Examensarbeit, 2007
99 Seiten, Note: 3
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Einleitung
2. Definitionen von Linguistik und ihren Teilbereichen
2.1 Eine allgemeine Definition der Linguistik
2.2 Psycholinguistik
2.3 Soziolinguistik und Pragmatik
3. Grammatikvermittlung in der Fremdsprachendidaktik – ein historischer Abriss
3.1 Begriffserläuterungen
3.1.1 Definition Fremdsprachendidaktik
3.1.2 Definition Grammatikunterricht
3.2 Grammatik-Übersetzungsmethode
3.3 Die direkten Methoden
3.4 Die audiolinguale und audiovisuelle Methode des Behaviorismus
3.5 Die Kontrastiv-Hypothese
3.6 Pragmatischer Ansatz und Varietätenlinguistik
3.7 Die „kognitive Wende“
3.8 Resümee
4. Instruktion versus natürliches Lernen
4.1 Grammatische Lernziele
4.1.1 Grammatische Regeln
4.1.1.1 „Einfache“ und „schwierige“ Regeln
4.1.1.2 Die Kriterien der Häufigkeit, Zuverlässigkeit und Reichweite
4.1.1.3 Das Kriterium der Markiertheit
4.2 Induktive vs. deduktive Grammatikvermittlung
4.3 Wie wird Sprache erworben?
4.3.1 Lernen und Erwerb
4.3.1.1 „Consciousness“
4.3.1.2 Wissen vs. Können
4.3.1.2.1 Implizites und Explizites Wissen, Lernen und Lehren
4.3.1.2.2 Deklaratives und Prozedurales Wissen
4.3.1.3 Entwicklungssequenzen
4.3.1.3.1 Die „teachability hypothesis“
4.3.1.3.2 Die „processability theory“
4.3.2 Implikationen der „fuzzyness“ von Sprache für den Fremdsprachenunterricht nach Timm
4.3.3 Universalgrammatik und Spracherwerb
4.3.3.1 Universalgrammatik und Fremdsprachendidaktik
4.4 Grammatikvermittlung und Alternative Methoden
4.5 Die Folgen von Instruktion auf den Spracherwerb – Schlussbetrachtungen
5. Lehr- und Lernwerke
5.1 Linguistische und didaktische Grammatiken
5.2 Die Darstellung von Grammatik in Fremdsprachenlehrbüchern
6. Schlussbetrachtungen
Ziel der Arbeit ist die Untersuchung verschiedener fremdsprachendidaktischer, sprachwissenschaftlicher und spracherwerbstheoretischer Ansätze zur Grammatikvermittlung, um zu klären, inwiefern Grammatik im Fremdsprachenunterricht eine Rolle spielt und wie die Linguistik diesen Unterricht beeinflusst.
3.4 Die audiolinguale und audiovisuelle Methode des Behaviorismus
Bereits in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts und später, in seiner „Blütezeit“ in den fünfziger Jahren stützte sich die Fremdsprachendidaktik mit einigen Anätzen auf die Lerntheorie des Behaviorismus, die auf die behavioristische Psychologie zurückzuführen ist6. Diese lehnte es strikt ab, sich auf wissenschaftliche Intuitionen zu verlassen und bezog sich vor allem auf beobachtbares Verhalten. Das an verschiedenen Tieren erprobte Verfahren der Konditionierung bot die Grundlage für den Fremdsprachenunterricht dieser Zeit. Im Sinne des Stimulus-Response Modells sollten Stimuli zu Antworten führen, die dann bekräftigt wurden. Grammatik wurde ganz im Sinne der Konditionierung durch ein regelmäßiges „Einschleifen“ (Zimmermann 1977, S. 16) gelernt. Dieses Verfahren wurde pattern drill genannt (vgl. Zimmermann 1977 S. 14ff.).
Bei der audiovisuellen und audiolingualen Methode spielte Grammatik keine gewichtige Rolle. Die Annahme des Behaviorismus, dass Lernen nur durch wiederholte Konfrontation mit Lernmaterial erfolge, resultierte im Vermeiden eines expliziten Umgangs mit der Struktur von Sprache (vgl. Sopata 2004, 177). Stattdessen wurde versucht, das natürliche Sprachlernen (erst hören, dann sehen, dann lesen und dann schreiben) durch den pattern-drill im Sprachlabor zu imitieren (vgl. Klauer 1988, S. 27). Das Material wurde auch weiterhin von den Lehrpersonen und in den Lehrbüchern vorstrukturiert und aufbereitet (vgl. Gnutzmann/Königs 1995, 12f.), jedoch erfolgte die Erarbeitung von Grammatik ausschließlich auf induktiver Basis (vgl. Sopata 2004, 177). Beide Methoden, die in den Vereinigten Staaten einige Jahre praktiziert wurden, kamen in der Bundesrepublik nur verzögert an. Stattdessen vermittelten die Lehrenden in der Deutschland weiterhin klassische Grammatikregeln; der wesentlichste Einfluss des audiolingualen Ansatzes war die Einführung von Sprachlaboren in Schulen. Beide Methoden – insofern sie überhaupt angenommen wurden – erfuhren lediglich eine Integration in den traditionellen Unterricht (vgl. Zimmermann 1977, S. 17).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Paradigmenwechsel der Fremdsprachendidaktik und definiert das Ziel, die Rolle der Grammatikvermittlung durch sprachwissenschaftliche Ansätze zu hinterfragen.
2. Definitionen von Linguistik und ihren Teilbereichen: Dieses Kapitel liefert eine Differenzierung der Linguistik sowie der für den Unterricht relevanten Teilgebiete Psycholinguistik, Soziolinguistik und Pragmatik.
3. Grammatikvermittlung in der Fremdsprachendidaktik – ein historischer Abriss: Der historische Abriss untersucht die Entwicklung von traditionellen Methoden bis zur kognitiven Wende und verdeutlicht die Uneinigkeit über die Art der Vermittlung.
4. Instruktion versus natürliches Lernen: Hier wird der Kernkonflikt zwischen instruktionsgestützter Grammatikvermittlung und natürlichem Spracherwerb theoretisch und empirisch erörtert.
5. Lehr- und Lernwerke: Dieses Kapitel widmet sich der konkreten Umsetzung von Grammatik in Unterrichtsmaterialien und diskutiert den Beitrag linguistischer Erkenntnisse für moderne Lehrwerke.
6. Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtung fasst die Erkenntnisse zusammen und plädiert für einen ausgewogenen, theoretisch fundierten Grammatikunterricht, der die Bedürfnisse der Lernenden berücksichtigt.
Grammatikvermittlung, Fremdsprachendidaktik, Linguistik, Spracherwerb, Instruktion, natürliches Lernen, Psycholinguistik, Grammatikunterricht, Universalgrammatik, Lernziele, Lehrwerke, Prozessorientierung, kognitive Wende, communicative competence, Sprachbewusstheit.
Die wissenschaftliche Hausarbeit untersucht die Rolle und Notwendigkeit der Grammatikvermittlung im Fremdsprachenunterricht im Kontext linguistischer und didaktischer Ansätze.
Zu den Schwerpunkten gehören der Vergleich zwischen instruktivem und natürlichem Lernen, die historische Entwicklung der Methodik sowie die kritische Analyse von Lehrwerken.
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob Grammatikvermittlung in zeitgemäßem Unterricht eine Rolle spielt und wie die Linguistik sowie ihre Teildisziplinen diesen Unterricht beeinflussen können.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse bestehender fachdidaktischer Literatur, empirischer Studien zum Zweitspracherwerb und der Auswertung von Lehrplänen basiert.
Der Hauptteil befasst sich mit der Abwägung von Instruktion gegenüber natürlichem Lernen, der Anwendbarkeit von Sprachlernhypothesen und der Rolle von Grammatiken in der Unterrichtspraxis.
Grammatikvermittlung, Fremdsprachendidaktik, Linguistik, Spracherwerb, Instruktion, natürliches Lernen und Prozessorientierung.
Die Autorin stellt fest, dass moderne Lehrwerke zwar inhaltlich interessanter geworden sind, aber oft eine "saloppe" Grammatikvermittlung durch Imitation anstelle von tieferer Analyse betreiben.
Das Konzept der "fuzzyness" (Unschärfe) besagt, dass Sprache keine diskreten, sondern unscharfe Einheiten bildet, weshalb absolute "Richtig-Falsch"-Regeln der sprachlichen Realität oft nicht gerecht werden.
Die Autorin sieht das Problem in der fragmentierten Präsentation als abstrakte "Häppchen", die den Gesamtzusammenhang der Sprache für den Lernenden verbergen.
Es wird eine didaktisch gefilterte Einbindung linguistischer Modelle gefordert, die Sprachstrukturen in einen authentischen Rahmen einbettet und das selbstständige Erarbeiten der Lerner fördert.
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