Examensarbeit, 2007
105 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Identität
1.1 Kulturelle Identität
1.2 Aboriginality
2. Die Stolen Generation
3. Konstruktion von Aboriginality
3.1 Sally Morgans My Place
3.2 Doris Pilkingtons Follow the Rabbit-Proof Fence
3.3 Jane Harrisons Stolen
4. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion kultureller Identität der sogenannten Stolen Generation in zeitgenössischer australischer Aborigine-Literatur. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie betroffene Autoren durch das Erzählen persönlicher Lebensgeschichten nicht nur ihre eigene Identität und Zugehörigkeit zu ihrer Kultur rekonstruieren, sondern gleichzeitig eine alternative, indigene Perspektive zur offiziellen kolonialen Geschichtsschreibung entwerfen und so einen bedeutsamen Heilungsprozess einleiten.
3.1 Sally Morgans My Place
Sally Morgan wurde 1951 in Perth, Western Australia, als Tochter von Gladys Milroy, einer Mutter gemischter Herkunft, und Bill Milroy, einem weißen Vater, geboren. 1974 erlangte sie an der University of Western Australia den Abschluss eines Bachelor of Arts und studierte im Rahmen eines Aufbaustudiums am Western Australian Institute of Technology psychologische Beratung und Bibliothekswesen. Heute, mittlerweile Mutter von drei Kindern und geschieden, leitet sie als Direktorin das Centre for Indigenous History and the Arts der University of Western Australia und widmet sich neben ihrer Tätigkeit als Autorin ihrer von der traditionellen Kunst der Aborigines beeinflussten Malerei.
Die Entstehung des Buches My Place, das mittlerweile eine Auflagenstärke von 600.000 Kopien erreicht hat und in 12 andere Sprachen übersetzt wurde, nahm ungefähr sechs Jahre in Anspruch. Das derartig zum Bestseller avancierte Buch wurde bis heute in Großbritannien, den USA, China, Malaysien, Italien, Indonesien, Japan, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden veröffentlicht.
Inhaltlich geht es in My Place um die autobiographische Darstellung von Sally Morgans Leben im Alter zwischen fünf und 32 Jahren, chronologisch in 32 Kapitel gegliedert. Sally Morgan bedient sich dabei nicht der Perspektive der aus der Gegenwart zurückblickenden Autorin, sondern lässt den Leser an der Entwicklung des Kindes Sally teilhaben, indem sie aus deren Perspektive berichtet. Der Position des Ich-Erzählers wird Sally Morgan nur an vier Stellen ihres autobiographischen Berichtes untreu. Jedes Mal handelt es sich um Unterhaltungen zwischen ihrer Mutter Gladys und ihrer Großmutter Daisy, bei denen Sally nicht anwesend war.
Einleitung: Der Abschnitt erläutert den historischen Hintergrund der Assimilationspolitik in Australien und definiert die Zielsetzung der Arbeit, das Erzählen von Geschichten als therapeutisches Mittel zur Identitätsstärkung der Stolen Generation zu untersuchen.
1. Identität: Dieses Kapitel erörtert theoretische Ansätze zur Identitätsbildung und kulturellen Identität, wobei insbesondere die Bedeutung von Sozialisation, Interaktion und kollektiven Symbolen für die Konstruktion des Selbst hervorgehoben wird.
1.1 Kulturelle Identität: Hier wird kulturelle Identität als kollektives Konstrukt definiert, das durch gemeinsame Werte, Riten und Sprache gestärkt wird, während zugleich auf Prozesse der Hybridisierung hingewiesen wird.
1.2 Aboriginality: Dieser Teil analysiert den schwer definierbaren Begriff der Aboriginality als politisches und kulturelles Konzept, das als Gegenbewegung zur Unterdrückung dient und versucht, aus kultureller Diversität ein einheitliches Selbstbild zu schaffen.
2. Die Stolen Generation: Das Kapitel widmet sich der historischen Analyse der gewaltsamen Trennung indigener Kinder von ihren Familien und untersucht die verheerenden sozialen und psychischen Folgen dieser Assimilationspolitik.
3. Konstruktion von Aboriginality: Der Hauptteil der Arbeit untersucht die literarische Umsetzung von Identitätssuche anhand der drei ausgewählten Werke.
3.1 Sally Morgans My Place: Diese Analyse fokussiert auf die autobiographische Familiensaga und zeigt, wie Sally Morgan ihre Wurzeln durch Generationen übergreifendes Erzählen und die Aufdeckung von Familiengeheimnissen rekonstruiert.
3.2 Doris Pilkingtons Follow the Rabbit-Proof Fence: Dieser Abschnitt thematisiert die erzählerische Aufarbeitung einer realen Fluchterfahrung und wie diese zur Stärkung der kulturellen Verbundenheit mit dem Land beiträgt.
3.3 Jane Harrisons Stolen: Die Untersuchung des Theaterstücks zeigt, wie durch die Montage von Einzelschicksalen ein breiteres Problembewusstsein für die kollektiven Traumata der Stolen Generation geschaffen wird.
4. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Betrachtung, die betont, wie das Erzählen persönlicher Lebensgeschichten als Heilungsprozess zur Versöhnung und zur Stärkung der Identität beiträgt.
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Die Arbeit beschäftigt sich mit der kulturellen Identität von Kindern der sogenannten Stolen Generation in Australien und deren Darstellung in drei bedeutenden literarischen Werken.
Die zentralen Themen sind Identitätsbildung unter dem Druck der Assimilationspolitik, die Bedeutung der familiären Herkunft sowie die Rolle des Erzählens als Mittel zur Heilung von Traumata.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie das literarische Erzählen persönlicher Geschichten zur Rekonstruktion kultureller Identität beiträgt und eine indigene Gegengeschichte zur offiziellen kolonialen Sichtweise liefert.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte der Identitätsforschung mit einer detaillierten Interpretation der ausgewählten Texte verbindet.
Der Hauptteil analysiert die Konstruktion von Aboriginality in den Werken "My Place" von Sally Morgan, "Follow the Rabbit-Proof Fence" von Doris Pilkington und dem Drama "Stolen" von Jane Harrison.
Wichtige Schlüsselwörter sind Aboriginality, Stolen Generation, Identitätskonstruktion, Trauma, Heilungsprozess, Assimilationspolitik und kulturelle Identität.
Der Begriff dient als definitorischer Rahmen für die Gruppe von Kindern, deren Zwangstrennung von ihren Familien und kulturellen Wurzeln die zentrale psychische und soziale Belastung darstellt, die in den analysierten Texten bearbeitet wird.
Im Gegensatz zu den eher autobiographisch geprägten Büchern nutzt Harrison als Dramatikerin epische Elemente und eine Montage von Einzelschicksalen, um eine direkte emotionale Wirkung auf das Publikum zu erzielen und ein kollektives Problembewusstsein zu schaffen.
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