Bachelorarbeit, 2018
55 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Forschungsstand – Das Verhältnis Europas zu seinen ehemaligen Kolonien
3. Theorie
3.1. Diskurse und Diskursanalysen
3.2. Diskursive Identitätskonstruktion
3.3. Postkolonialismus
3.3.1. Definition und Relevanz
3.3.2. Othering
3.4. Theoretisierung der EU
3.4.1. Von civilian zu normative power Europe
3.4.2. Normative empire Europe
4. Methodisches Vorgehen
4.1. Fallauswahl, Materialauswahl und Untersuchungszeitraum
4.2. Ablauf
5. Kontext – Demokratieförderung in der ENP
5.1. Definition, Mittel und Kritik
5.2. Demokratieförderung in Tunesien
6. Analyse
6.1. Konstruktion der Identität der EU im Rahmen der ENP
6.2. Konstruktion der Identität Tunesiens im Rahmen der ENP
6.3. Interpretation
7. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht, über welche Mechanismen die Europäische Union im Rahmen der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) Identitäten konstruiert. Dabei wird am Fallbeispiel Tunesiens analysiert, inwiefern postkoloniale Machtstrukturen und das Konzept des "Othering" die Identitätsbildung der EU und ihres Partnerstaates prägen.
3.3.2. Othering
Das zentrale postkoloniale Konzept, das in der vorliegenden Arbeit von Bedeutung ist, ist das Othering. Dabei handelt es sich nach Ashcroft/Griffiths/Tiffin (2013: 188) um eine soziale und/oder psychologische Art, auf die eine Gruppe eine andere exkludiert oder marginalisiert. Die Annahme, dass das ‚Selbst‘ stets einen ‚Anderen‘ braucht, ist konstitutiv für dieses Konzept (vgl. Diez 2005: 627). In der Kolonialzeit existierte ‚der Andere‘ (der Kolonisierte) primär, um die Kolonisatoren zu definieren und um ein Einheitsgefühl unter ihnen zu schaffen, das über Unterschiede wie Klasse und Wohlstand hinausgehe (vgl. Ashcroft/Griffiths/Tiffin 2013: 56). Diejenigen, die sie kolonisieren wollten, bezeichneten die Kolonialmächte oft als barbarisch, unzivilisiert, als fundamental anders, wodurch sie automatisch definierten, was zu einer ‚zivilisierten‘ Identität gehöre. Schulze (2018: 1) zufolge sei die ‚andere‘ Identität der „ontologische[] Gegensatz zum ‚Eigenen‘“, der „zur Selbstüberhöhung abgewertet“ werden muss, wozu materielle Ressourcen aufgewendet werden und auf normative Praktiken und Strategien zurückgegriffen wird. Dies betreffe in der internationalen Politik unter anderem Vorgaben und Programme von internationalen Institutionen und Organisationen (ebd.). Als ein solches kann auch die ENP gelten.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, die Identitätskonstruktionen der EU in der ENP mittels postkolonialer Perspektiven am Beispiel Tunesiens zu untersuchen.
2. Forschungsstand – Das Verhältnis Europas zu seinen ehemaligen Kolonien: Dieses Kapitel beleuchtet die asymmetrischen Machtbeziehungen und die historischen Nachwirkungen des Kolonialismus, die das heutige Verhältnis der EU zu ihren ehemaligen Kolonien prägen.
3. Theorie: Hier werden die theoretischen Grundlagen wie Diskursanalyse, Identitätskonstruktion, Postkolonialismus und das Konzept des "normative empire" für die Untersuchung dargelegt.
4. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel erläutert die Auswahl Tunesiens als Fallbeispiel sowie die Anwendung der kritischen Diskursanalyse auf offizielle EU-Dokumente.
5. Kontext – Demokratieförderung in der ENP: Es wird der Kontext der europäischen Demokratieförderung erläutert und die spezifische Situation Tunesiens im Rahmen der Nachbarschaftspolitik betrachtet.
6. Analyse: In der Analyse werden die Identitätskonstruktionen der EU und Tunesiens in den untersuchten Dokumenten anhand von Kategorien wie "Die EU als Helferin" oder "Tunesien als Raum der Veränderung" dargelegt und interpretiert.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit bestätigt, dass die EU Identitäten durch "Othering" konstruiert und die ENP als "normative empire" interpretiert werden kann, wobei die asymmetrischen Beziehungen deutlich zutage treten.
Europäische Nachbarschaftspolitik, ENP, Tunesien, Postkolonialismus, Identitätskonstruktion, Othering, normative empire, Demokratieförderung, Diskursanalyse, Internationale Beziehungen, Machtasymmetrie, Soft Power, Arabischer Frühling, Außenpolitik, Dekolonisation.
Die Arbeit analysiert die Identitätspolitik der Europäischen Union gegenüber ihren Nachbarstaaten, insbesondere Tunesien, unter Anwendung postkolonialer Theorien.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis der EU zu ehemaligen Kolonien, die Konstruktion von Identität in der internationalen Politik und die Mechanismen der Demokratieförderung in der ENP.
Das Ziel ist es, aufzudecken, durch welche Mechanismen die EU ihre eigene Identität und die Identität ihrer Partnerstaaten konstruiert, um ungleiche Machtverhältnisse in der Außenpolitik sichtbar zu machen.
Die Arbeit nutzt eine kritische Diskursanalyse, um in offiziellen Dokumenten der EU-Kommission und anderer EU-Organe diskursive Strategien der Identitätsbildung zu identifizieren.
Der Hauptteil analysiert, wie Tunesien in EU-Dokumenten als "Raum der Veränderung", "Raum der Gefahr" oder "Vorbild" dargestellt wird und wie diese Zuschreibungen zur Identitätskonstruktion der EU beitragen.
Neben den zentralen Konzepten "Othering" und "normative empire" sind Begriffe wie "Konditionalitätspolitik", "postkoloniale Identität" und "asymmetrische Beziehungen" maßgeblich.
Tunesien wurde gewählt, da das Land als Ausgangspunkt des "Arabischen Frühlings" eine spezifische postkoloniale Beziehung zur EU aufweist, die eine Untersuchung ungleicher Machtstrukturen besonders ergiebig macht.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die ENP tatsächlich asymmetrische Machtstrukturen aufrechterhält und die EU ihre eigenen Interessen hinter einem liberal-demokratischen Diskurs verbirgt, was das Konzept des "normative empire" bestätigt.
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