Magisterarbeit, 2001
148 Seiten, Note: 1,0
I. TEIL: Im Rausch(en) der Medien
1. Einleitung: „Kritik ohne Krieg“ (J. Derrida)
2. Einerseits: Peter Handke im Krieg der Kritik
II. TEIL: Andererseits ...
3. Biographische Begründungen
4. Die antitotalitäre, offene Poetik Peter Handkes
4.1 Frühe Konfessionen: Wider eine „engagierte“ Literatur (Sartre), für die Autonomie einer sprach- und erkenntniskritischen Literatur
4.2 Drei Bausteine einer Poetik des Peripheren als Essenz
4.2.1 Erster Baustein: Das „unschuldige Sehen“ des „poetischen Denkens“ im Gefolge von Kleists Über das Marionettentheater
4.2.2 Zweiter Baustein: Phänomenologische Beschreibung der Welt (Husserl), „Realisieren“ einer Schriftlandschaft (Die Lehre der Sainte-Victoire, 1980)
4.2.3 Dritter Baustein: Das Postulat einer „anderen Geschichte“, Überlegungen mit Nietzsche und Benjamin
4.3 Intertextualität als Erinnerungspraxis im Modus der „Wiederholung“
4.4 Den „Elfenbeinturm“ durchstreichen: Politische, gesellschaftskritische und ethische Implikationen im „Neuen Subjektivismus“ Handkes
5. Die Anwendung der Poetik im Werk: Das Slowenien-Epos Die Wiederholung (1986)
DREHPUNKT: Die „Fiktion des Faktischen“ (H. White), zur Geschichtsschreibung in Handkes „letztem Buch“ Noch einmal für Thukydides (1990/95)
III. TEIL: Peter Handke in Serbien: Kontinuitätslinien
6. Historia als (Er-)Fahren: Drei Reiseerzählungen zu Serbien (1996/2000) als Gegen-Geschichten
7. Ankunft in der Postmoderne: Das Ende der Geschichte in Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg (1999)
8. Rückkehr an den Anfang: „Publikumsbeschimpfung“ – die (rebellische) Kritik Handkes an den Medien und der Interventionspolitik des Westens
SCHLUSS
9. Aporien: Die Wege Handkes als „Abwege“ (?)
10. Die Unabschließbarkeit denken
Diese Magisterarbeit untersucht Peter Handkes literarische Auseinandersetzung mit den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre, um aufzuzeigen, wie seine Poetik – entgegen der medialen Wahrnehmung – nicht als faschistische Parteinahme, sondern als Versuch einer antitotalitären Geschichtsschreibung zu verstehen ist, die durch die Dekonstruktion gängiger Täter-Opfer-Schemata eine „andere Geschichte“ jenseits der medialen Bilderstarre anstrebt.
1. Einleitung: Kritik „ohne Krieg“ (J. Derrida)
Peter Handkes scheinbar eindeutige Parteinahme für Serbien, die sich in drei Reiseberichten, einem Theaterstück und zahlreichen Interviews niederschlug, sorgte wie kein anderer Beitrag zu den Balkankriegen im letzten Jahrzehnt für erregte Debatten im europäischen Feuilleton. Die intellektuelle Öffentlichkeit befremdete die unorthodoxe Art der Darstellung der Reiseberichte, die zwischen medienkritischem Essay und phänomenologischer Erzählung von Land und Leuten in Serbien angesiedelt ist. Zudem stellte Handke eingefahrene Denkmuster zum Jugoslawienkonflikt auf den Kopf: Das gängige Täter-Opfer-Schema, das die Täter einseitig in den Reihen der Serben ortete, wurde von ihm umgedreht. Die harsche Medienkritik, schrill von Handke vorgetragen, der den westlichen Medien eine einseitige antiserbische Berichterstattung vorwarf, irritierte Journalisten und Schriftstellerkollegen gleichermaßen – sie schlugen erbittert zurück. Von Anfang an verließ die öffentliche Diskussion um Handke und seine Sicht der Dinge als Korrektiv zur allgemein verbreiteten Wahrheit die Bahn seriöser, um Aufklärung bemühter Aufarbeitung. Der bei aller Kritikwürdigkeit der angreifbaren Darstellung Handkes von ihm initiierte Denkanstoß, Bilder und Ansichten vom Krieg kritisch zu hinterfragen, wurde größtenteils nicht wahrgenommen. Im Gegenteil: Handke geriet in einen Krieg der Kritik, dessen Kreuzfeuer vor an den Autor persönlich gerichteten Invektiven nicht halt machte. Der monoton vorgetragene Vorwurf der „Serbophilie“, der unreflektiert als Schimpfwort, das keinen Widerspruch zuließ, eingesetzt wurde, nimmt sich noch harmlos aus. Thomas Deichmann faßt die affektbesetzten Reaktionen wie folgt zusammen: „Die Entgegnungen [...] waren von Rechtfertigungsdrang, Entrüstungen und zynischen Unterstellungen geprägt. Handke erntete Reaktionen, die mitunter allein darauf abzielten, seine persönliche und schriftstellerische Integrität in Frage zu stellen.“ Die Ausgangsthese dieser Magisterarbeit ist, daß Handke dadurch systematisch vom rationalen, öffentlichen Diskurs ausgeschlossen werden sollte.
1. Einleitung: „Kritik ohne Krieg“ (J. Derrida): Diese Einleitung skizziert die heftige mediale Kontroverse um Handkes Serbien-Engagement und legt die These dar, dass Handke systematisch aus dem rationalen Diskurs ausgeschlossen wurde.
2. Einerseits: Peter Handke im Krieg der Kritik: Das Kapitel analysiert die konkreten Mechanismen der medialen Vorverurteilung von Handke und ordnet diese als „Kritik im Krieg“ ein.
3. Biographische Begründungen: Hier werden die biografischen Hintergründe Handkes, insbesondere seine slowenische Herkunft, beleuchtet und als Ausgangspunkt für seine Auseinandersetzung mit Identität und Geschichte identifiziert.
4. Die antitotalitäre, offene Poetik Peter Handkes: Dieses Hauptkapitel entfaltet Handkes poetologische Grundlagen, die sich durch Sprachkritik, Phänomenologie und das Postulat einer „anderen Geschichte“ auszeichnen.
5. Die Anwendung der Poetik im Werk: Das Slowenien-Epos Die Wiederholung (1986): Die Untersuchung zeigt, wie Handke seine theoretische Poetik in seinem Slowenien-Roman narrativ umsetzt und mythisiert.
DREHPUNKT: Die „Fiktion des Faktischen“ (H. White), zur Geschichtsschreibung in Handkes „letztem Buch“ Noch einmal für Thukydides (1990/95): Dieses Kapitel dient als theoretisches Bindeglied und verdeutlicht Handkes Auseinandersetzung mit der literarischen Konstruktion von Geschichte.
6. Historia als (Er-)Fahren: Drei Reiseerzählungen zu Serbien (1996/2000) als Gegen-Geschichten: Eine detaillierte Lektüre der Serbien-Reiseberichte, die Handkes poetische „Gegen-Geschichten“ zur offiziellen Berichterstattung analysiert.
7. Ankunft in der Postmoderne: Das Ende der Geschichte in Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg (1999): Dieses Kapitel interpretiert Handkes Theaterstück als Auseinandersetzung mit dem Postmoderne-Diskurs und der Unmöglichkeit einer großen Metaerzählung über den Krieg.
8. Rückkehr an den Anfang: „Publikumsbeschimpfung“ – die (rebellische) Kritik Handkes an den Medien und der Interventionspolitik des Westens: Die abschließende Analyse der Medienkritik Handkes, die Parallelen zu seinem frühen Theaterskandal zieht.
9. Aporien: Die Wege Handkes als „Abwege“ (?): Zusammenfassende Betrachtung der Widersprüche in Handkes Engagement und der Unmöglichkeit einer abschließenden Bewertung durch die Kritik.
10. Die Unabschließbarkeit denken: Ein Ausblick auf die Dekonstruktion als notwendiges Verfahren zur Lektüre von Handkes Werk angesichts seiner Unabschließbarkeit.
Peter Handke, Jugoslawienkriege, Serbien, Poetik, Geschichtsschreibung, Dekonstruktion, Medienkritik, sanfter Totalitarismus, Intertextualität, Ästhetik des Heils, Postmoderne, „andere Geschichte“, „Wiederholung“, „Einerseits-Andererseits“, Literaturwissenschaft
Die Arbeit untersucht das literarische und essayistische Engagement von Peter Handke während der Jugoslawienkriege der 1990er Jahre und hinterfragt die einseitige mediale Kritik an seiner Person.
Die zentralen Themen sind Handkes Poetik, sein Verhältnis zur Geschichtsschreibung, der politische Missbrauch von Literatur sowie die ethischen Implikationen seiner Reiseberichte aus Serbien.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Handkes Texte keine plumpe Parteinahme oder faschistische Affirmation darstellen, sondern eine komplexe, antitotalitäre literarische Antwort auf die mediale „Bilderstarre“ sind.
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analyseansätze, ergänzt um dekonstruktivistische Methoden (nach Derrida) und geschichtstheoretische Perspektiven (u.a. Hayden White, Reinhart Koselleck).
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Handkes Poetik, die Analyse seiner Serbien-Reiseberichte und die Untersuchung seiner Auseinandersetzung mit der „Geschichtsschreibung“ in ausgewählten Werken.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Peter Handke, Poetik, Jugoslawienkriege, Dekonstruktion, Medienkritik, „Ästhetik des Heils“, „andere Geschichte“ und „Wiederholung“.
Der Begriff beschreibt laut Deichmann und Reul die mediale Atmosphäre der Handke-Debatte, in der durch moralische Fürsorge und „Opfer“-Narrative ein Diskurs erzwungen wird, der Handkes kritische Gegenstimmen als pathologisch ausschließt.
Die Arbeit bewertet die späteren Aufzeichnungen („Unter Tränen fragend“) kritischer als die ersten Berichte; der Autor konstatiert hier eine Entstellung der Poetik ins Karikaturhafte und eine Abkehr von differenzierenden Prinzipien.
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