Diplomarbeit, 2008
91 Seiten
Einleitung
1 Gesellschaftliche Situation und sozialpolitische Rahmenbedingungen
1.1 Armut im reichen Deutschland
1.1.1 Definitionen von Armut
1.1.2 Relative Armut
1.1.3 Armut und gesellschaftliche Auswirkungen
1.2 Situation am Arbeitsmarkt
1.2.1 Arbeitslosigkeit
1.2.2 Prekarisierung
1.3 Umbau des Sozialstaates
1.3.1. Hartz-Gesetze
1.3.2 Auswirkungen von Hartz IV
1.3.3 Armutsfalle und Aktivierung
1.3.4 Kritische Betrachtung von Hartz IV
1.4 Fazit
1.5 Exkurs: Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
2 Das Dilemma der Arbeit
2.1 Definition von Arbeit
2.2 Bedeutung von Arbeit
2.3 Von der Arbeits- zur Tätigkeitsgesellschaft
2.4 Fazit
3 Gesellschaftliche Teilhabe
3.1 Gerechtigkeit
3.2 Würde
3.3 Fazit
4 Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
4.1 Begriffsannäherung
4.1.1 Grundsätzliche Varianten
4.1.2 Aussagen über ein BGE
4.2 Vergleich von Arbeitslosengeld II und BGE
4.3 Finanzierungsfrage
4.4 Erwartungen und Befürchtungen
4.4.1 Arbeitsmarkt
4.4.2 Soziale Identität contra BGE
4.4.3 Leistungsgerechtigkeit
4.4.4 Soziale Hängematte
4.4.5 Bedingungslosigkeit
4.5 Menschenbild und BGE
4.6 Fazit
5 BGE im Kontext der Sozialen Arbeit
5.1 Definition von Sozialarbeit
5.2 Handlungstheorien und BGE
5.2.1 Empowerment
5.2.2 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
5.3 Fazit
6 Soziale Probleme, BGE und Soziale Arbeit
7 Exkurs eigene Praxiserfahrung
8 Schlussbetrachtung und Ausblick
Die Diplomarbeit untersucht, ob das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) eine gerechte und würdige Alternative zur aktuellen sozialpolitischen Praxis in Deutschland darstellt. Dabei wird hinterfragt, wie das BGE zur gesellschaftlichen Teilhabe beitragen kann und welche Auswirkungen es auf das Selbstverständnis sowie die Handlungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit hätte.
1.1.1 Definitionen von Armut
Armut ist ein schwer zu beschreibender Begriff, da er sich immer an von einer bestimmten Gesellschaft festgelegten Werten orientiert. Sie ist eine Situation wirtschaftlichen Mangels, die nach dem Politiklexikon auf der Internetseite der BUNDESZENTRALE für politische Bildung wie folgt definiert wird:
1. „Objektive Armut, d.h. einzelne Personen, Gruppen oder (Teile von) Bevölkerungen sind nicht in der Lage, ihr Existenzminimum aus eigener Kraft zu bestreiten.
2. Subjektive Armut liegt vor, wenn ein Mangel an Mitteln, die der individuellen Bedürfnisbefriedigung dienen, empfunden wird.
3. Absolute Armut bedroht die physische Existenz von Menschen unmittelbar (bspw. durch Verhungern oder Erfrieren) oder mittelbar (bspw. aufgrund mangelnder gesundheitlicher Widerstandskraft).
4. Relative Armut, d.h. das Unterschreiten des soziokulturellen Existenzminimums (oft gleichgesetzt mit der Bedrohung der Menschenwürde).“ (Armut: www.bpb.de. 28.03.2008)
Weitere Definitionen:
Als „absolut arm“ gelten Menschen, deren Mittel für ein physisches Existenzminimum nicht ausreichen (vgl. 2. NARB 2005: 25). „In mehr als 40 Ländern lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Sie wird von der Weltbank derzeit bei einem Jahreseinkommen von 370 US-$ angesetzt.“ (WIRTSCHAFTSLEXIKON 2004 www.bpb.de. 03.03.2008)
Daneben wird noch die „verdeckte Armut“ definiert: Personen mit Anspruch auf staatliche Transferleistungen, die diese aber aus Scham oder Unwissenheit nicht geltend machen (vgl. LAMPERT/ALTHAMMER 2007: 363).
Auf die Definition der relativen Armut gehe ich näher ein, da dieser Begriff für Deutschland eine wichtige Rolle spielt.
1 Gesellschaftliche Situation und sozialpolitische Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel beleuchtet die Zunahme von Armut, die prekäre Situation am Arbeitsmarkt sowie die Auswirkungen der Hartz-Gesetze auf die soziale Sicherheit in Deutschland.
2 Das Dilemma der Arbeit: Es wird die Definition und Bedeutung von Erwerbsarbeit kritisch hinterfragt und die Vision einer Tätigkeitsgesellschaft als alternative Perspektive zur derzeitigen Leistungsgesellschaft diskutiert.
3 Gesellschaftliche Teilhabe: Hier werden die philosophischen und rechtlichen Grundlagen von Gerechtigkeit und Würde analysiert, um die Notwendigkeit sozialer Teilhabe für jeden Menschen zu begründen.
4 Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE): Dieses Kernkapitel erläutert das Konzept des BGE, vergleicht es mit dem ALG II, diskutiert Finanzierungsfragen sowie allgemeine Erwartungen und Befürchtungen.
5 BGE im Kontext der Sozialen Arbeit: Das Kapitel untersucht, wie sich die Einführung eines BGE auf die Definition und das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit auswirken könnte.
6 Soziale Probleme, BGE und Soziale Arbeit: Eine Betrachtung darüber, dass ein BGE zwar eine notwendige Voraussetzung für Inklusion schafft, aber keinesfalls die professionelle Soziale Arbeit als Ansprechpartner bei Lebenskrisen ersetzt.
7 Exkurs eigene Praxiserfahrung: Die theoretischen Erkenntnisse werden anhand von Fallbeispielen aus der Bewährungshilfe und Nachsorgearbeit mit jungen Strafentlassenen konkretisiert.
8 Schlussbetrachtung und Ausblick: Eine abschließende Synthese, die das BGE als diskussionswürdigen Lösungsbeitrag für die Zukunft des Sozialstaates bewertet, ohne es als Allheilmittel zu stilisieren.
Bedingungsloses Grundeinkommen, BGE, Soziale Arbeit, Armut, Hartz IV, Arbeitslosigkeit, Sozialstaat, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Existenzsicherung, Tätigkeitsgesellschaft, Empowerment, soziale Teilhabe, Prekarisierung, Sozialpolitik.
Die Arbeit befasst sich mit der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) als Antwort auf soziale Missstände, zunehmende Armut und die prekäre Arbeitsmarktsituation in Deutschland.
Im Zentrum stehen die Kritik am aktuellen Sozialsystem, die Neubewertung des Arbeitsbegriffs, die Bedeutung von Gerechtigkeit und Würde sowie die Rolle der Sozialen Arbeit im Kontext einer möglichen Einführung eines BGE.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob ein BGE eine Alternative darstellt, die eine gerechtere und würdigere Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft ermöglicht, und wie die Soziale Arbeit darauf reagieren könnte.
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturanalyse sowie eine Verknüpfung dieser theoretischen Erkenntnisse mit eigenen Erfahrungen aus der praktischen Sozialarbeit, etwa aus der Straffälligenhilfe.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der sozialen Lage, eine philosophisch-ethische Auseinandersetzung mit Arbeit und Würde sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem BGE, seinen Modellen, der Finanzierung und den Pro-Argumenten gegenüber kritischen Befürchtungen.
Bedingungsloses Grundeinkommen, Soziale Arbeit, Armut, Hartz IV, soziale Gerechtigkeit und Existenzsicherung sind zentrale Begriffe, die den Inhalt der Arbeit prägen.
Das BGE wird als Alternative zu Hartz IV vorgeschlagen, um den durch Bedürftigkeitsprüfungen und Sanktionen geprägten "Arbeitszwang" zu beenden und Menschen ein Leben in Würde unabhängig von Erwerbsarbeit zu ermöglichen.
Die Soziale Arbeit wird nicht als obsolet angesehen; vielmehr könnte sie durch ein BGE von administrativen Aufgaben zur Existenzsicherung entlastet werden, um sich verstärkt der Beziehungsarbeit und präventiven Unterstützung zu widmen.
Die Autorin erkennt die Finanzierungsfrage als den schwierigsten Teil der Debatte an, verweist jedoch auf die Existenz unterschiedlicher Modelle und betont, dass gesellschaftspolitische Weichenstellungen zunächst Vorrang vor detaillierten Finanzierungsberechnungen haben sollten.
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