Bachelorarbeit, 2021
27 Seiten, Note: 1
1. Einführung
2. Heterogene Zusammensetzung der k. und k. Gesellschaft
2.1 Gesellschaftlicher Wandel um 1900
2.2 Wien – Schmelztiegel der Nationen
2.3 Mehrsprachige Normalität der Monarchiebevölkerung
3. Zwei- und Mehrsprachigkeit auf institutioneller Ebene
3.1 Die Sprachenfrage
3.1.1 Rechtliche Ursachen für den Sprachenstreit
3.1.2 Tschechisch und Deutsch im Aushandlungsprozess
3.2 Sprache als politisches Instrument in statistischen Erhebungen
3.2.1 Verzerrung der Umfrageergebnissen
4. Zwitterbeschaffenheit der Translation
4.1 Habituelles Übersetzen mit Konstruktcharakter
4.1.1 Konstitutive Rolle der Literaturübersetzungen
4.2 Instrumentelles Übersetzen als Destabilisierungsmittel
4.2.1 Translationsregime nach Meylaerts
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Translationspolitik in der Habsburger Monarchie um die Jahrhundertwende und analysiert, inwieweit der Verwaltungsapparat sowie gesetzliche Regelungen die heterogene ethnische und sprachliche Struktur widerspiegelten und die Rolle der Translation beeinflussten.
3.1.2 Tschechisch und Deutsch im Aushandlungsprozess
In den vorherigen Kapiteln wurde aufgezeigt, dass die politische Landschaft der böhmischen Länder zersplittert und unübersichtlich war. Dasselbe galt auch für die soziale und sprachliche Landschaftskarte (siehe Anhang). Vor dem Hintergrund der stärker werdenden national zugespitzten Stimmen kam im Rahmen des Sprachenstreits wieder die Frage nach der im Grundgesetzbuch deklarierten Gleichstellung der landesüblichen Sprache auf. Zuerst hätte nämlich festgelegt werden müssen, wann und unter welchen Bedingungen es sich auf dem gegebenen Gebiet um eine landesübliche Sprache handelte, was nicht einfach festzustellen war.
Eine Volkszählung im Jahr 1846 ergab, dass der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung Böhmens an der Gesamtpopulation 37 % betrug, in Mähren waren es ca. 28 % und in Schlesien 44 %. Es wird geschätzt, dass im letzten Jahrzehnt der Monarchie um die 3,5 Millionen Deutsche in den Ländern der Böhmischen Krone lebten – ein Drittel der gesamten Bevölkerung (vgl. Gamillscheg 2003: 35f.). In der Realität gab es jedoch keine rein deutschen oder rein tschechischen Gebiete. Die Zusammensetzung der Bevölkerung war mehrschichtig, was den Weg zu einer nationalen Gesinnung erschwerte. Die Mehrheit der Bevölkerung ließ sich weder nach dem sprachlichen noch nach dem territorialen Prinzip abgrenzen, zumal die einzelnen Völker nicht in klar abgegrenzten Gebieten lebten, sondern vielerorts neben- und miteinander in gemischten Gemeinden. Auf diese Weise trafen die unterschiedlichen Kulturen täglich aufeinander und durch den ständigen Austausch kam es zu „Querbindungen, hybriden Interaktionen und Verflechtungen“ (Csáky 2010: 76). Als Beispiel für diese hybride Kultur kann der Kinderwechsel angeführt werden. Diese Praxis war in ländlichen Gebieten üblich, die sich in der Nähe eines Sprachgrenzraumes befanden. Familien schickten ihre Kinder für eine gewisse Zeit in befreundete anderssprachige Familien in benachbarten Gebieten (z. B. aus Südmähren nach Niederösterreich), damit diese dort die andere Sprache lernen konnten (vgl. Csáky 2010: 84f., zit. nach Fielhauer 1987: 132-165.).
1. Einführung: Umriss der Zielsetzung, die Translationspolitik in der Habsburger Monarchie im Kontext gesellschaftlicher Machtverhältnisse um 1900 zu untersuchen.
2. Heterogene Zusammensetzung der k. und k. Gesellschaft: Darstellung der sozialen und ethnischen Vielfalt sowie der Bedeutung von Mehrsprachigkeit im Alltagsleben der Monarchie.
3. Zwei- und Mehrsprachigkeit auf institutioneller Ebene: Analyse der rechtlichen Sprachenfrage und des Gebrauchs statistischer Erhebungen als Instrumente der politischen Einflussnahme.
4. Zwitterbeschaffenheit der Translation: Untersuchung der ambivalenten Rolle der Translation als kulturstiftendes Element versus Instrument der Destabilisierung.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Translationspraxis in einem heterogenen Staat, der die Herausforderung der Institutionalisierung von Mehrsprachigkeit nicht bewältigen konnte.
Habsburger Monarchie, Translation, Translationspolitik, Sprachenfrage, Nationalismus, Mehrsprachigkeit, Österreich-Ungarn, Sprachenstreit, Volkszählung, Assimilierung, k. und k. Gesellschaft, Instrumentelles Übersetzen, Habituelles Übersetzen, Sprachidentität, Diversität.
Die Arbeit analysiert die ungleiche Translationspolitik in der Habsburger Monarchie um die Jahrhundertwende und deren Verknüpfung mit nationalen Identitätskonflikten.
Die Schwerpunkte liegen auf der gesellschaftlichen Heterogenität, der Sprachenfrage im Verwaltungs- und Schulwesen sowie der instrumentellen Nutzung von Sprache und Übersetzung in der Politik.
Es soll dargelegt werden, wie gesetzliche Regelungen die multiethnische Gesellschaft widerspiegelten und inwiefern Translation sowohl zur kulturellen Brückenbildung als auch zur politischen Destabilisierung beitrug.
Die Arbeit nutzt eine theoretisch gestützte Analyse historischer Sachverhalte, unter Einbeziehung von Primär- und Sekundärquellen sowie der Translationsregime nach Reine Meylaerts.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des gesellschaftlichen Wandels, der rechtlichen Diskrepanzen in der Sprachenpolitik sowie eine Differenzierung zwischen habitueller und instrumenteller Translation.
Habsburger Monarchie, Translationspolitik, Sprachenstreit, Mehrsprachigkeit und nationale Identitätsbildung.
Die Badeni-Krise von 1897 war ein Wendepunkt, bei dem der Versuch scheiterte, die Gleichstellung des Tschechischen in der Verwaltung durchzusetzen, was zu verstärkten nationalen Spannungen führte.
Statistische Erhebungen wurden als politisches Instrument genutzt, um durch Assimilierungsdruck ein künstlich homogenes, deutschsprachiges Bild der Wiener Bevölkerung zu erzeugen.
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