Examensarbeit, 2007
82 Seiten, Note: 2,0
1. EINFÜHRENDE WORTE
2. UNTERSUCHUNG DER BENACHTEILIGUNGSDEBATTE IM KOEDUKATIONSDISKURS
2.1 DER HISTORISCHE VERLAUF DER KOEDUKATION IM RÜCKBLICK
2.2 DAS FORSCHUNGSFELD: KOEDUKATION
2.3 DIE ABGEHÄNGTEN JUNGEN – ERGEBNISSE DER NATIONALEN UND INTERNATIONALEN LEISTUNGSMESSUNGSTESTS.
2.3.1. Geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede in der Grundschule
2.3.1.1. Erste Erhebungen an Grundschulen
2.3.1.2 Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung
2.3.2 Geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede in der Sekundarstufe I
2.3.2.1 Die Hamburger Lernausgangslage (LAU)
2.3.2.2 Die Third International Mathematics and Science Study
2.3.2.3 Das Programme for International Student Assessment
2.3.3 Geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede in der Sekundarstufe II
2.3.3.1 Die Third International Mathematics and Science Study
2.4 ANALYSE DER LEISTUNGSKURSWAHLEN DER JUNGEN IN DER GYMNASIALEN OBERSTUFE
2.5 VOM FÄCHERSPEZIFISCHEN SELBSTKONZEPT UND INTERESSE DER JUNGEN IM VERGLEICH MIT DEN MÄDCHEN
2.5.1 Geschlechtsspezifische Interessengebiete
2.5.2 Das fächerspezifische Selbstkonzept im Vergleich
2.6 DER EINFLUSS DER LEHRER UND LEHRERINNEN AN DER ENTWICKLUNG DER PERSÖNLICHEN IDENTITÄT DER JUNGEN IM KONTEXT DER SCHULISCHEN SOZIALISATION
2.7 VOM SELBSTBILD, DER BERUFSPLANUNG UND DEN LEBENSVORSTELLUNGEN DER JUNGEN
3. BINNENDIFFERENZIERUNG. EINE CHANCE FÜR MÄDCHEN- UND JUNGENSTUNDEN?
3.1 MÄDCHENSTUNDEN – JUNGENSTUNDEN
3.2 KOEDUKATION – WIE STEHEN MÄDCHEN UND JUNGEN DAZU?
4. RESÜMEE
Die Arbeit untersucht die Debatte über die vermeintliche oder tatsächliche Benachteiligung von Jungen im heutigen Schulwesen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob Jungen in koedukativen Bildungseinrichtungen strukturell benachteiligt werden und welche Rolle dabei fachspezifische Interessen, Selbstkonzepte sowie das Interaktionsverhalten von Lehrkräften spielen.
2.3.1. Geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede in der Grundschule
Bezüglich der Leistungsuntersuchung von Mädchen und Jungen im Grundschulalter gibt es relativ wenig zur Verfügung stehendes Material. Einen Versuch zur Hebung solcher Unterschiede führten Tiedemann und Faber6 im Zeitraum von 1990 bis 1994 durch. Dabei testeten sie 47 Mädchen und 56 Jungen aus städtischen Vorschulen hinsichtlich ihrer kognitiven Lernvoraussetzungen und Fähigkeiten. Im Anschluss daran setzten sie die „Entwicklungsdynamik der mathematischen Leistungen“ mit den Leistungsbeurteilungen im Fach Deutsch in Beziehung. Nach Ablauf der vier Grundschuljahre wurden die Schulleistungen der Kinder mittels Schulleistungstest sowie Lehrereinschätzung erhoben. Hier war eine hohe Deckungsrate der Schulleistungstest und der Lehrereinschätzung erkennbar (Stürzer 2003: S. 88 f.).
Dabei stellten Tiedemann und Faber fest, dass im Vorschulalter keine signifikanten Unterschiede bezüglich der allgemeinen kognitiven Leistungen, der sprachlichen oder der visuellen Fähigkeiten zu verzeichnen waren. Daher sind die Autoren der Untersuchung der Meinung, dass beide Geschlechter beim Start ihre Schullaufbahn dieselben Voraussetzungen haben. Für die Grundschulzeit – gemittelt über alle Jahrgänge – kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Mädchen den Jungen im Hinblick auf die Deutschleistungen überlegen sind, während im Fach Mathematik keine der beiden Gruppen einen Vorsprung aufbauen konnten. Im Einzelnen ist jedoch ein leichter Vorsprung der Mädchen gegenüber den Jungen in der ersten Klasse zu verzeichnen, der sich jedoch im weiteren Verlauf der Grundschule relativierte. Gegen Ende der vierten Klasse erzielten beide Geschlechter ein gleiches Niveau. Die Unterschiede waren zu gering um signifikant zu sein (Stürzer 2003: S. 91 f.).
1. EINFÜHRENDE WORTE: Die Einleitung beleuchtet die einseitige Ausrichtung der bisherigen Geschlechterforschung auf Mädchen und begründet die Notwendigkeit, Jungen als ebenfalls bildungsbenachteiligte Gruppe in den Fokus der schulpädagogischen Debatte zu rücken.
2. UNTERSUCHUNG DER BENACHTEILIGUNGSDEBATTE IM KOEDUKATIONSDISKURS: Dieses Kapitel gibt einen historischen Rückblick auf die Koedukation und analysiert intensiv Ergebnisse nationaler und internationaler Leistungstests (u.a. PISA, TIMSS, LAU) sowie die Entwicklung geschlechtsspezifischer Interessen und Selbstkonzepte.
3. BINNENDIFFERENZIERUNG. EINE CHANCE FÜR MÄDCHEN- UND JUNGENSTUNDEN?: Es wird diskutiert, ob getrennte Unterrichtseinheiten (Mädchen- und Jungenstunden) als Form der Binnendifferenzierung zur Identitätsförderung und zum Abbau von Stereotypen beitragen können.
4. RESÜMEE: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Jungen zwar in einigen Bereichen leistungsschwächer sind, dies aber nicht als generelle Benachteiligung zu werten ist, und plädiert für eine reflexive Koedukation statt einer Rückkehr zur strikten Trennung.
Koedukation, Geschlechterforschung, Jungenarbeit, Mädchenstunden, Schulleistung, PISA-Studie, TIMSS, Selbstkonzept, Identitätsentwicklung, Schulsozialisation, Leistungskurswahl, Bildungsbenachteiligung, Reflexive Koedukation, Geschlechterstereotype, Geschlechterdifferenz.
Die Arbeit untersucht die Situation von Jungen im heutigen Bildungssystem und hinterfragt die verbreitete Debatte um deren Benachteiligung vor dem Hintergrund des koedukativen Schulalltags.
Die Arbeit fokussiert sich auf schulische Leistungsvergleiche, die Wahl von Leistungskursen, die Rolle von Geschlechterstereotypen bei der Identitätsbildung und die Effekte von getrennten Unterrichtsformen.
Ziel ist es zu ergründen, ob man von einer generellen Benachteiligung der Jungen im Schulwesen sprechen kann und wie Bildungsinstitute mit den unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen der Geschlechter umgehen können.
Es handelt sich um eine literatur- und forschungsbasierte Analyse, die bestehende nationale und internationale Vergleichsstudien, pädagogische Fachliteratur und empirische Erhebungen kritisch auswertet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auswertung von Leistungsdaten verschiedener Schulstufen, eine Analyse der Kurswahlmotive in der Oberstufe, sowie eine pädagogische Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen der geschlechtshomogenen Förderung.
Wesentliche Begriffe sind Koedukation, Geschlechterdifferenz, Schulleistung, Jungenarbeit, Identitätskonstruktion und reflexive Pädagogik.
Die Autorin diskutiert Mädchen- und Jungenstunden als komplementäre pädagogische Ansätze der Binnendifferenzierung, um geschlechtstypische Verhaltensmuster zu reflektieren und den Kindern Freiräume zur Identitätsbildung außerhalb starrer Stereotypen zu bieten.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass eine generelle Benachteiligung der Jungen nicht haltbar ist; vielmehr zeigt sie auf, dass beide Geschlechter unter einseitigen gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen leiden und eine differenzierte, reflexive Koedukation notwendig ist.
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