Diplomarbeit, 2008
96 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1. Begriffliche Grundlagen
2. Historischer Rückblick über die Entstehung von Kinderkrippen in Deutschland
2.1. Entstehung der Krippe im 19. Jahrhundert
2.2. Die Krippe Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Teilung Deutschlands
2.3. Die unterschiedliche Entwicklung der Krippen im geteilten Deutschland
2.3.1. Krippen in der ehemaligen DDR
2.3.2. Krippen in der alten BRD
2.4. Die Krippe im vereinten Deutschland
3. Bestandsaufnahme der institutionellen Kleinkindbetreuung
3.1. Im Spiegel der amtlichen Statistik
3.2. Träger von Kindertageseinrichtungen
3.3. Ausgaben und Einnahmen der öffentlichen Jugendhilfe für Kindertageseinrichtungen
4. Finanzierung der institutionellen Kinderbetreuung
4.1. Das Finanzierungsmodell in NRW
4.2. Das Finanzierungsmodell in Berlin
4.3. Differenzierte Bewertung der Finanzierungsmodelle
5. Diskussion um die Notwendigkeit und Rentabilität
5.1. Vereinbarkeit von Beruf und Familie
5.1.1. Die Auswirkungen von Kindertagesbetreuung auf die beruflichen Chancen der Frau
5.1.2. Die Zunahme der Frauen-/ Müttererwerbstätigkeit
5.1.3. Betrachtung der Kinderbetreuung, Müttererwerbstätigkeit und Fertilität aktuell
5.1.4. Befunde zum Zusammenhang von Fertilität, Müttererwerbstätigkeit und Kinderbetreuung
5.1.5. Überlegungen zur Neustrukturierung der Kinderbetreuung
5.2. Frühkindlicher Entwicklungsprozess in Krippen
5.2.1. Beurteilung des Entwicklungsprozesses
5.3. Gefahren einer institutionellen Kleinkindbetreuung
5.3.1. Der Muttermythos
5.3.2. Situation von Kindern heute
5.3.3. Befunde der Krippenforschung
5.3.4. Zusammenführung der Ergebnisse
5.4. Institution Familie
5.4.1. Situation der Familie
5.4.2. Familie im sozialen Wandel
6. Finanzierbarkeit als Umsetzungsproblem
6.1. Überblick über die finanzielle Ausgangslage
6.2. Kosten-Nutzen-Analyse
6.3. Finanzierungsplan der Regierung
6.4. Einführung einer Familienkasse als Lösungsansatz
7. Fazit
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Rentabilität der institutionellen Kleinkindbetreuung (0-3 Jahre) in Deutschland vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und der Erwerbsbeteiligung von Frauen. Ziel ist es, den Nutzen und die Kosten der Kinderbetreuung gegenüberzustellen und Finanzierungsmodelle im Hinblick auf ihre Wirksamkeit zu analysieren.
2.1. Entstehung der Krippe im 19. Jahrhundert
Die Krippe ist nicht nur zu unserer Zeit eine umstrittene Einrichtung, sondern ist es schon seit ihrem Bestehen. Verschiedene Arten der Kinderbetreuung gibt es bereits seit Jahrhunderten. Als Kinderkrippen bezeichneten Einrichtungen, früher z.B. auch Bewahranstalten für Kinder genannt, gibt es allerdings erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit herrschte im deutschen Reich Massenarmut, so dass die Frauen immer häufiger gezwungen waren einer außerhäuslichen Erwerbsarbeit nachzugehen, um das Einkommen der Familien notdürftig zu sichern.
Die erste Kinderkrippe entstand durch die Initiative von Firmin Marbeau (franz. Philanthrop) 1844 in der Hauptstadt Frankreichs. 1849 zog das deutsche Reich nach und gründete in Wien die erste Krippe, den Anstoß dazu gab der Arzt Dr. Carl Helm. Die Verbreitung der neuen Betreuungsmöglichkeit erfolgte sehr zügig, dennoch erreichte die damalige Krippe nicht annährend das Ausmaß einer flächendeckenden Versorgung. Oft scheiterte der Ausbau an der finanziellen Grundlage, sowie den ständigen Konfrontationen mit den Widersachern von Krippen. Die Krippenveranstalter konnten außer den prophylaktischen Kinderschutz und die pflegerischen Aspekten keine weiteren Effekte von Krippenbetreuung (wie bspw. elementarpädagogische Bedeutung) herausstellen, die politisches Interesse hätten wecken können.
Gängige Argumente für eine Schließung von bestehenden Einrichtungen waren bzw. sind es zum Teil heute noch, dass: 1) die Familie für die Primärsozialisation des Kindes verantwortlich sei, 2) die Mutter-Kind-Beziehung darunter leiden würde und 3) die arme Bevölkerung dazu verleitet werden würde, mehr Kinder in die Welt zu setzen. Letzteres geht auf die folgende Theorie von Thomas Robert Malthus (1766-1834) zurück. Aufgrund des Bevölkerungswachstums sei es gefährlich, zu viel Fürsorge für die armen Bevölkerungsschichten aufzuwenden, da diese zu „Vielkinderei“ ermuntere und dies zu einer Verstärkung der Armut führen würde. Zu seiner Zeit wurde der Bevölkerungsanstieg für die Massenarmut verantwortlich gemacht.
1. Begriffliche Grundlagen: Klärung der Fachtermini, um Missverständnisse im Hinblick auf institutionelle Kinderbetreuung, Kindertagespflege und verschiedene Betreuungsformen zu vermeiden.
2. Historischer Rückblick über die Entstehung von Kinderkrippen in Deutschland: Darstellung der Entwicklung von der „Kleinkindbewahranstalt“ im 19. Jahrhundert über die ideologischen Unterschiede zwischen DDR und BRD bis hin zur Situation im vereinten Deutschland.
3. Bestandsaufnahme der institutionellen Kleinkindbetreuung: Analyse der aktuellen Versorgungsquoten, Trägerstrukturen sowie der Einnahmen und Ausgaben der öffentlichen Jugendhilfe anhand vorliegender Statistiken.
4. Finanzierung der institutionellen Kinderbetreuung: Vorstellung und Vergleich zweier Finanzierungssysteme (NRW mit Gruppenpauschalen und Berlin mit Gutscheinsystem) unter Anwendung der Bewertungskriterien des Deutschen Jugendinstituts.
5. Diskussion um die Notwendigkeit und Rentabilität: Auseinandersetzung mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, kindlicher Entwicklung und gesundheitlichen Aspekten der institutionellen Fremdbetreuung.
6. Finanzierbarkeit als Umsetzungsproblem: Diskussion der Kosten-Nutzen-Relationen sowie der politischen Pläne zur nachhaltigen Finanzierung des Betreuungsausbaus durch Instrumente wie die Familienkasse.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, die den Ausbau der Kleinkindbetreuung als lohnenswerte Investition in Humankapital und notwendigen Schritt für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie darstellt.
Kleinkindbetreuung, Kinderkrippe, Finanzierung, Familienpolitik, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Rentabilität, Kindertageseinrichtung, Erwerbstätigkeit, Demographischer Wandel, Kosten-Nutzen-Analyse, Krippenpädagogik, Familienkasse, Bildung, Sozialisation, Betreuungsqualität
Die Publikation befasst sich mit der Rentabilität und Notwendigkeit der institutionellen Betreuung von Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren in Deutschland.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung von Krippen, die aktuelle statistische Bestandsaufnahme, die Finanzierungssysteme sowie die gesellschaftliche Diskussion über Vereinbarkeit, kindliche Entwicklung und demographische Notwendigkeiten.
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob der Ausbau der Kleinkindbetreuung eine ökonomisch sinnvolle Investition darstellt, die gleichzeitig soziale und bildungspolitische Ziele unterstützt.
Die Arbeit basiert auf der Analyse von Sekundärdaten, Statistiken, offiziellen Berichten, Studien zur Krippenforschung sowie der vergleichenden Bewertung unterschiedlicher Finanzierungsmodelle.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine aktuelle Bestandsaufnahme, einen detaillierten Vergleich der Finanzierungsmodelle von Nordrhein-Westfalen und Berlin sowie eine Diskussion zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Kleinkindbetreuung, Finanzierung, Familienpolitik, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Rentabilität.
In NRW erfolgt die Finanzierung primär über Gruppenpauschalen, während Berlin ein nachfrageorientiertes Gutscheinsystem (Pro-Kind-Pauschale) nutzt, das einen stärkeren Wettbewerb zwischen den Einrichtungen fördert.
Die Familienkasse soll als zentrale Institution fungieren, die alle Transferleistungen für Familien bündelt, um Transparenz zu schaffen, Bürokratie abzubauen und das familienpolitische Engagement nachhaltig zu sichern.
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