Examensarbeit, 2007
96 Seiten, Note: 1,0
Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung
1 Problemstellung
1.1 Einführung
1.2 Zielsetzung und Fragestellung
1.3 Konzeptioneller Aufbau
2 Das Ökosystem Regenwald
2.1 Großklimatische Rahmenbedingungen
2.2 Die allgemeine Struktur des tropischen Regenwaldes
2.3 Die Funktionsweise des Ökosystems (Nährstoffkreislauf)
2.4 (Zer)Störung des Ökosystems Regenwald
3 Das Untersuchungsgebiet: Ghana
3.1 Lage und Verwaltung
3.2 Der Naturraum
3.3 Die Waldzone Ghanas
3.3.1 Der immergrüne Regenwald
3.3.2 Der regengrüne Feuchtwald
4 Die ursprüngliche Nutzung des Regenwaldes
4.1 Der Wald als Lebensraum
4.2 Der traditionelle Wanderfeldbau
4.3 Waldzerstörung vor der Kolonialzeit
4.4 Die vorkolonialen Kontakte zu Europa
4.5 Zwischenfazit I
5 Der Wandel der Regenwaldnutzung während der Kolonialzeit
5.1 Die Goldküste wird Kolonie
5.2 Der Beginn der kommerziellen Nutzung
5.3 Der Siegeszug des Kakao
5.4 Die Entwicklung des Bodenrechts und seine Folgen
5.5 Versuche staatlicher Reglementierung
5.6 Gründe für die Kakaofavorisierung
5.7 Zwischenfazit II
6 Der Wandel der Regenwaldnutzung von 1957 bis 1990
6.1 Entwicklungsstrategien im Wandel
6.2 Die Entwicklung des Kakaosektors
6.3 Die zerstörerische Wirkung der „neuen Nutzung“
6.4 Ursachen der Regenwaldvernichtung
6.5 Forstwirtschaft in Ghana
6.5.1 Forest Reserves
6.5.2 Waldbaumethoden
6.5.2.1 Tropical Shelterwood System
6.5.2.2 Umwandlung zu Holzplantagen
6.5.2.3 Taungya-System
6.5.3 Aufforstungsmaßnahmen
6.5.4 Subri river forest reserve
6.6 Die Holzwirtschaft in Ghana
6.6.1 Die Strukturen der Schlagrechte
6.6.2 Die Methode des selektiven Holzeinschlags
6.6.3 Holzeinschlag und Holzexport als Indikatoren für Waldzerstörung
6.7 Ökologische Folgen der Regenwaldvernichtung in Ghana
6.8 Soziale und sozioökonomische Folgen der Regenwaldvernichtung in Ghana
6.9 Zwischenfazit III
7 Von der Zerstörung zur nachhaltigen Nutzung? Entwicklungen seit 1990
7.1 Der Nachhaltigkeitsbegriff
7.2 Alternative Formen der Landnutzung in Gebieten des tropischen Regenwalds
7.2.1 Alley-Cropping
7.2.2 Das neue Taungya-System
7.3 Zusammenfassende Darstellung der Wirtschafts- und Umweltsituation Ghanas
7.4 Globale und/oder lokale Lösungsansätze
7.5 Alternative: Ökotourismus?!
8 Fazit
Die Arbeit analysiert den Nutzungswandel im ghanaischen Regenwald im zeitlichen Verlauf, wobei der Fokus auf den jeweils epochenspezifischen Rahmenbedingungen sowie den daraus resultierenden ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen liegt. Ziel ist die differenzierte Bewertung von Nutzung, Umgestaltung und Zerstörung sowie ein Ausblick auf nachhaltige Lösungsansätze.
2.3 Die Funktionsweise des Ökosystems (Nährstoffkreislauf)
Die Böden des tropischen Regenwaldes (z.B. Ferralite, Ferrisole, Fersilate) zeichnen sich, bis auf wenige Ausnahmen, durch eine erhebliche Nährstoffarmut aus. Der verminderte Restmineralgehalt, die niedrige Kationenaustauschkapazität und der Humusanteil im Oberboden sind die primären Faktoren, welche die Oligotrophie der Böden bedingen. Der Restmineralgehalt bezeichnet die noch vorhandene Zahl an Mineralbruchstücken des Ausgangsgesteins im Bodenskelett nach dessen Verwitterung und stellt somit den Bezugsort der mineralischen Pflanzennährstoff-Kationen (z.B. Calcium, Magnesium, Kalium usw.), die ein Pflanzenwachstum erst ermöglichen, dar. Die Humifizierung des durch die Vegetation angelieferten Materials bestimmt den Humusanteil im Oberboden. Hier lagernde mineralische Nährstoffe können durch Wiederaufnahme in den Kreislauf gelangen und so dem Pflanzenwachstum dienen. Des Weiteren ist die Humusschicht, mit den in ihr enthaltenden Huminsäuren, Träger der Kationenaustauschkapazität. Diese bezeichnet die Fähigkeit des Bodens Nährstoffe locker und pflanzenverfügbar zu binden.
Trotzdem bildet der tropische Regenwald mit seiner Fülle an Vegetation ein einzigartiges Ökosystem auf der Erde. Wie ist dieser scheinbare Widerspruch zu erklären? Die Lösung zeigt sich in der Funktion des Nährstoffkreislaufes tropischer Regenwälder. Die Nährstoffe der abgestorbenen Biomasse werden in einem geschlossenen und intensiven System den Pflanzen wieder zugeführt. Grundvoraussetzung dafür ist die ausgeprägte Ballung der Wurzelmasse in der obersten Bodenschicht. 70 – 80 % der Wurzeln sind in der Region zwischen 30 und 45 cm zu lokalisieren. Daher erklärt sich auch die Ausbildung von Planken-, Brett- und Pfahlwurzeln der Urwaldriesen, die lebensnotwendig für ihre Stabilität sind. Aufgrund der vorherigen Ausführungen bezüglich der verminderten Fähigkeit von Nährstoffspeicherung des Bodens, erfolgte ein evolutionärer Anpassungsprozess des Nährstoffkreislaufs. Der Oberboden wirkt als Nährstofffalle (nutrient trap). Primär liegt die Begründung in einem Mutualismus zwischen den Wurzeln und dem Mykorrhiza-Pilz. Diese in Symbiose mit den Wurzeln lebenden Pilze besitzen die Fähigkeit Mineralstoffe aus dem Boden zu filtern, zu speichern und den Pflanzen nach und nach zuzuführen. Durch diese Funktion erhalten die Pflanzen die notwendigen Nährstoffe zum Wachstum.
1 Problemstellung: Einführung in die globale Bedeutung des Regenwaldes, die spezielle Problematik in Ghana und die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2 Das Ökosystem Regenwald: Darstellung der klimatischen Rahmenbedingungen und der Nährstoffkreisläufe, die den Regenwald als ökologisch sensibles System definieren.
3 Das Untersuchungsgebiet: Ghana: Geographische Einordnung Ghanas sowie Analyse der naturräumlichen Gegebenheiten und Waldformationen.
4 Die ursprüngliche Nutzung des Regenwaldes: Untersuchung der vorkolonialen Lebensweise der Bevölkerung, die durch eine symbiotische Nutzung und den traditionellen Wanderfeldbau gekennzeichnet war.
5 Der Wandel der Regenwaldnutzung während der Kolonialzeit: Analyse der massiven Umgestaltung durch den Kakaoboom, die Entwicklung des Bodenrechts und erste Ansätze staatlicher Forstregulierung.
6 Der Wandel der Regenwaldnutzung von 1957 bis 1990: Betrachtung der Auswirkungen politischer Strategien nach der Unabhängigkeit, insbesondere durch Holzwirtschaft, industrielle Aufforstung und ungezielte Agrarkolonisation.
7 Von der Zerstörung zur nachhaltigen Nutzung? Entwicklungen seit 1990: Evaluation moderner Ansätze wie Agroforstwirtschaft und Ökotourismus als potenzielle Wege zu einer nachhaltigen Entwicklung.
8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der bisherigen Maßnahmen und Plädoyer für einen stärkeren Fokus auf Partizipation und Generationengerechtigkeit.
Regenwald, Ghana, Nutzungswandel, Kakaowirtschaft, Holzwirtschaft, Entwaldung, Nachhaltigkeit, Agroforstwirtschaft, Nährstoffkreislauf, Agrarkolonisation, Forstreserven, Ökotourismus, Biomasse, Entwicklungsstrategien, Generationengerechtigkeit.
Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel der Landnutzung im ghanaischen Regenwald und untersucht, wie sich die Rahmenbedingungen von einer nachhaltigen Subsistenzwirtschaft hin zu einer exportorientierten Agrar- und Forstwirtschaft verändert haben.
Die zentralen Felder umfassen die Ökologie des Regenwaldes, den historischen Einfluss kolonialer und postkolonialer Wirtschaftspolitik, die Folgen für den Baumbestand sowie innovative Ansätze für eine nachhaltige Zukunft.
Ziel ist es, die Grenze zwischen sinnvoller Nutzung, Umgestaltung und zerstörerischem Raubbau zu definieren und zu bewerten, wie Ghana die sozioökonomischen Herausforderungen der Zukunft ökologisch vertretbar bewältigen kann.
Die Arbeit folgt einer chronologischen Struktur der Ereignisse und analysiert die Nutzungsebenen in verschiedenen historischen Epochen, ergänzt durch Fallbeispiele wie das Subri River Forest Reserve.
Der Hauptteil gliedert sich in die vorkoloniale Phase, die Ära des kolonialen Kakaobooms sowie den Wandel von 1957 bis 1990 mit Fokus auf Holzwirtschaft und Aufforstungsmaßnahmen.
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Nutzungswandel, Kakaowirtschaft, Regenwaldzerstörung, Nachhaltigkeit, Agroforstwirtschaft und Agrarkolonisation.
Die Kakaowirtschaft führte zu einer schlagartigen und nachhaltigen Veränderung der Regenwaldnutzung. Der Erfolg als Exportgut motivierte zur Ausdehnung der Anbauflächen, was zwar zu wirtschaftlichem Aufstieg beitrug, aber die Primärwaldflächen durch Umwandlung in Sekundärwald und Kulturwald reduzierte.
Es fungiert als nachhaltige Methode, die Land- und Forstwirtschaft kombiniert. Im Gegensatz zum alten System integriert es die lokale Bevölkerung durch eine gerechtere Verteilung der Erträge, was den Erhalt der Wälder fördern soll, da die Bauern nun direkt profitieren.
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