Masterarbeit, 2021
142 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Hintergrund
2.1 Die Sectio caesarea
2.1.1 Indikationen zur Sectio
2.1.2 Der Kaiserschnitt auf Wunsch der Mutter
2.1.3 Folgen eines Kaiserschnitts
2.2 Kaiserschnittraten
2.2.1 Kaiserschnittraten weltweit
2.2.2 Kaiserschnittraten in Europa
2.2.3 Kaiserschnittraten in Deutschland
2.2.4 Regionale Unterschiede der Kaiserschnittraten in Deutschland
2.2.5 Bisherige Evidenz zu den Ursachen regionaler Unterschiede in Deutschland
2.2.6 Senkung der Sectioraten: Was bisher bekannt ist
2.3 Entscheidungsfindung für oder gegen einen Kaiserschnitt
2.4 Theoretischer Rahmen: „The Lancet Framework for quality maternal and newborn care“
2.5 Zusammenfassung und Ableitung der Forschungsfragen
3. Methodik
3.1 Studiendesign
3.2 Experteninterviews
3.3 Sampling
3.4 Entwicklung und Aufbau des Interviewleitfadens
3.5 Interviewdurchführung
3.6 Auswertung
4. Ergebnisse
4.1 Soziodemographische Merkmale
4.2 Kategoriensystem
4.2.1 Sectioraten und deren Entwicklung in Deutschland aus Hebammensicht
4.2.2 Regionale und institutionelle Unterschiede in den Sectioraten
4.2.3 Klinikinterne Beeinflussung der Sectiorate
4.2.4 Beeinflussung der primären Kaiserschnittrate
4.2.5 Beeinflussung der sekundären Kaiserschnittrate
4.2.6 Rolle von Hebammen
5. Diskussion
5.1 Diskussion der Methodik
5.2 Diskussion der Ergebnisse
6. Empfehlungen und Ausblick
Die Arbeit untersucht die regionalen Unterschiede der Kaiserschnittraten in Deutschland aus der Perspektive angestellter Hebammen in Kliniken mit Maximalversorgung. Ziel ist es, Lösungsansätze zur Reduzierung nicht notwendiger Kaiserschnitte zu identifizieren und die Rolle sowie die Handlungsspielräume von Hebammen bei der Entscheidungsfindung und Betreuung im geburtshilflichen Prozess zu beleuchten.
4.2.1 Sectioraten und deren Entwicklung in Deutschland aus Hebammensicht
In ihrer professionellen Bewertung der Sectiorate in Deutschland halten die meisten Interviewpartnerinnen diese für diskussionswürdig und sehen Bedarf und Potential sie zu senken. Die Rate wird als „absolut problematisch und viel zu hoch“ (NB_2: 36) angesehen; ihr Anstieg über die letzten 30 Jahre wird „enorm“ (AB_7: 35) und „hinterfragenswert“ (AB_6: 35) genannt. Die bundesweite Rate wird aus Sicht einer Hebamme „mit Unverständnis“ beurteilt, da sie aus ihrem Bundesland eine deutlich niedrigere Rate kennt (NB_4: 36). In zwei Interviews wird auf die Empfehlung der WHO eingegangen, dass eine Sectiorate über 15% nicht mehr mit Vorteilen für die mütterliche und neonatale Gesundheit verbunden ist. Anhand dieses Zielwertes ist die bundesweite Rate zu hoch (AB_2: 42 und NB_2: 36). Eine Hebamme reflektiert, dass sie selbst Teil des Systems ist, in dem es eine zu hohe Sectiorate gibt (AB_6: 35).
Im Zuge der Entwicklung der Sectiorate in Deutschland wird auch von einem steigenden juristischen Druck gesprochen. So befürchtet eine Hebamme, dass die Angst vor Klagen zu einem höheren Interventionsdruck führt:
„Ich glaube, ein großer Anteil ist vor allem die rechtliche Seite – also, dass Ärzte und Hebammen Angst vor irgendwelchen Verfahren haben und sagen, dass sie halt dann eben früher Interventionen machen, ganz unabhängig von der Sectio jetzt, sondern jegliche Intervention (.).“ (NB_1: 3)
Hebammen beobachten, dass die Beendigung einer Geburt per Kaiserschnitt aus Sorge vor rechtlichen Auseinandersetzungen leichter fällt, als sich in einer geburtshilflich herausfordernden Situation gegen den Kaiserschnitt zu entscheiden. Das bedingt wiederum, dass Geburtshelfer*innen weniger praktische Erfahrung mit bestimmten geburtshilflichen Situationen, wie der Betreuung von vaginalen Beckenendlagengeburten, sammeln.
1. Einleitung: Stellt das Problem der weltweit steigenden Kaiserschnittraten und die Relevanz einer frauenzentrierten Geburtshilfe dar.
2. Hintergrund: Bietet einen Überblick über die Sectio caesarea, Kaiserschnittraten sowie den theoretischen Rahmen des „Lancet Framework for quality maternal and newborn care“.
3. Methodik: Erläutert das qualitative Studiendesign, die Durchführung leitfadengestützter Experteninterviews und die Analyse mittels inhaltlich strukturierender Inhaltsanalyse.
4. Ergebnisse: Präsentiert die soziodemographischen Daten der interviewten Hebammen und analysiert detailliert die Einflussfaktoren auf die Kaiserschnittpraxis sowie die Rolle der Hebammen.
5. Diskussion: Reflektiert kritisch das methodische Vorgehen und diskutiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund des Lancet-Frameworks und bestehender Forschung.
6. Empfehlungen und Ausblick: Formuliert Handlungsempfehlungen für Kliniken und auf Systemebene zur Senkung unnötiger Kaiserschnitte.
Kaiserschnitt, Sectiorate, Hebammen, Geburtshilfe, Physiologische Geburt, 1:1-Betreuung, Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Expertinneninterviews, Qualitätsmanagement, Public Health, Wunschkaiserschnitt, Klinische Praxis, Geburtsstillstand, Empowerment, Evidenzbasierte Leitlinien
Die Masterarbeit befasst sich mit den regionalen Unterschieden der Kaiserschnittraten in Deutschland und untersucht, wie Hebammen diese Unterschiede wahrnehmen und welche Möglichkeiten sie zur Beeinflussung sehen.
Zentrale Themen sind die Einflussfaktoren auf die Sectiorate, die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Kreißsaal, der Stellenwert der physiologischen Geburtshilfe sowie die Rolle der Hebamme als Beraterin und Betreuerin.
Das Ziel ist es, Handlungsspielräume von Hebammen zu identifizieren, um unnötige Kaiserschnitte zu vermeiden und die Qualität der geburtshilflichen Versorgung zu verbessern.
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, bei dem 13 leitfadengestützte Experteninterviews mit Hebammen aus verschiedenen deutschen Bundesländern geführt und inhaltlich-strukturierend ausgewertet wurden.
Der Hauptteil analysiert die Ergebnisse zu verschiedenen Einflussfaktoren wie klinische Philosophie, Personalschlüssel, Aufklärung der Gebärenden, interdisziplinäre Kommunikation und die Rolle von Hebammen in der Schwangerschaftsvorsorge.
Hebammen fungieren als Experten für physiologische Geburtsprozesse, die durch eine kontinuierliche Betreuung, das Empowerment der Frauen und die frühzeitige Einbindung in die Geburtsplanung maßgeblich dazu beitragen können, Interventionskaskaden zu verhindern.
Die Auswirkungen wurden kontrovers diskutiert; einige Hebammen berichten von höherem Interventionsdruck durch Personalmangel, andere sahen durch spätere Hospitalisierung der Frauen positive Effekte auf die Rate an Spontangeburten.
Hebammen sind entscheidende Akteure in der individuellen Aufklärung, da sie durch ihre Zeitnähe zur Gebärenden Ängste abbauen, über Risiken informieren und den Frauen helfen können, selbstbestimmte Entscheidungen für ihren Geburtsweg zu treffen.
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