Bachelorarbeit, 2021
24 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
Hauptteil
1 Im Zeichen der (vermeintlichen) Ironie
1.1 Eine fragwürdige Heldin
1.2 Kritik des Kleinbürgertums
1.3 Funktion in der Dysfunktionalität
1.4 Eine vielfältige Liebe
2 Eine unkonventionelle Heldin
2.1 Eine andere Art der Heldenhaftigkeit
2.2 Eine andere Art des Glaubens
3 Spiel mit der Zeit
4 Metamorphose
4.1 Der Tod
4.2 Die Apotheose
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Forschungsfrage, ob die Figur der Félicité aus Gustave Flauberts Erzählung „Un cœur simple“ als eine fromme Heldin der Moderne betrachtet werden kann. Dabei wird analysiert, wie Flaubert durch seine spezifische Poetik, den Einsatz von Ironie sowie die Darstellung von Félicités Naivität und ihrer vielfältigen Liebesbeziehungen eine ambivalente Protagonistin erschafft, die trotz ihrer sozialen Schlichtheit eine Form von Heldenhaftigkeit verkörpert.
1.1 Eine fragwürdige Heldin
Der unbestimmte Artikel ‚Un‘ im Titel platziert die Figur in die Sphäre des Anonymen. Félicité wird direkt durch eine Periphrase beschrieben, die mit einem unbestimmten Artikel assoziiert ist: ‚Un cœur simple‘. Es handelt sich nicht um ‚Le cœur simple‘, was einer Wertschätzung des Charakters entspräche, sondern um eine absichtliche Unterbewertung: eine Verallgemeinerung ein Abschwächungseffekt, als ginge es hauptsächlich darum, den Charakter eben nicht durch den Titel zu heroisieren. Sie ist ‚Un cœur simple‘ unter vielen anderen.
Félicité gelangt nicht zur Namensgebung im Titel und damit auf den Rang der Legendenfiguren, die man identifizieren könnte (wie es der Fall bei La légende de Saint Julien L‘Hospitalier und Hérodias ist, die Titel der anderen beiden Erzählungen im Buch). Es folgt eine Synekdoche, die den Charakter beschreibt, dessen fundamentale Eigenschaft ihr Herz – ‚cœur‘ – ist und eine besondere Großzügigkeit sowie Sensibilität der Heldin impliziert.
‚Simple‘ ist ein Attribut, das sofort die Eigenschaft oder essenzielle Tugend in den Vordergrund stellt: die Bescheidenheit. Das Adjektiv ‚simple‘ kann viele Konnotationen mit sich tragen: Es suggeriert ebenso die Naivität. Zudem ist es ein Euphemismus der bourgeoisen Sprache, um die Armut zu beschreiben. Schon von Anfang an steht die Paradoxie im Vordergrund. Es handelt sich um einen widersprüchlichen Charakter in Bezug auf die Kriterien eines Märchens. Das heißt, es ist ein antiromantisches, unheroisches Individuum. Was kann bloß Ergreifendes einer Persönlichkeit passieren, die so mechanisch dargestellt wird, als wäre sie aus Holz? Es entsteht eine Form der Neugier um die Figur, da so sehr auf ihrer Banalität bestanden wird. Durch diese Paradoxie wird Félicité interessant.
1 Im Zeichen der (vermeintlichen) Ironie: Dieses Kapitel analysiert Félicités Rolle als vermeintlich unheroische Figur und untersucht Flauberts Kritik am Kleinbürgertum sowie die Funktion des Papageis Loulou.
2 Eine unkonventionelle Heldin: Hier wird Félicités spezifische Form der Heldenhaftigkeit durch altruistisches Handeln und ihre eigenwillige, vom Dogma losgelöste Frömmigkeit beleuchtet.
3 Spiel mit der Zeit: Der Fokus liegt auf der Rhythmisierung des Lebens durch tragische Ereignisse und präzise historische Daten, die eine monotone Unbedeutendheit unterstreichen.
4 Metamorphose: Dieses Kapitel behandelt das Thema Tod sowie die finale Apotheose durch die Ausstopfung des Papageis, was Félicités Suche nach einer Verbindung zwischen dem Materiellen und Übernatürlichen symbolisiert.
Félicité, Gustave Flaubert, Un cœur simple, Ironie, Kleinbürgertum, Loulou, Frömmigkeit, Heldenhaftigkeit, Moderne, Poetik, Naivität, 19. Jahrhundert, Intertextualität, Symbolismus, Metamorphose.
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Erzählung „Un cœur simple“ von Gustave Flaubert und analysiert die Protagonistin Félicité hinsichtlich ihrer Rolle als Heldin im Kontext der Moderne.
Zentrale Themen sind die Darstellung von Ironie, die Gesellschaftskritik am Kleinbürgertum, die Natur der Frömmigkeit und die Symbolik des Papageis Loulou.
Das Ziel ist zu ergründen, wie Flaubert Félicité als „fromme Heldin der Moderne“ inszeniert und wie er ihre spezifische Art der Heldenhaftigkeit und Frömmigkeit durch seine literarische Technik gestaltet.
Die Arbeit nutzt eine tiefgehende literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zu Flauberts Poetik und Werk.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Félicités Charakter, die Kritik an sozialen Strukturen, die Rolle ihrer Liebesbeziehungen, die Zeitgestaltung in der Erzählung und die Metamorphose im vierten Kapitel.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Félicité, Ironie, Frömmigkeit, Flauberts Poetik, Heldenhaftigkeit und die Figur des Papageis Loulou.
Loulou dient als zentrales Identifikationsobjekt und Bindeglied zwischen Félicités irdischem Leben und ihrem spirituellen Glauben, der weitgehend außerhalb kirchlicher Dogmen existiert.
Die Arbeit zeigt, dass „simple“ nicht bloß als Naivität zu verstehen ist, sondern Félicités Fähigkeit beschreibt, komplexe religiöse und emotionale Konzepte auf eine konkrete, irdische Ebene herunterzubrechen.
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