Examensarbeit, 2007
92 Seiten, Note: 1,00
1 Einleitung
1.1 Fragestellung und Methodik
1.2 Identität – interkulturelle Identität
1.3 Immigration
1.4 Sozio-kulturelle Hintergründe der postkolonialen maghrebinischen Literatur französischer Sprache
1.4.1 Unterschiede zwischen französischer und arabischer Kultur
1.4.2 Ursachen und Auswirkungen der Immigration auf die Gesellschaft
1.4.3 Immigration in der postkolonialen maghrebinischen Literatur
2 Interkulturelle Identitäten im Werk von Tahar Ben Jelloun
2.1 Tahar Ben Jelloun : Schreiben aus dualer Perspektive zwischen Marokko und Paris
2.2 Generationenkonflikte und multiperspektivische Blicke auf zwei Heimaten in Les yeux baissés (1991)
2.2.1 Der Titel – die Metaphorik des gesenkten Blicks
2.2.2 Kniza – zwischen Traum und Realität, Vergangenheit und Zukunft
2.2.3 Die Eltern – Die Immigrantengeneration der 60er und 70er Jahre
2.2.4 Der Baum als Metapher für die Wurzeln des eigenen Ichs
2.2.5 Zusammenfassung
2.3 Aufstrebende Karrierefrauen und männliche Verlierer zwischen den Kulturen in Les raisins de la galère (1996)
2.3.1 Nadia – eine beurette im Kampf um Gleichberechtigung
2.3.2 Arabische Männer: Aggressive Machos und lethargische Versager?
2.3.3 Das Motiv des Hauses: Zuflucht, Heimat und Brücke
2.3.4 Zusammenfassung
2.4 Jugendliche Schicksale der 90er und hybride Geschlechterrollen in Partir (2006)
2.4.1 Der Titel und die Paratexte
2.4.2 Korruption, Gewalt, verleugnete Sexualität: Azel im „entre-deux“ zwischen Arm und Reich
2.4.3 Emanzipierte Frauen als Wegweiser für eine gelungene Emigration?
2.4.4 Islamistischer Fundamentalismus als Ausweg?
2.4.5 Zusammenfassung
3 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung interkultureller Identitäten im Kontext der Immigration in drei späten Werken des marokkanisch-französischen Autors Tahar Ben Jelloun. Ziel ist es, die Identitätsfindung der Protagonisten zwischen den Kulturen zu analysieren und aufzuzeigen, welche Rolle die Immigration in diesem Prozess spielt.
2.2.1 Der Titel – die Metaphorik des gesenkten Blicks
Der Titel des Romans reflektiert das traditionelle Verhalten der Frau in der marokkanischen Kultur und im gesamten arabisch-islamisch geprägten Raum. Das Motiv des gesenkten Blicks stammt ursprünglich aus dem Koran und ist ein Zeichen des Respekts vor den Eltern.
Gleichzeitig ist der gesenkte Blick aber auch ein Zeichen für Unterwerfung und äußert das Zulassen der Machtausübung des Gegenübers. Die Protagonistin des Romans durchlebt im Laufe der Handlung eine kulturelle und charakterliche Veränderung, während der sie lernt, den Blick nicht vor allen und allem zu senken. Sie lernt, sowohl anderen Menschen als auch dem Leben ins Gesicht zu sehen und die Stirn zu bieten.
Doch nicht nur der gesenkte Blick, sondern auch Blicke und Augen allgemein spielen in Les yeux baissés eine tragende Rolle. Zusätzlich wird durch den Blick auf die unterschiedlichen Kulturen und die erzählerischen Perspektivwechsel der Titel des Romans wieder aufgegriffen. Fast alle Figurenbeschreibungen, die durch die Linse der Protagonistin erfolgen, beginnen mit der Beschreibung der Augen. Sie konstatiert „Tout est dans les yeux. Quand ils sont baignés d’une eau jaune, c’est qu’ils sont contaminés par la laideur de l’âme.“ (S. 14). Die Darstellung der Charaktere über die Beschreibung der Augen und des Blicks setzt sich konsequent in der gesamten Handlung fort, es entscheidet sich schon „auf den ersten Blick“, ob eine Figur der Protagonistin gut oder schlecht erscheint.
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, der Fragestellung und der methodischen Herangehensweise an die Analyse der Werke von Tahar Ben Jelloun.
2 Interkulturelle Identitäten im Werk von Tahar Ben Jelloun: Detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse von drei Romanen Ben Jellouns mit Fokus auf Generationenkonflikte, Migration und Identitätssuche.
3 Fazit: Synthese der Ergebnisse, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Identitätsgestaltung der Protagonisten aufzeigt und den Schreibstil Ben Jellouns würdigt.
Tahar Ben Jelloun, interkulturelle Identität, Immigration, Maghreb, Identitätsfindung, Generationenkonflikt, Beurs, Literaturwissenschaft, postkoloniale Literatur, Migration, Assimilation, Identitätskonflikt, Exilliteratur, Kulturkontakt, Interkulturalität.
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung interkultureller Identitäten in Werken des Autors Tahar Ben Jelloun im Kontext der Migration aus den Maghrebstaaten nach Europa.
Die zentralen Themen sind Generationenkonflikte, die Suche nach Identität zwischen den Kulturen, der Einfluss von Migration auf Lebensentwürfe sowie die Rolle von Tradition und Moderne.
Das Ziel ist die Untersuchung der Identitätsfindung von Protagonisten in Ben Jellouns Romanen und die Analyse der Rolle, die Immigration für diese Prozesse spielt.
Die Arbeit nutzt eine exemplarische, chronologisch aufgebaute Analyse der ausgewählten Romane unter Einbeziehung soziokultureller und literaturwissenschaftlicher Hintergründe.
Der Hauptteil analysiert die Romane "Les yeux baissés", "Les raisins de la galère" und "Partir" in Bezug auf ihre spezifischen Identitätskonflikte und erzählerischen Mittel.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identität, Immigration, Interkulturalität, Migration und den Namen des Autors Tahar Ben Jelloun charakterisiert.
Der "gesenkte Blick" steht für kulturelle Unterwerfung und Respekt, während das Erlernen, den Blick zu heben, den Emanzipationsprozess und die Identitätsfindung der Protagonistin symbolisiert.
Der Baum dient als Metapher für die Verwurzelung; die Wurzeln stehen für den marokkanischen Ursprung, während die Zweige die Entwicklung und die Zukunft im europäischen Kontext symbolisieren.
Die Mütter werden oft als Symbole für das Festhalten an traditionellen Werten und der Rückkehr in die (innere) Isolation gezeichnet, was einen Kontrast zur mobileren und emanzipierten jüngeren Generation bildet.
Während die anderen Romane eher die Integration im Gastland thematisieren, richtet "Partir" den Fokus auf die Fluchtgründe im Heimatland und zeichnet ein deutlich düstereres Bild des gescheiterten Lebensentwurfs durch illegale Migration.
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