Magisterarbeit, 2004
77 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Ethik und Moral
3. Heidegger und Ethik
3.1 Heideggers Position nach Sein und Zeit
3.2 Heideggers Position vor Sein und Zeit
3.3 Heideggers Position in Sein und Zeit
4. Ethik und Heidegger
4.1 Ethische Aspekte in Sein und Zeit
4.1.1 Individualität: Umwillen, Zu-sein, Sorge
4.1.2 Sozietät: Mitsein, Fürsorge, Man
4.1.3 Handlungsdisposition: Gewissen, Schuld, Entschlossenheit
4.2 Ethische Versäumnisse in Sein und Zeit
4.2.1 Gewissen als Ruf der Sorge
4.2.2 Schuld als Schuldigsein
4.2.3 Gewissenhaftigkeit als Gewissen-haben-wollen
4.3 Ethische Hindernisse in Sein und Zeit
4.3.1 Der Andere
4.3.2 Eigentlichkeit
4.3.3 Rationalität des Handelns
5. Schluss – Sein und Sollen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Heideggers Fundamentalontologie in "Sein und Zeit" zur Ethik. Ziel ist es, einerseits ethische Anknüpfungspunkte in Heideggers Begrifflichkeit zu identifizieren, andererseits jedoch kritisch aufzuzeigen, warum eine konsequente Ausarbeitung zu einer ethischen Theorie innerhalb seines Systems auf unüberwindbare Hindernisse stößt und zu einer Entmoralisierung führt.
4.1.1 Individualität: Umwillen, Zu-sein, Sorge
Der erste der beiden veröffentlichten Abschnitte von Sein und Zeit ist eine Analyse des „Daseins“. Mit diesem Terminus bezeichnet Heidegger das, was die Philosophie bis dahin auch als „Subjekt“, „Person“, „Mensch“ oder „Individuum“ kannte. Seine Einführung dient einerseits der Abgrenzung gegen andere wissenschaftliche Disziplinen wie der Anthropologie, der Psychologie oder der Biologie. Andererseits soll damit von Anfang an ein Akzent auf die ontologische Ausrichtung der Analyse gesetzt werden. Gemäß der methodischen Vorgabe setzt die als „Selbstauslegung“ (SZ, 312) konzipierte Untersuchung beim menschlichen Dasein selbst ein. Dessen Einbindung in das komplexe Gefüge der Welt soll auf ihre elementarsten, ontologischen Strukturen hin aufgelöst werden.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenstellung ein, das Verhältnis von Sein und Sollen bei Heidegger zu untersuchen und die Frage zu stellen, ob sein Hauptwerk "Sein und Zeit" eine ethische Dimension aufweist.
2. Ethik und Moral: Es erfolgt eine methodische Bestimmung und Abgrenzung der Begriffe Ethik und Moral, um einen theoretischen Rahmen für die anschließende Analyse von Heideggers Philosophie zu schaffen.
3. Heidegger und Ethik: Dieser Abschnitt ordnet die "Frage der Ethik" historisch in Heideggers Gesamtwerk ein, wobei insbesondere der Humanismusbrief und frühe Vorlesungen auf seine ablehnende Haltung gegenüber Ethik als Disziplin hin untersucht werden.
4. Ethik und Heidegger: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, der Heideggers zentrale Begriffe ontologisch auf ethische Implikationen prüft, Versäumnisse bei der Ausbildung einer Ethik aufdeckt und systematische Hindernisse wie das Problem der Interpersonalität und der Rationalität des Handelns diskutiert.
5. Schluss – Sein und Sollen: Die Arbeit fasst ihre Ergebnisse zusammen und reflektiert erneut über das Versprechen einer Ethik in "Sein und Zeit", das letztlich durch eine ontologische Entmoralisierung nicht eingelöst wird.
Heidegger, Sein und Zeit, Ethik, Moral, Dasein, Sorge, Gewissen, Schuld, Eigentlichkeit, Fundamentalontologie, Mitsein, Anthropologie, Existenzialanalyse, Handlungsdisposition, Ontologie
Die Arbeit untersucht, ob Heideggers Hauptwerk "Sein und Zeit" ethische Ansätze enthält oder gar eine Ethik begründen kann, trotz seiner eigenen expliziten Ablehnung der Ethik als philosophische Disziplin.
Zentral sind die Untersuchung von Heideggers ontologischen Begriffen wie "Sorge", "Gewissen" und "Schuld" sowie die Analyse der sozialen Dimension des "Daseins" und der Möglichkeit einer moralischen Normativität in seinem System.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Heidegger ethisch besetzte Begriffe zwar verwendet, sie jedoch in einem ontologischen Prozess "entmoralisiert" und somit eine substanzielle ethische Theoriebildung innerhalb von "Sein und Zeit" verhindert.
Die Arbeit nutzt eine philologisch-analytische Herangehensweise, die Heideggers eigene phänomenologische und hermeneutische Begriffe aufgreift, um deren ethische Implikationen aus dem Text heraus kritisch zu rekonstruieren und zu prüfen.
Der Hauptteil analysiert, wie Heidegger das "Dasein" ontologisch konstituiert, wo er ethische Aspekte (Individualität, Sozietät, Handlung) verdeckt einführt und an welchen systematischen Hürden, wie der mangelnden sozialen Rationalität, diese Ansätze letztlich scheitern.
Die zentralen Begriffe sind Heideggers "Dasein", die "Fundamentalontologie", "Eigentlichkeit" versus "Uneigentlichkeit" und die Frage nach der ethischen Verbindlichkeit von Normen.
Der Autor argumentiert, dass die "Eigentlichkeit" zwar erstrebenswert erscheint, aber letztlich in eine soziale Vereinzelung führt, die eine vollwertige Ethik oder zwischenmenschliche Verbindlichkeit eher verhindert als ermöglicht.
Da Heidegger Begriffe wie Schuld und Gewissen verwendet, die in der Alltagssprache ethisch geladen sind, weckt er bei den Lesern die Erwartung auf ethische Gehalte, die er jedoch durch sein Beharren auf einer rein ontologischen Ebene konsequent entleert.
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