Magisterarbeit, 2008
65 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
2. Formale Aspekt
2.1 Der Autor
2.2 Das Werk
2.3 Zeitliche Einordnung des Werkes
3. Was ist ein Bild?
3.1 Das visuelle Bild
3.2 Das sprachliche Bild
4. Malende Sprache im „Welschen Gast“
4.1 Sprachlicher Bilder im „Welschen Gast“
4.2 Vorbilder – Prominente Figuren im „Welschen Gast“
4.3 Die Bedeutung malender Sprache
5. Die Zeichnungen im „Welschen Gast“
5.1 Bild und Text – Ergänzende Medien
5.2 Das Bild als autonome Erzählinstanz
5.3 Die wörtliche Illustrierung
5.4 Die Bedeutung der Illustrationen im „Welschen Gast“
6. Malende Sprache und sprechenden Bilder als didaktisches Mittel?
Diese Magisterarbeit untersucht die Funktion von Bildern in Thomasin von Zerclaeres „Der Welsche Gast“, um zu klären, welche Bedeutung der Autor dem Zusammenspiel von Text und Bild zur Informationsvermittlung beimisst.
4.1 Sprachliche Bilder im „Welschen Gast“
Im „Welschen Gast“ lassen sich eine Fülle an sprachlichen Bildern finden. Betrachtet man die Länge, die Thomasins Werk hat, so kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass der Rahmen dieser Arbeit keineswegs ausreichend ist, um all die rhetorischen Besonderheiten im einzelnen zu analysieren. Daher werden im Folgenden einige, als exemplarisch zu betrachtende Textstellen besprochen, die schließlich einen Überblick über die Verwendung von bildhafter Sprache in Thomasin von Zerclaeres „Der welsche Gast“ im Ganzen geben sollen.
Die erste Textstelle findet sich in der Vorrede. In Vers ein 105 f heißt es:
„doch ist der ein guot zimberman,
der in sinem werke kann
stein und holz legen wol,
da erz von rehte legen sol.
Daz ist untugende niht,
ob ouch mir lihte geschiht,
dau ocj om ,oms getihtes want
ein holz, daz ein ander hat
gemeistert habe, lege mit list,
daz ez gelich den andern ist.“
Um die Bedeutung dieser Worte herauszuarbeiten, muss, allen weiteren Überlegungen voran, der Kontext betrachtet werden, in dem diese Verse stehen. Der Autor wendet sich an den Adressaten seines Werkes, das „Tiusche land“ und gibt Informationen zu seiner Person. Er sei Italiener und heiße Thomasin von Zerclaere. Sofern der Zuhörer gewillt sei, so könne der Autor diesem vieles über gute Erziehung berichten. Es folgt das Bild des Zimmermannes.
An dieser Textstelle beschreibt sich Thomasin als Zimmermann, der seinem Werk Holzstücke hinzufügt, die ein anderer gefertigt hat. Die übertragende Bedeutung dieser Zeilen lässt sich schnell erschließen: Thomasin vermittelt nicht ausschließlich Gedanken, die von ihm stammen. Auch das Gedankengut anderer Künstler fließt mit in seine Überlegungen ein. Das Holzstück steht in diesem Fall als Symbol für die Überlegungen, Gedankengut, Ideen. Dieses Holzstück wurde von fremder Hand gefertigt. Der Zimmermann versteht es aber, dieses Holzstück geschickt in sein Werk einzuflechten. Thomasin hat folglich die Fähigkeit, Gedankengut, dessen Ursprung nicht bei ihm liegt, in sein literarisches Werk einzuflechten.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Bedeutung von Bildern in der Informationsvermittlung und die Forschungsfrage zur Funktion von Bildern in mittelalterlichen Handschriften.
1.1 Aufbau der Arbeit: Kurzer Überblick über die methodische Vorgehensweise und die Struktur der Untersuchung.
2. Formale Aspekt: Darstellung der biografischen Fakten zu Thomasin von Zerclaere und eine formale Einordnung seines Werkes „Der Welsche Gast“.
2.1 Der Autor: Analyse der wenigen verfügbaren Quellen zu Leben und Bildungshintergrund von Thomasin von Zerclaere.
2.2 Das Werk: Untersuchung der Gattung, der Sprachwahl und des Überlieferungszustands des „Welschen Gastes“.
2.3 Zeitliche Einordnung des Werkes: Verknüpfung der Entstehungszeit des Werkes mit den historischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten des frühen 13. Jahrhunderts.
3. Was ist ein Bild?: Philosophischer und begrifflicher Definitionsversuch von „Bild“ unter Berücksichtigung des mittelalterlichen Kontextes.
3.1 Das visuelle Bild: Untersuchung der Wahrnehmung von Bildern im Mittelalter und der Bedeutung der Bildkunst.
3.2 Das sprachliche Bild: Erläuterung des Terminus „malende Sprache“ als stilistisches Mittel bildlicher Rede.
4. Malende Sprache im „Welschen Gast“: Analyse der Funktion bildhafter Sprache bei der Vermittlung von moralisch-ethischen Inhalten.
4.1 Sprachlicher Bilder im „Welschen Gast“: Exemplarische Textanalyse der metaphorischen Verwendung von Berufsständen und Alltagssituationen durch den Autor.
4.2 Vorbilder – Prominente Figuren im „Welschen Gast“: Untersuchung der Funktion bekannter historischer und biblischer Figuren als moralische Exempel.
4.3 Die Bedeutung malender Sprache: Zusammenfassende Erkenntnisse zur absichtsvollen Verwendung bildreicher Sprache zur Förderung der Gedächtnisbildung.
5. Die Zeichnungen im „Welschen Gast“: Einleitung in die Problematik der Analyse der illustrierten Handschriften und Begründung der Auswahl der Handschrift D.
5.1 Bild und Text – Ergänzende Medien: Analyse von Zeichnungen, die mit dem Text kongruieren und als Illustration fungieren.
5.2 Das Bild als autonome Erzählinstanz: Untersuchung von Bildern, die ohne direkten Textbezug eine eigene, moralische Handlungsebene eröffnen.
5.3 Die wörtliche Illustrierung: Betrachtung von Bildern, deren Deutung zwingend das Verständnis des begleitenden Textes erfordert.
5.4 Die Bedeutung der Illustrationen im „Welschen Gast“: Fazit zur breiten Palette der Aussagemodi von Bildern und deren Unterordnung unter die lehrhafte Intention des Autors.
6. Malende Sprache und sprechenden Bilder als didaktisches Mittel?: Abschließende Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung von Wort und Bild als komplementäre Erziehungsmittel im Mittelalter.
Der Welsche Gast, Thomasin von Zerclaere, Malende Sprache, Bildwissenschaft, Didaktik, Mittelalter, Handschriften, Gedächtniskultur, Illustration, Metapher, Symbolik, Erziehung, Bildungsgeschichte, Text-Bild-Verhältnis, Vorbildfunktion.
Die Arbeit untersucht, wie Thomasin von Zerclaere in seinem Werk „Der Welsche Gast“ Sprache und Bild kombiniert, um dem Rezipienten komplexe moralische Lehrinhalte anschaulich und dauerhaft vermittelbar zu machen.
Die zentralen Felder sind die Definition und Funktion bildlicher Rede („malende Sprache“), die Rolle von Illustrationen in mittelalterlichen Handschriften sowie der Einsatz historischer und biblischer Figuren als moralische Vorbilder.
Die Arbeit fragt nach der Intention des Autors bei der Verwendung von Text und Bild: Sie untersucht, ob diese Medien lediglich illustrativen Charakter haben oder als gezielte didaktische Instrumente zur Erziehung und Gedächtnisbildung fungieren.
Es wird eine hermeneutische Text- und Bildanalyse angewandt, bei der exemplarische Textstellen und Zeichnungen aus dem „Welschen Gast“ im Kontext der mittelalterlichen Kultur- und Bildungsgeschichte interpretiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der sprachlichen Bilder (Metaphern, Symbole, Exempel) und die Untersuchung der visuellen Bilder (Zeichnungen in den Handschriften), um deren jeweilige Funktion für den Rezipienten zu bestimmen.
Die wichtigsten Begriffe sind das „malende Wort“ und das „sprechende Bild“, die Erziehung zur Tugend, die Bedeutung der Gedächtniskultur im Mittelalter sowie das Konzept des multimodalen Erziehungsmediums.
Thomasin nutzt diese alltäglichen Berufsrollen, um abstrakte theoretische Tugendlehren für seine Leser oder Zuhörer greifbar zu machen und durch bekannte Gedächtnisbilder besser in deren Alltagswelt zu verankern.
Diese Figuren dienen als moralische Exempel: Sie werden nicht aufgrund ihrer Biografie, sondern als Träger bestimmter moralischer Werte (positiv oder negativ) eingesetzt, um das Handeln des Rezipienten durch Vorbilder zu steuern.
Die Arbeit identifiziert verschiedene Typen: Bilder, die als ergänzende Medien zum Text fungieren, autonome Bilder, die eine eigene Handlungsebene bilden, und Illustrationen, die ohne den zugehörigen Text für den Leser nicht entschlüsselbar sind.
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