Bachelorarbeit, 2021
56 Seiten, Note: 1,0
1. Theoretische und Methodische Einführung
1.1. Einleitung
1.2. Einordnung in das Forschungsgebiet
1.2.1. Postkolonialität - Postkoloniale Studien
1.2.1.1. Gayatri Chakravorty Spivak
1.2.1.2. Homi K. Bhabha
1.2.1.3. Edward Wadie Said
1.2.2. Poststrukturalismus
1.2.3. Literaturwissenschaftliche Betrachtung
1.3. Subjekt, Subjektivität, Subjektivierung
1.4. Methodische Vorgehensweise
2. Vorstellung der Untersuchungsgegenstände
2.1. Christian Kracht
2.1.1. 1979
2.1.2. Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
3. Krachts Verweigerung einer eindeutigen Lesart - Entfaltung von postkolonialen Potenzial zwischen Subjekt, Subjektivität und Subjektivierung
3.1. Kontrafaktische Geschichtsschreibung in Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
3.1.1. Zur Absicht des Vergessens und Verdrängens
3.2. Zur Konstitution des Anderen
3.2.1. Orientalismus in 1979 und Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
3.2.2. Das schwarze Subjekt des Kolonialismus in Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
3.2.2.1. Die Verhaftung rassistischen Wissens an den Körper in 1979
3.3. Intermedialität
3.3.1. Das subalterne Subjekt und die Sprache
3.3.1.2. Sprache und Ideologie
3.3.1.3. Die Wiederkehr des Immergleichen
3.4. Bewegung und Raum
3.4.2. Hybridität in Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten - ständig in Bewegung
3.4.1. Dezentrierung und Überblendung von Räumen
4. Abschließende Worte
4.1. Zusammenfassung
4.2. Ausblick
Diese Bachelorarbeit untersucht das postkoloniale Potenzial in Christian Krachts Romanen 1979 und Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten. Im Zentrum steht die kritische Analyse der Subjektkonstitution, wobei erforscht wird, wie Machtstrukturen, Wissen und Sprache Individuen als Subjekte formen und wie diese koloniale Fremdkategorisierungen hinterfragen oder durchbrechen können.
3.2.2.1. Die Verhaftung rassistischen Wissens an den Körper in 1979
Epistemische Gewalt umfasst die Inkorporierung rassistischen Wissens und der eingeschriebenen Kategorisierungen, wie zum Beispiel ‘race’. Der Leib als Austragungsort (vgl. Brunner 2020: 278) und Projektionsfläche eurozentrischer Epistemologien und Hierarchisierungen, welche durch die leiblichen Erfahrungen des Protagonisten in 1979 in Verbindung mit den Geschehnissen seiner Umwelt ersichtlich werden.
Der Protagonist stellt sein Wohlbefinden und seinen sozialen Status in Abhängigkeit zu Reinheit und Ästhetik.
“Zum ersten Mal, seitdem wir in Persien waren, hatte ich das Gefühl des Ankommens und der Reinheit [...]”.
Die unbewusste Binarität von rein/unrein ist Wissen, welches in den Körper eingeschrieben ist. Kracht dreht die stereotype Vorstellung von Europa/rein und Andere/unrein jedoch um, indem das Haus in der Fremde als rein und die Kindheitserinnerung in Europa als unrein vom Protagonisten empfunden wird. Stattdessen findet sich die stereotype Vorstellung des Orientalen in seinem Freund Christopher wieder.
Durch den Drogenrausch dem Exzess verfallen und sich seiner Nicht- Europäischen Umgebung annähernd (vgl. Peters 2020 : 368) wird er vom Protagonisten immer öfter mit Ekel verbunden. Nachdem Christopher aufgrund des Drogenexzesses gestorben ist, fühlt sich der Protagonist stattdessen gereinigt und körperlich attraktiver als zuvor.
“Im Grunde dachte ich, während ich mich im Spiegel ansah, machte es mich viel jünger, als vorher, mein Gesicht, so schien es mir, hatte plötzlich etwas vollkommen Zeit- und Altersloses bekommen, etwas der Zeit Entrücktes, Es sah fast richtig gut aus, neu, dachte ich.” (Kracht 2001: 93)
Die Symbolik der inkorporierten Reinheit des Protagonisten, kann stellvertretend für die Inkorporierung von rassistischen Schemata, wie beispielsweise der Kategorisierung nach ‘race’ gelesen werden. So werde das weiße europäische Subjekt aufgrund seiner Hautfarbe mit Reinheit und Schönheit assoziiert. Weltwahrnehmungen über Europa wie solche, sind in den Leib inkorporiert, Wissen welches tief verankert ist und nicht
1. Theoretische und Methodische Einführung: Dieses Kapitel verortet die Arbeit in den Postkolonialen Studien, führt zentrale theoretische Konzepte (Spivak, Bhabha, Said, Poststrukturalismus) ein und erläutert die hermeneutische Methodik.
2. Vorstellung der Untersuchungsgegenstände: Hier werden die Romane 1979 und Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten sowie der Autor Christian Kracht kurz porträtiert und in den Kontext postkolonialer Fragestellungen gestellt.
3. Krachts Verweigerung einer eindeutigen Lesart - Entfaltung von postkolonialen Potenzial zwischen Subjekt, Subjektivität und Subjektivierung: Dies ist der Hauptteil, der mittels kontrafaktischer Geschichtsschreibung, Orientalismuskritik, Intermedialität sowie Raum- und Bewegungsanalysen Krachts Strategien zur Dekonstruktion hegemonialer Machtverhältnisse untersucht.
4. Abschließende Worte: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, dass Kracht keine einfachen Lösungen anbietet, sondern durch die Störung gängiger Denkmuster zur kritischen Selbstreflexion einlädt.
Postkolonialismus, Subjektivierung, Christian Kracht, 1979, Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, Identität, Hybridität, Orientalismus, Epistemische Gewalt, Machtstrukturen, Dekonstruktion, Raum, Intermedialität, Sprache, Widerstand
Die Arbeit untersucht, wie Christian Kracht in seinen Romanen 1979 und Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten postkoloniale Machtverhältnisse thematisiert und das Subjektverständnis dekonstruiert.
Die Schwerpunkte liegen auf der Konstitution des Subjekts, der Analyse von Subjektivierungsprozessen, der Kritik an eurozentrischen Denkmustern sowie der Rolle von Sprache, Erinnerung und Raum in postkolonialen Kontexten.
Das Ziel ist es, das postkoloniale Potenzial der untersuchten Romane aufzudecken, um zu verstehen, wie sie kritisch die Konstitution von Fremdkategorisierungen hinterfragen und koloniale Machtstrukturen spiegeln.
Die Arbeit folgt einer hermeneutischen Methode, die auf dem Vorbild des hermeneutischen Zirkels basiert und durch die Einbeziehung postkolonialer Theorien und poststrukturalistischer Ansätze erweitert wird.
Der Hauptteil analysiert, wie Kracht Binaritäten wie Orient/Okzident oder Schwarz/Weiß ironisch bricht, wie er Konzepte wie Hybridität und Mimikry anwendet und wie Sprache und Raum zur Formung von Subjekten sowie zur Ausübung epistemischer Gewalt eingesetzt werden.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Postkolonialismus, Subjektivierung, Identitätskonstruktion, Hybridität, Orientalismuskritik, epistemische Gewalt und Dekonstruktion.
Die Autorin betrachtet es als notwendig, rassistische Äußerungen in die Analyse aufzunehmen, um deren Konstruktionscharakter und die Funktionsweise hegemonialer Machtstrukturen sichtbar zu machen; dabei werden diese Passagen zur Hervorhebung kursiv markiert.
Die Schrift wird als koloniales Medium untersucht, das Machtverhältnisse zementiert; gleichzeitig wird die Möglichkeit des Schreibens als ein potenzieller, wenn auch prekärer Moment des Widerstands und der Selbstreflexion für die Protagonisten verhandelt.
Das leere Zentrum verdeutlicht das Scheitern der Protagonisten an der Suche nach einer authentischen Subjektivität, da ihre Identität innerhalb eines totalitären Systems fremdbestimmt und ideologisch geformt ist.
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