Bachelorarbeit, 2020
147 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung: Kiezdeutsch, Türkenslang oder Kanak Sprak?
2.1 Kiezdeutsch als Multiethnolekt des Deutschen
2.2 Phänomene des Kiezdeutschen
2.2.1 Fremdwörter als Teil des Kiezdeutschen
2.2.2 Reduktion von Präpositionen und Artikeln
2.2.3 Neue Aufforderungswörter und neue Verwendungen der Partikeln
3. Was sind Partikeln?
4. So und seine Verwendungen
4.1 So als Intensitätspartikel
4.1.1 So als Vergleichsauslöser
4.2 So in Verbindung mit Konjunktionen
4.3 So als Heckenausdruck
4.3.1 Unschärfesignale: Und so/oder so
4.4 So als Quotativmarker
4.5 So als Fokuspartikel
4.6 So als Interjektion
5. Methodik
5.1 Datenbeschreibung: Das KiezDeutsch-Korpus
5.1.1 Abkürzungen im KiezDeutsch-Korpus
5.2 Vorgehen
5.3 Klassifizierung von so in Kategorien
6. Ergebnisse
6.1 Verwendungen von so im KiezDeutsch-Korpus
6.2 Positionierungen im Fokuspartikelgebrauch
7. Diskussion
8. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Verwendung und Positionierung der Partikel „so“ im Kiezdeutschen. Ziel der Arbeit ist es, auf Basis einer Korpusuntersuchung aufzuzeigen, wie diese Partikel im jugendsprachlichen Kontext verwendet wird, um grammatikalische Besonderheiten und pragmatische Funktionen jenseits der Standardsprache zu identifizieren.
4.5 So als Fokuspartikel
Besonders im Kiezdeutschen taucht so an Positionen auf, die für das Standarddeutsche eher untypisch sind. Nach Wiese bekommt so im Kiezdeutschen eine ganz neue Aufgabe, die bisher weniger verbreitet ist (vgl. Wiese 2012: 92).
(26) Und da in der Zeit war ich nicht oft so in der Bücherei (3741, SPK45).
(27) Und dann so der wahre Alltag (3788, MuH1WD).
(28) Aber es kommt einem voll komisch rüber so (4204, SPK8).
(29) Aber ist voll komisch so, so alle zum gleichen Zeitpunkt (4257. MuH1WD).
So ist in diesen Beispielen an kein Wort oder keine Phrase geknüpft. Als Intensitätspartikel steht so bspw. immer mit einem Adjektiv oder Adverb zusammen, welches es verstärken soll. Als Quotativ-Marker steht so gemeinsam mit der Phrase, die die Wiedergabe eines Gesprächs einleitet. In den Beispielen (26) bis (29) lässt sich solch eine Eindeutigkeit in der Positionierung zunächst nicht feststellen. Es wirkt so, als sei so irgendwo in den Satz willkürlich eingeordnet. Bei dieser Verwendung von so bleibt die Partikel bedeutungsleer und hat demnach zunächst keine Funktion. Der Satz würde auch ohne so vollkommen verständlich sein und seinen Inhalt nicht verändern. So bekommt eine ganz neue Funktion für die Organisation eines Satzes und „steht jeweils vor dem Teil des Satzes, der die wichtige, besonders hervorzuhebende Information liefert“ (Wiese 2012: 93).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Kiezdeutsch ein, hinterfragt die Kritik an dieser Sprachvarietät und stellt das Forschungsinteresse an der Partikel „so“ dar.
2. Begriffsbestimmung: Kiezdeutsch, Türkenslang oder Kanak Sprak?: In diesem Kapitel wird der Begriff Kiezdeutsch als Multiethnolekt definiert und von negativ konnotierten Bezeichnungen wie Kanak Sprak abgegrenzt.
3. Was sind Partikeln?: Dieses Kapitel bietet eine kurze linguistische Definition von Partikeln und deren Funktionen in der gesprochenen Sprache.
4. So und seine Verwendungen: Hier werden die verschiedenen Funktionen von „so“ systematisiert, von der Intensitätspartikel bis hin zur Verwendung als Quotativmarker.
5. Methodik: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl und Nutzung des KiezDeutsch-Korpus als Datenbasis sowie das methodische Vorgehen bei der Analyse und Klassifizierung.
6. Ergebnisse: In diesem Teil werden die quantitativen Auswertungen der Korpusuntersuchung zur Häufigkeit und Positionierung von „so“ vorgestellt.
7. Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungsstandes und diskutiert die Bedeutung von „so“ im Kiezdeutschen.
8. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Dynamik der deutschen Sprache.
Kiezdeutsch, Multiethnolekt, Partikel, So, Fokuspartikel, Heckenausdruck, Korpuslinguistik, Jugendsprache, Quotativmarker, Sprachvariation, Spontansprache, Grammatikalisierung.
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit den vielfältigen Verwendungen und Positionierungen der Partikel „so“ innerhalb des Multiethnolekts Kiezdeutsch.
Die Arbeit untersucht Funktionen von „so“ als Intensitätspartikel, Vergleichsauslöser, Heckenausdruck, Quotativmarker sowie insbesondere als Fokuspartikel.
Das Ziel ist es, auf Basis des KiezDeutsch-Korpus zu zeigen, dass der Gebrauch von „so“ im Kiezdeutschen keinen willkürlichen Sprachverfall darstellt, sondern einem eigenen, systematischen Regelwerk folgt.
Es wurde eine quantitative Korpusuntersuchung durchgeführt, bei der 1000 Treffer aus dem KiezDeutsch-Korpus manuell klassifiziert und analysiert wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Kategorisierung der „so“-Verwendungen und einen empirischen Teil, der die Ergebnisse der Korpusanalyse darlegt.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Kiezdeutsch, Multiethnolekt, Fokuspartikel, Heckenausdruck und Korpuslinguistik geprägt.
Sie ist deshalb interessant, weil sie in traditionellen Grammatiken kaum aufgeführt wird und eine spezifische pragmatische Funktion zur Markierung des Satzfokus übernimmt.
Die Arbeit zeigt, dass die Stellung von „so“ (Prä-, Post- oder Zirkumstellung) entscheidend dazu beiträgt, welche Information im Satz hervorgehoben wird, wobei der Prästellung ein besonderer Prestigecharakter zukommt.
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