILMSTU DIUM IM ZEICHEN DER STUDENTENPROTESTE: Hier wird der Einfluss der Studentenbewegung (APO) und der Ereignisse um den 2. Juni 1967 auf die Filmpraxis und die politische Radikalisierung der Studenten an der dffb dargestellt.
3. DAS FILMKULTURELLE ERBE VON „68“: Dieses Kapitel analysiert, wie die studentische Filmpraxis in Konzepte wie den Zielgruppenfilm und den Arbeiterfilm mündete und welchen langfristigen Einfluss sie auf die deutsche Filmkultur hatte.
dffb, 68er, Studentenbewegung, APO, Zielgruppenfilm, Berliner Arbeiterfilm, Helke Sander, Harun Farocki, Filmausbildung, Dokumentarfilm, Politisierung, Filmgeschichte, Protestkultur, Guerillakino, Medientheorie.
Die Diplomarbeit untersucht die filmkulturelle Bedeutung der politisch aktiven Filmstudenten der „68er“-Generation am Beispiel der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb).
Die Arbeit behandelt die Gründungsgeschichte der dffb, den Einfluss der studentischen Proteste auf die Filmausbildung sowie die Entwicklung filmischer Konzepte wie des Zielgruppenfilms und der Arbeiterfilme.
Ziel ist es, die unmittelbaren Einflussfaktoren der Studentenbewegung von 1968 auf die Filmpraxis der Studierenden zu identifizieren und aufzuzeigen, wie aus der politischen Arbeit ein neues filmisches Modell entstand.
Der Autor verwendet einen kulturgeschichtlichen Ansatz, der auf der Auswertung des dffb-eigenen Pressespiegels, der Analyse studentischer Übungsfilme und der Einbeziehung filmgeschichtlicher Arbeiten basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der institutionellen Gründungsgeschichte, den Prozess der Politisierung im Rahmen der Probezeit und die analytische Aufarbeitung des Erbes der 68er in Form von Zielgruppen- und engagierten Filmen.
Wichtige Begriffe sind dffb, Zielgruppenfilm, Studentenproteste, Politisierung, Arbeiterfilm und die spezifischen Ansätze von Filmemachern wie Helke Sander und Harun Farocki.
Der Zielgruppenfilm diente als konzeptuelle Formierung ihrer Filmpraxis, um die Trennung zwischen Machern und Publikum aufzuheben und den Film als Instrument der gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung zu nutzen.
Helke Sander wird als Pionierin der Frauenbewegung und des Frauenfilms hervorgehoben, die ihre Isolation als Frau und Filmemacherin zum Ausgangspunkt für die Kollektivierung feministischer Anliegen machte.
Farocki entwickelte das Guerillakino als eine Ästhetisierung des Untergrundkampfes, bei der er den Film als subversive Intervention gegen die Massenmedien einsetzte, während er gleichzeitig im offiziellen Kulturbetrieb arbeitete.
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