Diplomarbeit, 2007
107 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1. Kriminalprävention im Wandel
1.1 Begriffsklärung
1.2 Das „traditionelle“ Verständnis von Kriminalprävention
1.3 Das „neue“ Verständnis von Kriminalprävention
2. Kriminalprävention im Kontext einer neuen Kontrollkultur
2.1 Skizzierung einer neuen Kultur der Kontrolle
2.2 Dichotome Entwicklungen und die „neuen“ Rollen der Polizei
2.2.1 Die Polizei im Kontext einer Strategie souveräner Staatlichkeit bei der Kriminalitätsbekämpfung
2.2.2 Die Polizei im Kontext einer adaptiven Strategie bei der Kriminalitätsbekämpfung
3. Souveräne Staatlichkeit und neue Sicherheitsgesetzgebung
3.1 Das Grundgesetz – Schutz vor der Staatsgewalt oder staatliches Eingriffrecht?
3.2 Strafrecht – zwischen retrospektiver Steuerung und Vorfeldkriminalisierung
3.3 Strafprozessrecht
3.4 Polizeirecht
3.4.1 Polizei(recht) im Kontext von Sicherheit und Freiheit
3.4.2 Der allgemeine Gefahrenbegriff
3.4.3 Konkrete und abstrakte Gefahr
3.4.4 Objektiver und subjektiver Gefahrenbegriff
3.5 Die vorbeugende Bekämpfung von Straftaten
4. Adaptive Strategien und kommunale Kriminalprävention
4.1 KKP als Bestandteil einer adaptiven Kontrollstrategie
4.2 KKP als Ausdruck einer demokratischen Praxis zeitgenössischer Kriminalitätskontrolle
4.3 KKP in der Kritik
4.3.1 Antidemokratische Kontrollpraxis
4.3.2 Mehr Kontrolle und weniger soziale Absicherung
4.3.3 Responsibilisierung
4.3.4 Praxis – Divergenzen zwischen Rhetorik und Realität
4.4 Rolle und Funktion der Polizei
4.4.1 Auf dem Weg zu einer demokratischeren Polizei
4.4.2 Die „Verpolizeilichung“ der Gesellschaft
5. Zusammenführung der Ergebnisse und Ausblick
Die Arbeit analysiert den Wandel polizeilicher Präventionsstrategien in Deutschland vor dem Hintergrund der durch David Garland beschriebenen „Kultur der Kontrolle“. Ziel ist es, die Transformation polizeilichen Handelns von einem reaktiven zu einem proaktiven, vorfeldorientierten System der sozialen Kontrolle aufzuzeigen und dabei die Rolle der Polizei in der kommunalen Kriminalprävention kritisch zu beleuchten.
1. Kriminalprävention im Wandel
Dieses Kapitel widmet sich der Frage, welche Verständnisse für den Begriff der Kriminalprävention innerhalb der darauf Bezug nehmenden Literatur vorhanden sind. Darüber hinaus soll gezeigt werden, welche Veränderungen sich im Laufe der Zeit in der Begriffsbedeutung ergeben haben. Im Sinne des Autors können diese als eine Abkehr von einem traditionell rechtsstaatlich geprägten Verständnis, hin zu einer grundsätzlich neuen Auffassung von Kriminalprävention interpretiert werden (Sack, 1995). Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in gravierenden Transformationen innerhalb der Aufgaben und des Selbstverständnisses der deutschen Polizei.
Der Begriff „Prävention“ stammt ursprünglich aus der lateinischen Sprache und bedeutet soviel wie „Zuvorkommen“, „Vorbeugen“ oder „Verhüten“ (Hagen, 1990, S. 838). Demnach beziehen sich Maßnahmen, die unter einer kriminalpräventiven Ausrichtung geführt werden, hinsichtlich ihrer Zielsetzung und Wirkkraft, auf Handlungen und Entwicklungen in einer aus der Gegenwartsperspektive erwarteten Folgezeit (vgl. Pütter, 2007, S. 3).
Die unterschiedlichen kriminalpräventiven Ansätze, die im Rahmen dieser Arbeit bearbeitet werden sollen, haben daher oft keine andere Gemeinsamkeit als ihre Zielsetzung, nämlich die Verhinderung und Reduktion von Kriminalität in der Zukunft (vgl. Lehne, 2005, S. 54). Ein kriminalpräventives Vorgehen kann sich in diesem Sinne auf angenommene Entwicklungstendenzen beziehen, in deren Ablauf eingegriffen werden soll, um eine antizipierte Weiterentwicklung zu unterbinden, oder es kann einen Versuch darstellen, allgemeine Ausgangslagen zu schaffen, in denen die Wahrscheinlichkeit des Auftretens unerwünschter Entwicklungen reduziert wird (vgl. Hagen, 1990, S. 838). Das Thema dieser Arbeit beschäftigt sich im Speziellen mit dem Verständnis und der Praxis polizeilicher Kriminalprävention in Deutschland und dementsprechend mit Tendenzen, Maßnahmen und Entwicklungen, welche mit der Prävention von Kriminalität in ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen vonseiten der Polizei zusammenhängen.
Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und der theoretischen Einbettung in den Wandel zur „Pre-Crime-Society“.
1. Kriminalprävention im Wandel: Definition des Begriffs der Kriminalprävention und Darstellung des historischen Wandels von einem reaktiven zu einem proaktiven Verständnis.
2. Kriminalprävention im Kontext einer neuen Kontrollkultur: Anwendung der Thesen von David Garland zur neuen Kultur der Kontrolle auf die deutsche Situation und die Polizei.
3. Souveräne Staatlichkeit und neue Sicherheitsgesetzgebung: Untersuchung der präventiven Neuorientierung der Sicherheitsgesetzgebung, insbesondere im Straf- und Polizeirecht.
4. Adaptive Strategien und kommunale Kriminalprävention: Analyse der kommunalen Kriminalprävention als kooperative Kontrollstrategie unter polizeilicher Führung.
5. Zusammenführung der Ergebnisse und Ausblick: Kritische Reflexion der Ergebnisse über die Verschiebung polizeilicher Aufgaben und die Gefahren für rechtsstaatliche Prinzipien.
Kriminalprävention, Kultur der Kontrolle, Polizei, Polizeirecht, Strafrecht, Vorfeldkriminalisierung, Sicherheit, Gefahrenabwehr, Adaptive Kontrollstrategien, Kommunale Kriminalprävention, Responsibilisierung, Rechtsstaat, Sicherheitsgesetzgebung, Präventionsstaat, Demokratisierungseffekt.
Die Arbeit untersucht den Paradigmenwechsel im Verständnis und der Praxis polizeilicher Kriminalprävention in Deutschland, weg von einer rein reaktiven hin zu einer proaktiven, präventiven Kontrolllogik.
Zentral sind der Einfluss der sogenannten „Kultur der Kontrolle“, die Rolle der Polizei in der Sicherheitsarchitektur, die Entwicklung des Polizeirechts und die kommunale Kriminalprävention.
Es soll gezeigt werden, wie staatliche Sicherheitskonzepte zunehmend auf die Antizipation von Kriminalität ausgerichtet werden und welche Folgen dies für die Grundrechte und den demokratischen Rechtsstaat hat.
Die Arbeit nutzt eine kriminologische und rechtstheoretische Analyse, basierend auf der theoretischen Rahmung von David Garland sowie einer umfassenden Auswertung der einschlägigen Fachliteratur und Gesetzestexte.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung theoretischer Konzepte (Garland), die Analyse der Sicherheitsgesetzgebung (Straf- und Polizeirecht) sowie die praktische Anwendung durch die Polizei in kommunalen Präventionsgremien.
Schlüsselbegriffe sind Kriminalprävention, Präventionsstaat, Vorfeldkriminalisierung, Responsibilisierung und das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit.
Der Begriff beschreibt den Trend, staatliche Eingriffe bereits in ein Stadium zu verlagern, das lange vor der eigentlichen Begehung einer Straftat liegt, um Gefahren präventiv abzuwehren.
Die Polizei nimmt innerhalb kommunaler Präventionsgremien eine dominante und oft steuernde Expertenrolle ein, was zu einer Ausweitung ihres Wissenszugangs und Einflusses auf soziale Bereiche führt, die außerhalb ihrer klassischen Aufgaben liegen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

