Bachelorarbeit, 2021
55 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Identität – methodischer Zugriff
3. Erste Identitätsgenese: Der erste Verlust der ere
4. Zweite Identitätsgenese: Die Identitätskrise
5. Dritte Identitätsgenese: Die Läuterung
6. Das Artusepos als idealisiertes Identitätsmodell
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konzeption der Protagonistenidentität in Hartmanns Artusepos Ereck, um zu zeigen, dass Hartmann ein didaktisch motiviertes, idealisiertes Identitätsmodell entwirft, das eine identitätsstiftende Funktion für das zeitgenössische Publikum aufweist.
Erste Identitätsgenese: Der erste Verlust der ere
Am Anfang des Epos ist Erecks Identität ausschließlich durch seine Zugehörigkeit zum Artushof bestimmt. Die ersten tausend Verse demonstrieren die scheinbare Idealität des Artushofes u. a. anhand des edlen, gattungstypischen Pfingstfestes, „daz Ee noch seit / nie kain grössere ward gesehen.“ Dieser „idealtypisch[e] Entwurf höfischen Gesellschaftslebens“ ist jedoch nicht ohne Konfliktpotenzial konzipiert. Es besteht unter den Rittern eine Uneinigkeit darüber, wer „das schöneste weib“ (E. V. 357) ist. Nur Ereck ist später in der Lage, den Streit und die damit verbundenen Spannungen am Artushof aufgrund seiner neu erworbenen Minnepartnerin zu lösen.
Während die Artusritter einem alten Brauch nachgehen, die Jagd auf den weißen Hirsch, begleitet Ereck die Königin auf einen Ausritt (vgl. E. V. 999 f.). Die Tatsache, dass Ereck nicht an der Jagd teilnimmt, zeigt, dass der Titelheld noch kein vollkommen ausgebildeter Artusritter ist. Dies wird ebenfalls dadurch deutlich, dass er unbewaffnet ist: „Eregk was plos als ein weib“ (E. V. 1097). Darüber hinaus wird er als „jun[g]“ (E. V. 1012) und „junger rait“ (E. V. 1139) beschrieben. Somit unterscheidet sich der Hartmannsche Protagonist stark von der altfranzösischen Vorlage, in welcher ein fünfundzwanzigjähriger tapferer Held, der den Inbegriff des Artusrittertums verkörpert, eingeführt wird. Demnach nimmt Hartmann eine Umakzentuierung der Protagonistenidentität vor, indem er einen Schwerpunkt auf Erecks Identitätsmodifikation zum vollkommenen, höfischen Ritter legt, die erst noch stattfinden muss.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die zentrale Bedeutung der Identitätsthematik in Hartmanns Ereck ein und umreißt die methodische Herangehensweise.
2. Identität – methodischer Zugriff: Dieses Kapitel definiert den Identitätsbegriff für den literarischen Kontext und grenzt mittelalterliche Identitätskonzepte von modernen ab.
3. Erste Identitätsgenese: Der erste Verlust der ere: Die Untersuchung analysiert Erecks initiale Identität am Artushof und den ersten Ehrverlust als Ausgangspunkt seiner Entwicklung.
4. Zweite Identitätsgenese: Die Identitätskrise: Hier wird der Konflikt zwischen den verschiedenen Rollen Erecks thematisiert, der in eine existenzielle Krise und das verligen mündet.
5. Dritte Identitätsgenese: Die Läuterung: Das Kapitel behandelt den Weg zur Wiedergewinnung der Identität durch soziale Bewährung, Nächstenliebe und Mitleid.
6. Das Artusepos als idealisiertes Identitätsmodell: Die Arbeit resümiert Hartmanns Entwurf eines idealisierten Identitätsmodells, das als Vorbild für ein christlich-höfisches Rittertum fungiert.
7. Fazit: Die abschließenden Ergebnisse bestätigen die didaktische Intention Hartmanns und die Bedeutung der Identitätsmodifikation für den Status des Protagonisten.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit.
Ereck, Hartmann von Aue, Identitätskonzeption, Identitätsgenese, Rittertum, Artusroman, Minne, Ehre, Gesellschaft, Individuum, Mittelalter, Didaktik, Christliches Ritterideal, Protagonist, Identitätskrise.
Die Arbeit analysiert die Konzeption der Identität des Protagonisten Ereck in Hartmanns Artusepos und zeigt auf, wie der Autor ein idealisiertes Modell ritterlicher Identität entwirft.
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Identität durch Krisen, das Spannungsfeld zwischen individuellem Streben und gesellschaftlicher Verantwortung sowie die ethische Sublimierung des Ritterideals.
Das Ziel ist es, textnah zu belegen, dass Hartmann durch die Identitätsmodifikation seines Protagonisten eine didaktische Intention verfolgt und ein Modell für zeitgenössische Rezipienten schafft.
Die Untersuchung erfolgt auf literaturtheoretischer Ebene durch eine chronologische, textnahe Analyse des Epos, ergänzt durch einen Vergleich mit der altfranzösischen Vorlage.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Identitätsgenesen – den ersten Verlust der Ehre, die Identitätskrise durch das verligen und die finale Läuterung –, die Erecks Reifungsprozess nachzeichnen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identitätskonzeption, Artusrittertum, Ehre (ere), Minne, didaktische Intention, individuelles und gesellschaftliches Interesse sowie christliches Ethos charakterisiert.
Das Schweigegebot fungiert als Ausdruck der Identitätskrise und der unhöfischen Behandlung Enites, was Erecks Desintegration und seinen Selbstverlust verdeutlicht.
Das verligen beschreibt den Zustand der gesellschaftlichen Vernachlässigung und Isolation des Protagonisten, der den Bruch mit den höfischen Pflichten markiert und zur Krise führt.
Diese Episode zeigt den Übergang von einem rein auf Ehrakkumulation ausgerichteten Helden zu einem altruistischen, mitleidsfähigen Ritter, der seine Herrscheridentität vervollkommnet.
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