Diplomarbeit, 2003
98 Seiten, Note: Sehr gut
Einleitung
1. Schriftlichkeit der Bildung
1.1 Zum Verhältnis von Schrift, Bildung und Selbst
1.2 Medialität von Bildung
2. Schrift in literalen Kulturen
2.1 Kennzeichen und Funktionen der Schrift
2.2 Schriftlichkeit und Bewusstsein
2.2.2 Metaphern als Verbindung
2.3 Platons Kritik an der Schrift
2.4 Die Bedeutung der Literalität für das Lernen
2.5 Schreiben als Technologie
2.6. Medien und Schriftkultur
2.6.1 Computer und Literalität
2.6.2 Medienkomplementarität
3. Die Geschichte des Buches
3.1 Vorläufer des gedruckten Buches
3.2 Die Kunst des Lesens
3.2.1 Monastisches und scholastisches Lesen
3.2.2 Das Buch als Textträger
3.3 Gutenberg und der Buchdruck
3.4 Schriftkulturelle Rahmenbedingungen von Bildung
3.4.1 Die „Leserevolution“
4. Kennzeichen und Funktionen des Buches
4.1 Das Buch als Kulturgut
4.2 Die Auswirkungen des Buchdrucks
4.2.1 Einfluss auf Humanismus und Renaissance
4.2.2 Einfluss auf öffentliche Meinung und Informationsbedürfnis
4.3 Das langsame Medium Buch
4.4 Die Faszination des Buches
5. Die Zukunft des Buches
5.1 Neue Textträger
5.1.1 CD-Rom und DVD
5.1.2 Hörbuch
5.1.3 e-Book
5.1.4 e-Paper
5.1.5 Print on Demand
5.1.6 Internet
5.2 Konkurrenz von Buch und neuen Medien
5.3 Das Ende von Buch und Lesen?
5.3.1 Zur Bedrohung der Lesekultur
5.3.2 Die Informationsgesellschaft
Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung des Buches als Bildungsmittel im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung. Sie verfolgt das Ziel, der Frage nachzugehen, ob das Buch in einer Ära neuer Medien an Relevanz verliert oder ob es in einer komplementären Beziehung zu digitalen Technologien weiterhin eine zentrale Rolle in Bildungsprozessen einnimmt.
2.2.2 Metaphern als Verbindung
Ein interessanter Aspekt im Zusammenhang mit oralen und literalen Kulturen ist das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, das wir heute in unserer Sprache anhand von Metaphern noch erkennen können. Diese sprachlichen Bilder bedienen sich Ausdrücken für den menschlichen Körper, die unter anderem im Bereich des Buchwesens sowie im Zusammenhang mit Denken, Wissen, Gedächtnis und Lesen gebräuchlich sind.
Orale Kulturen kennen kein Wissen und kein Gedächtnis außerhalb des menschlichen Körpers. Mit der Einführung von Schrift steht eine weitere Kommunikationsmöglichkeit zur Wahl, wobei an vielen Metaphern unserer heutigen Sprache zu erkennen ist, wie sich die Schriftlichkeit an die Oralität angepasst hat: „Diese Metaphorik weist darauf zurück, daß die Schrift als Repräsentation der Rede lange nicht abstrakt gedacht wurde. (…) Diese Bindung an das Körperschema hat sich in den toten Metaphern des Buchwesens bis heute erhalten.“41
Ein Buch ist ein „Korpus“ mit „Kapiteln“ (aus dem Lateinischen „caput“, Haupt), einer „Kopf- und Fußzeile“ sowie einem „Buchrücken“. Setzer in Druckereien verwenden „Bastardschriften“, ärgern sich über „Schusterjungen“ oder „Hurenkinder“ und freuen sich über eine „Jungfrau“. Hörisch bezeichnet diese Ausdrücke als „Anthropomorphe Euphemismen, die vergessen machen wollen, daß das spezifisch neuzeitliche Massenmedienprodukt Buch Interaktion und Kommunikation im großen Maßstab entkoppelt und auch dadurch für eine neue Sachlichkeit sorgt.“42
Im Zusammenhang mit Denken, Wissen und Gedächtnis ist eine Speisemetaphorik überliefert: Das Gedächtnis ist der „Magen der Seele“, die Worte werden „gekostet“, „gekaut“, „einverleibt“ und „verschlungen“. Ohne geistige Nahrung „verhungert“ man und bekommt „Wissensdurst“ oder „Bildungshunger“. „Bücher, die man nicht begreift, hat man nicht ‚verdaut’; und was man nur wiedergibt, ohne es zu verstehen, ist nur ‚wiedergekäut’; wobei vieles, was man liest, einem nicht ‚schmeckt’ (…).“43Der Computer besitzt ein „Menü“, in das Daten „eingespeist“ werden, Rechner werden „gefüttert“ und „werfen“ Ergebnisse „aus“. Manchmal gehen wir mit Gedanken „schwanger“ und bringen eine „Kopfgeburt“ hervor.
1. Schriftlichkeit der Bildung: Analysiert die enge Verbindung zwischen Schriftlichkeit und Bildung sowie deren Einfluss auf das Subjekt.
2. Schrift in literalen Kulturen: Untersucht Unterschiede zwischen oralen und literalen Kulturen, die Bedeutung der Schrift für das menschliche Bewusstsein und Platons medienkritische Perspektive.
3. Die Geschichte des Buches: Beschreibt die Entwicklung vom handgeschriebenen Kodex bis zur Digitalisierung des Buches und die Auswirkungen des Buchdrucks durch Gutenberg.
4. Kennzeichen und Funktionen des Buches: Behandelt das Buch als Kulturgut, seine Bedeutung als langsames Medium und seine anhaltende Faszination trotz digitaler Konkurrenz.
5. Die Zukunft des Buches: Erörtert neue Textträger, die Konkurrenz zwischen Buch und Internet sowie die Herausforderungen einer Wissensgesellschaft.
Schriftlichkeit, Bildung, Buchgeschichte, Medienkomplementarität, Literalität, Buchdruck, Digitalisierung, Informationsgesellschaft, Lesekultur, Medienkompetenz, hypertextuelles Lesen, Wissensgesellschaft, Kommunikation, Gedächtnis, elektronische Medien.
Die Arbeit untersucht die medienhistorische und bildungstheoretische Bedeutung des Buches sowie dessen Wandel und Persistenz angesichts der digitalen Transformation.
Die zentralen Themen sind die Entwicklung von Schriftlichkeit, die Geschichte des Buchdrucks, die Auswirkungen elektronischer Medien auf das Leseverhalten und das Konzept der Wissensgesellschaft.
Das Ziel ist zu klären, ob das Buch im Zeitalter der neuen Medien als Bildungsmittel ausgedient hat oder ob es durch ergänzende Funktionen im modernen Medienverbund überdauert.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bildungstheoretischer und medienwissenschaftlicher Konzepte, um die Transformation von Schriftkultur nachzuzeichnen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Schriftkultur und des Buchdrucks sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der heutigen digitalen Medienwelt und den damit einhergehenden Veränderungen für Lernen und Denken.
Die zentralen Begriffe sind Schriftlichkeit, Literalität, Medienkomplementarität, Buch als Bildungsmittel und Informationsgesellschaft.
Platon dient als historischer Referenzpunkt für Medienkritik, da seine Skepsis gegenüber der Schrift Parallelen zur heutigen, oft skeptischen Haltung gegenüber dem Computer aufweist.
Das Rieplsche Gesetz besagt, dass neue Medien alte Medien nicht ersetzen, sondern ergänzen und in ein neues Verhältnis zueinander setzen, was die Autorin auf das Verhältnis von Buch und Internet anwendet.
Monastisches Lesen war eine gemeinschaftliche, akustische und meditative Praxis, während sich beim scholastischen Lesen das individuelle, stille und logisch-analytische Textstudium durchsetzte.
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