Diplomarbeit, 2004
143 Seiten, Note: 2,0
1. EINLEITUNG
Konstruierte Geschichte
Theorie vs. Empirie?
Erkenntnisstränge
Forschungsgegenstände
2. ALTE DICHOTOMIEN UND NEUE PERSPEKTIVEN
„Privatheit“ - „Öffentlichkeit“: eine fragwürdige Dichotomie
Die Relevanz von normativen Debatten
Der „männliche Blick“ im „Zivilrecht“
3. LEBENS(VER)LÄUFE UND LEBENSABSCHNITTE
Zur Bedeutung von „Geschlecht“ und anderen Kategorien
Kinder und Alte, Ledige und Witwe/r
Armut und Geschlecht
4. ARBEIT
Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung
Frauen-Erwerbstätigkeit und ihr Wert
Frauen-Arbeit im handwerklichen Bereich
Welche Arbeit gebührt wem?
5. RELIGION
Religion und Frömmigkeit – eine „weibliche“ Angelegenheit?
Religion und Geschlecht – und sonstige Kategorien
6. POLITIK
„Politik“ im weiteren Sinne
Herrscherinnen: Das Vorrecht des Standes
„Richterinnen“: Praktizierte Konfliktregelung
BürgerInnen und BäuerInnen: Politische Partizipation
Menschen im Aufruhr: Unterschiedlichste Solidaritäten
7. GELEHRSAMKEIT, BILDUNG UND WISSENSCHAFT
Humanistische „Gelehrsamkeit“
Zugang zum Wissen und Erziehungsziele
Der Wert von „Bildung“
Frauen in der Wissenschaft
Wissenschaft und die „Geschlechter-Differenz“
8. EHE
Zur Theorie und Praxis des Ehe-Ideals
Frau oder Mann – Wer „hat die Hosen an“?
Die Bestimmung zur „Ehefrau, Hausfrau und Mutter“
Mutterpflicht – Mutterglück?
9. GETRENNTE WEGE
Zwei Geschlechter – zwei Sphären?
Gemischtgeschlechtliche Geselligkeit
Formen der Geselligkeit und die Rede von „Männlichkeit“-„Weiblichkeit“
Die Theorie von der Geschlechterpolarität und die Frauen
Der Brief als „Medium der Weiblichkeit“
10. RESÜMEE UND AUSBLICK
Rückprojektionen von Geschlechter-Modellen
Bedeutung von Normen und Praktiken
Positionierung der Kategorie „Geschlecht“
Konstruktion der Geschlechter-Differenz
Perspektiven einer neuen Geschichtsschreibung
Die Diplomarbeit untersucht anhand eines Literaturüberblicks, inwieweit aktuelle historische Studien zur Frühen Neuzeit die Kategorie „Geschlecht“ als analytisches Instrument nutzen. Dabei wird kritisch hinterfragt, wie Historikerinnen und Historiker mit etablierten Dichotomien wie „öffentlich“ und „privat“ umgehen und inwiefern sie theoretische Konzepte in ihre empirischen Analysen integrieren.
Der „männliche Blick“ im „Zivilrecht“
Wie einige HistorikerInnen festgestellt haben, waren normierende Instanzen, die von Männern dominiert wurden, auch durch deren Perspektive geprägt. Einige dieser normgebenden Instanzen, die beinahe ausschließlich von Männern besetzt und deshalb vom „männliche Blick“ beherrscht gewesen sind, waren in der Frühen Neuzeit die Institutionen des Rechts. Beispielhaft soll dies am „Zivilrecht“ veranschaulicht werden; konkret an der sogenannten „Geschlechtsvormundschaft“. Dabei handelte es sich um ein Rechtsinstitut, das festschrieb, dass Frauen in allen Angelegenheiten, die das Vermögensrecht betrafen, auf den Beistand eines Mannes angewiesen waren. Was aber waren bei der „Geschlechtsvormundschaft“ die Intentionen und Auswirkungen des „männlichen Blicks“?
Geht man mit Merry Wiesner konform, so wurde unter Juristen für eine Beibehaltung der Geschlechtsvormundschaft plädiert, um Ehefrauen in ihrer Verantwortlichkeit einzuschränken. Während die Geschlechtsvormundschaft im Mittelalter für Frauen Schutz implizierte, bescherte sie ihnen, wie Merry Wiesner meint, in der Frühen Neuzeit nur noch Abhängigkeit: Einerseits beschränkte sie nämlich die rechtlichen und die ökonomischen Möglichkeiten verheirateter Frauen, andererseits diente sie als Argument, um Frauen den Zutritt zu offiziellen Ämtern zu verwehren.
1. EINLEITUNG: Grundlegende theoretische Reflexion über das „Machen“ von Geschichte und die methodische Herangehensweise an die Literaturanalyse.
2. ALTE DICHOTOMIEN UND NEUE PERSPEKTI VEN: Kritische Untersuchung der fragwürdigen Trennung von „Privatheit“ und „Öffentlichkeit“ in der frühneuzeitlichen Historiographie.
3. LEBENS(VER)LÄUFE UND LEBENSABSCHNI TTE: Analyse von Lebenszyklen und der Bedeutung von Alter, Armut und Stand für die geschlechtsspezifische Positionierung.
4. ARBEIT: Untersuchung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und der Herausforderungen bei der Bewertung von Lohn- und Hausarbeit.
5. RELIGION: Erörterung der Rolle der Religion als Deutungskultur und der Frage nach der angeblichen „Feminisierung“ religiöser Praktiken.
6. POLITIK: Debatte über den Politikbegriff und die politische Partizipation von Frauen jenseits formeller Ämter.
7. GELEHRSAMKEIT, BILDUNG UND WISSENSCHAFT: Vergleich humanistischer und aufklärerischer Bildungskonzepte sowie deren Auswirkungen auf den Zugang von Frauen zum Wissen.
8. EHE: Analyse der Ehe als zentrale Lebensform und ordnungspolitisches Instrument sowie der Diskrepanz zwischen Ehe-Idealen und gelebter Praxis.
9. GETRENNTE WEGE: Diskussion über die Segregation der Geschlechter in sozialen Sozietäten und die Theorie der Geschlechterpolarität.
10. RESÜMEE UND AUSBLICK: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse zur geschlechtergeschichtlichen Forschung und Identifizierung zukünftiger Forschungsdesiderate.
Geschlechtergeschichte, Frühe Neuzeit, Sozialgeschichte, Frauenforschung, Politische Partizipation, Geschlechterpolarität, Norm und Praxis, Arbeitsteilung, Herrschaftsstrukturen, Alltagsgeschichte, Emanzipation, Wissensgeschichte, Historische Anthropologie, Machtverhältnisse.
Die Arbeit bietet einen Literaturüberblick über die Forschung zur Frauen- und Geschlechtergeschichte in der Frühen Neuzeit aus der letzten Dekade vor 2004.
Die Themenfelder umfassen alte Dichotomien, Lebensverläufe, Arbeit, Religion, Politik, Bildung, Wissenschaft sowie Ehe- und Gesellschaftskonzepte.
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, inwieweit Historikerinnen und Historiker theoretische Modelle (vor allem aus dem angloamerikanischen Raum) in ihre Studien einbeziehen und ob sie dabei traditionelle Annahmen kritisch hinterfragen.
Die Autorin stützt sich auf eine vergleichende Analyse von etwa 150 einschlägigen wissenschaftlichen Publikationen zur Frühen Neuzeit.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Fachbereiche, in denen untersucht wird, wie Machtverhältnisse, Normen und Praktiken das Handeln von Frauen und Männern geprägt haben.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Geschlechtergeschichte, Norm und Praxis, Arbeitsteilung, Machtverhältnisse und die Dekonstruktion traditioneller Dichotomien.
Normen werden als Indikatoren für soziale Spannungen verstanden; sie spiegeln nicht zwingend das tatsächliche Verhalten wider, sondern setzen den Rahmen, in dem Frauen und Männer agierten.
Sie dient als exemplarisches Rechtsinstitut, um die komplexen, oft widersprüchlichen Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen den Geschlechtern in der Frühen Neuzeit aufzuzeigen.
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