Examensarbeit, 2008
126 Seiten, Note: 1+
1 Einleitung
2 Zum Terminus „Legitimation“
3 Bildungspolitische Initiativen und ihre Forderungen
3.1 Rahmenkonzepte für den Schulsport
3.2 Lehrplan Hessen und Nordrhein-Westfalen - Rahmenvorgaben für das Unterrichtsfach Sport in den Jahrgangsstufen 5-10
4 Die Instrumentalisierungsdebatte
4.1 Der Instrumentalisierungsvorwurf
4.2 Der Widerspruch
5 Anforderungen an einen zeitgemäßen Sport
5.1 Fachdidaktische Entwicklungen
5.2 Vorschlag für ein zeitgemäßes Konzept - Aufwertung des erzieherischen Anspruchs
5.3 Die Bedeutung der pädagogischen Perspektiven
6 Das Konzept eines erziehenden Sportunterrichts (nach Neumann)
6.1 Grundlagen und Perspektiven
6.2 Die Bedeutungsvielfalt eines erziehenden Unterrichts
6.3 Erziehender Unterricht aus sportdidaktischer Sicht
6.4 Die Mehrperspektivität als didaktisches Prinzip eines erziehenden Sportunterrichts
6.4.1 Zur Genese und Bedeutung eines mehrperspektivischen Unterrichts
6.4.2 Die Bedeutung der Mehrperspektivität nach Ehni
6.4.3 Die Bedeutung der Mehrperspektivität nach Kurz
6.4.4 Zur näheren Konturierung eines perspektivischen Zugangs zum Sportunterricht
7 Sportunterricht und sein Beitrag zum Schulleben
7.1 Der außerunterrichtliche Schulsport
7.2 Die Idee einer bewegten Schule
8 Zusammenfassung der Ergebnisse
9 Fazit
10 Ausblick
Diese wissenschaftliche Hausarbeit zielt darauf ab, den Sportunterricht im aktuellen Fächerkanon der Schule durch eine zeitgemäße pädagogische Grundlegung zu legitimieren, indem sie erziehungstheoretische und didaktische Argumente bündelt und den Sport nicht als Selbstzweck, sondern als essenzielles Element ganzheitlicher Bildungs- und Erziehungsprozesse begreift.
4 Die Instrumentalisierungsdebatte
Bereits Söll warnte 1988 davor, dass der Sport vor eilfertigen oder den Sport verzweckenden Pädagogen geschützt werden müsse, da befürchtet wurde, dass der Sport als Mittel für allgemeine Erziehungsziele, die aus seiner Eigenstruktur nicht direkt ableitbar wären, missbraucht werden könnte (vgl. Söll 1996, 37ff; vgl. auch: Neumann 2004, 32, wo er sich auf Söll, 1988, 38 bezieht). Diese bereits 1988 von Söll formulierte Angst vor der Verzweckung des Sports, fand ihren Höhepunkt in der Instrumentalisierungsdebatte der 1990er Jahre, in der es um die Frage ging, inwieweit „Sport zum Zweck von Erziehung [gemacht] werden darf“ (vgl. Neumann 2004, 33). Dabei pochen die einen (wie Söll) auf die Eigenständigkeit des Sport, andere verweisen auf den allgemeinen Erziehungsauftrag der Schule und auf den Sport als „Bestandteil gesellschaftlich kulturellen Wandels“ (vgl. ebd., wo er sich auf Beckers 1993, 1994, o.S. bezieht).
Der Vorwurf, dass sich in der neueren Sportpädagogik instrumentelle Tendenzen finden ließen, wurde 1992 von Schaller erhoben. Dies war zu jener Zeit nicht der erste Vorwurf dieser Art: Dieser Vorwurf wurde bereits 1977 von Bernett erhoben: Er beklagte damals die „Fremdbestimmung und Instrumentalisierung des Sports“ (vgl. Scherler 1997, 5, wo er sich auf Bernett 1977, o. S. bezieht ): Der Vorwurf bezog sich u.a. auf das völkische Turnen „im Rahmen einer chauvinistischen Nationalerziehung“, auf die „körperliche Erziehung als Mittel vormilitärischer Ausbildung“ und auf den Sport im Dienst „ökonomischer Interessen“ (vgl. Scherler, 1997, 5, wo er sich auf Bernett 1977, o.S. bezieht).
Schaller proklamiert zum Teil in Anlehnung an Bernett (1977) folgende Vorwürfe: Als instrumentell versteht Schaller „die programmatische Vereinnahmung des Sports für Zwecke jedweder Art [...], die aus seiner Eigenstruktur nicht direkt herleitbar sind“ (1992,11).
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Notwendigkeit der Legitimation des Sportunterrichts im schulischen Bildungssystem und führt in die erziehungstheoretische Ausrichtung der Arbeit ein.
2 Zum Terminus „Legitimation“: Dieser Abschnitt definiert den Begriff der Legitimation erziehungswissenschaftlich und grenzt Rechtfertigung von Begründung ab.
3 Bildungspolitische Initiativen und ihre Forderungen: Es werden Rahmenkonzepte sowie Lehrpläne aus Hessen und Nordrhein-Westfalen analysiert, die den Doppelauftrag des Schulsports unterstreichen.
4 Die Instrumentalisierungsdebatte: Der theoretische Diskurs über die Gefahr der zweckfremden Verwendung des Sports als bloßes Mittel zur Erziehung wird kritisch reflektiert.
5 Anforderungen an einen zeitgemäßen Sport: Der Kapitelabschnitt diskutiert fachdidaktische Entwicklungen und plädiert für eine Aufwertung des erzieherischen Anspruchs.
6 Das Konzept eines erziehenden Sportunterrichts (nach Neumann): Das zentrale Kapitel stellt die Grundlagen eines erziehenden Sportunterrichts sowie das didaktische Prinzip der Mehrperspektivität ausführlich dar.
7 Sportunterricht und sein Beitrag zum Schulleben: Hier wird der erweiterte Schulsportbegriff betrachtet, einschließlich außerunterrichtlicher Aktivitäten und der "bewegten Schule".
8 Zusammenfassung der Ergebnisse: Ein Resümee der vorangegangenen Argumentationen zur Legitimation des Sportunterrichts.
9 Fazit: Die Arbeit zieht eine abschließende Bilanz zur erzieherischen Funktion des Sportunterrichts.
10 Ausblick: Es werden künftige Aufgaben für die Sportpädagogik und Herausforderungen in der Lehrerausbildung skizziert.
Schulsport, Sportunterricht, Legitimation, Doppelauftrag, Erziehender Sportunterricht, Mehrperspektivität, Sportdidaktik, Handlungsfähigkeit, Pädagogische Perspektiven, Bewegte Schule, Körpererziehung, Sportpädagogik, Persönlichkeitsentwicklung, Schulleben, Bildungsauftrag.
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Legitimation des Sportunterrichts in der Schule und untersucht, wie Sport über seine rein physische Komponente hinaus zur Erziehung und Persönlichkeitsbildung beitragen kann.
Zentrale Felder sind die bildungspolitische Begründung des Sportunterrichts, die Debatte um Instrumentalisierungsvorwürfe, das Konzept des erziehenden Sportunterrichts nach Peter Neumann und das Prinzip der Mehrperspektivität.
Das Ziel ist es, Argumente für einen zeitgemäßen Sportunterricht zu sammeln, der den erzieherischen Bildungsauftrag der Schule erfüllt und Schüler zu einer mündigen Lebensgestaltung befähigt.
Die Arbeit nutzt die Methode der Textforschung, um bildungspolitische und sportdidaktische Argumente aus Richtlinien, Lehrplänen und fachwissenschaftlicher Literatur zusammenzutragen und zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Auseinandersetzung mit der Instrumentalisierungsdebatte, die Analyse fachdidaktischer Strömungen und die detaillierte Darstellung des Konzepts eines erziehenden Sportunterrichts unter Berücksichtigung verschiedener pädagogischer Perspektiven.
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Sportdidaktik, Legitimation, erziehender Sportunterricht, Mehrperspektivität, Handlungsfähigkeit und Doppelauftrag geprägt.
Der außerunterrichtliche Schulsport zeichnet sich durch Freiwilligkeit und fehlende verbindliche Vorgaben aus, bietet jedoch zusätzliche Chancen für die soziale Bildung und die Rhythmisierung des Schulalltags.
Das Prinzip ermöglicht es, sportliche Handlungen unter verschiedenen Aspekten wie Leistung, Miteinander oder Gesundheit zu betrachten, um so Schülern eine breitere, subjektiv bedeutsame Auseinandersetzung mit dem Sport zu ermöglichen.
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