Examensarbeit, 2001
78 Seiten, Note: 1,0
1. Der verdrängte Text
1.1 Kanon als Ausschlussdiskurs
1.2 Theoretische Kontexte
2. Die frankoamerikanische Kultur der Kreolen
2.1 Moral, Ästhetik und Illusion
2.2 Liebessemantik vs. Ehecode
2.3 Die Ökonomisierung der Intimsphäre
2.4 Semantisierte Räume
2.5 Das kulturelle Andere: black women
3. Auf der Suche nach weiblicher Identität
3.1 Feminismus, gender und Emanzipation
3.2 Die Macht der omnipräsenten Sprache
3.3 Psychische und semiotische Funktionen des Körpers
3.4 Eros, Thanatos und Regression
3.5 Lustprinzip, ozeanisches Gefühl und Tod
4. Das kulturelle Projekt des Romans
4.1 Genre als soziokulturelles Konstrukt
4.2 Symbolische Exploration und Transgression
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Wechselwirkung zwischen kulturellen Rahmenbedingungen und individueller Identität in Kate Chopins Roman "The Awakening". Das primäre Ziel ist es, Ednas Prozess der Selbstfindung nicht nur als rein feministisches Unterfangen zu deuten, sondern durch den Einbezug von Nietzsches Kulturkritik und Freuds Psychoanalyse die soziokulturellen und ökonomischen Mechanismen aufzudecken, die das subversive Potenzial des Textes bestimmen.
2.1 Moral, Ästhetik und Illusion
Es sind nicht zuletzt gesellschaftliche Konventionen und moralische Normen, die die Protagonistin dazu animieren, dem diametral entgegengesetzte romantische Illusionen zu kultivieren: "Because of the social conventions that prescribe behavior in her world, Edna has nowhere to go, succumbing to the promises of romanticism while living in a society that will not tolerate the terms she sets for her own freedom" (Thornton 1996: 86). Allerdings machen gerade diese Phantasmen sie heteronom, weil sie patriarchalisch instrumentalisiert sind, insofern sie den Status quo beschönigen und ideologisch legitimieren. Doctor Mandelet formuliert das im Gespräch mit Edna: "The trouble is [...] that youth is given up to illusions. It seems to be a provision of Nature; a decoy to secure mothers for the race. And Nature takes no account of moral consequences, of arbitrary conditions which we create, and which we feel obliged to maintain at any cost" (Awakening: 105). Was er jedoch allegorisierend und camouflierend der Natur zuschreibt, ist eine Machination patriarchalischer Kultur.
Als Subjekt spaltet sich Edna in zwei personae und führt faktisch ein Doppelleben, nämlich "that outward existence which conforms" und "the inward life which questions" (Awakening: 14). Es ist primär dieser Konflikt zwischen gesellschaftlicher Inszenierung und psychischer 'Realität', den Edna austragen muss. Prekär ist daran, dass beide Sphären von bestimmten Illusionen geleitet sind, wobei die äußere Hegemonie der ersten in ihrer Wirkung auf das Leben jedes einzelnen unübersehbar ist.
Auf soziokultureller Seite führt die Einhaltung der Etikette dazu, dass in speziellen Situationen Lügen zur Pflicht wird: "Why do you force me to idiotic subterfuges?" (Awakening: 100) fragt Robert Edna, als sie wissen möchte, warum er sich von ihr ferngehalten hat. Die Situation wird derart absurd, dass er ihr einen Katalog von Ausreden offeriert, von denen sie sich eine beliebige aussuchen soll. Überdies wird der individuelle Wille dem Protokoll untergeordnet: "[...] we've got to observe les convenances if we ever expect to get on and keep up with the procession" (Awakening 49) mahnt Ednas Mann, als er erfährt, dass sie an ihrem reception day ausgegangen ist, anstatt respektable Gäste zu empfangen, die den Pontelliers dabei helfen könnten, sozial und ökonomisch zu avancieren.
1. Der verdrängte Text: Das Kapitel analysiert die jahrzehntelange Vernachlässigung des Romans in der Literaturkritik und beleuchtet die diskursiven Ausschlussmechanismen, die ihn als moralisch verwerflich brandmarkten.
2. Die frankoamerikanische Kultur der Kreolen: Es wird die soziale Struktur im Louisiana des 19. Jahrhunderts als kulturelle Enklave untersucht, die durch strikte Ehe- und Besitzcodes das Handeln der Protagonistin einschränkt.
3. Auf der Suche nach weiblicher Identität: Dieses Kapitel erforscht Ednas Emanzipationsversuche und ihre Auseinandersetzung mit den Grenzen ihres Körpers, ihrer Psyche und der patriarchal geprägten Sprache.
4. Das kulturelle Projekt des Romans: Abschließend wird der Roman als soziokulturelles Konstrukt gewürdigt, das durch die Verknüpfung von Ästhetik und Ideologie neue Räume für die Aushandlung weiblicher Identität schafft.
The Awakening, Kate Chopin, weibliche Identität, kulturelle Identität, patriarchalische Struktur, Ehecode, Liebessemantik, Körperlichkeit, Sexualität, Tod, Kulturkritik, Psychoanalyse, Soziokulturelles Projekt, Gender, Literaturkritik.
Die Hausarbeit analysiert Kate Chopins Roman "The Awakening" unter Berücksichtigung von Kultur, Identität und gesellschaftlichen Machtstrukturen im Kontext des späten 19. Jahrhunderts.
Die zentralen Themen umfassen die soziokulturelle Untersuchung der kreolischen Gesellschaft, die Rolle der Frau, die Ökonomisierung von Beziehungen sowie die psychologischen Konflikte der Protagonistin Edna Pontellier.
Ziel ist es, den Roman nicht nur als feministisches Werk zu lesen, sondern seine tieferliegenden kulturellen und theoretischen Bezüge durch die Linsen von Nietzsche und Freud zu ergründen.
Der Autor wendet kulturwissenschaftliche und psychoanalytische Ansätze an, ergänzt durch systemtheoretische Überlegungen nach Niklas Luhmann und semiotische Theorien von Julia Kristeva.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des kulturellen Settings der Kreolen, Ednas Suche nach weiblicher Identität sowie das kulturelle Projekt des Romans selbst.
Wichtige Begriffe sind Identität, Kultur, Geschlecht (Gender), ökonomischer Ehecode, Körperlichkeit, Freiheit, Gesellschaft und Subversion.
Die Arbeit sieht Edna als jemanden, der versucht, sich aus den restriktiven Mustern eines patriarchalischen Systems zu befreien, wobei ihr Scheitern weniger als persönliches Versagen denn als Resultat einer übermächtigen kulturellen Ordnung interpretiert wird.
Das Meer fungiert als zentrales Symbol, das einerseits Freiheit und sinnliche Entgrenzung repräsentiert, andererseits aber auch die Verschmelzung von Eros und Thanatos im Sinne einer endgültigen, regressiven Erlösung verkörpert.
Ja, in einem eigenen Abschnitt wird das postkoloniale Paradoxon beleuchtet, in dem die Freiheit der Protagonistin durch die Arbeit unterdrückter farbiger Frauen erst ermöglicht wird.
Sprache wird als patriarchalisch determiniertes Medium aufgefasst, in dem sich eine Frau nicht selbst ausdrücken kann, ohne ihr Selbst im Diskurs aufzulösen, weshalb die Protagonistin vermehrt auf semiotische Ebenen wie Musik ausweicht.
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