Masterarbeit, 2021
109 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 AfD – Ein Überblick
3 Populismus
3.1 Begriffsdefinition und Formen
3.2 Populismus in Deutschland und die AfD
4 Rechtsextremismus und AfD
5 Die Wählerschaft der AfD
6 Der Wahlerfolg der AfD – Erklärungsansatz
6.1 Überblick ausgewählter Erklärungsansätze
6.2 Wahlverhalten – Grundlagen
6.2.1 Traditionelle Erklärungsansätze
6.2.2 Einfluss kleinräumiger Lebenswelten
6.2.3 Theorie der gesellschaftlichen Konfliktlinien / Modell der sozialen Milieus
6.3 Gesamtgesellschaftliche Konfliktlinie
6.3.1 Entstehungsgrundlage und Erscheinungsbild
6.3.2 Sozio-ökonomische Dimension
6.3.3 Sozio-kulturelle Dimension
6.3.4 Sozio-politische Dimension
6.4 Modernisierungsskeptische Milieus
6.5 Einflussnahme der AfD
6.6 Zwischenfazit
7 Der Wahlerfolg der AfD in den neuen Bundesländern
7.1 Wahlverhalten und AfD- Wahlpräferenz im Ost-West Vergleich
7.2 Die Ausprägung der gesellschaftlichen Konfliktlinie im Ost-West-Vergleich
7.2.1 Sozio-ökonomische Dimension
7.2.2 Sozio-kulturelle Dimension
7.2.3 Sozio-politische Dimension
8 Fazit
Die vorliegende Masterarbeit verfolgt das Ziel, die Ursachen für den Wahlerfolg der AfD in den neuen Bundesländern zu ergründen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche gesellschaftlichen Konfliktlinien und strukturellen Bedingungen in Ostdeutschland den Zuspruch zur AfD begünstigen und wie die Partei diese Gegebenheiten aktiv für ihre politische Mobilisierung nutzt.
Sozio-ökonomische Dimension
Mit über 47.000 US-Dollar pro Kopf (Stand: 2019), gehörte Deutschland 2019 mit zu den zwanzig reichsten Nationen der Welt (vgl. Trading Economics 2020). Dennoch haben hier viele Menschen finanzielle Schwierigkeiten. Im Jahr 2019 lag die Armutsquote in Deutschland bei 15, 9 %, was seit der Wiedervereinigung der bis dato höchste Wert gewesen ist. Ungefähr 13 Millionen Bundesbürger_innen sind von Armut betroffen (vgl. Pieper et al. 2020, S. 4), allein jedes fünfte Kind in Deutschland wächst in einer Armutslage auf, was ungefähr einer Zahl von 2,8 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren entspricht (vgl. Funcke/Menne 2020, S. 2).
Die Schere zwischen Arm und Reich, die auf stetig zunehmende Einkommensunterschiede und Vermögensungleichheiten zurückzuführen ist, lässt den gesellschaftlichen Zusammenhalt brüchiger werden und bringt die Demokratie ins Wanken (vgl. Kronenberg/Horneber 2019, S. 6). Die wachsende soziale Ungleichheit in der Gesellschaft und die starke Verunsicherung vieler Menschen als Folge ökonomischer Ängste bilden die treibende Kraft für die sozio-ökonomische Ausprägung der gesellschaftlichen Konfliktlinie. Für die erlebte Unsicherheit und Ungleichheit werden vordergründig wirtschaftliche Globalisierungsprozesse verantwortlich gemacht (vgl. Walther/Isemann 2019, S. 9 f.). Während rund 33% der Bürger_innen der Meinung sind, dass die wirtschaftliche Globalisierung Arbeitsplätze schaffe, sind 28% genau vom Gegenteil überzeugt (vgl. Hilmer et al. 2017, S. 17).
Es ist unbestreitbar, dass im Verlauf der Modernisierungsbestrebungen und der damit einhergehenden erhöhten Anforderung an Unternehmen, konkurrenzfähig zu bleiben, es unter anderen zu erheblichen Veränderungen im Erwerbsleben vieler Berufstätiger gekommen ist.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Wahlerfolge der AfD ein und verortet diese im Kontext einer gespaltenen deutschen Gesellschaft 30 Jahre nach der Wiedervereinigung.
2 AfD – Ein Überblick: Dieses Kapitel skizziert die Entstehungsgeschichte der AfD von einer euroskeptischen Partei hin zu einer politisch rechtsgerichteten Kraft.
3 Populismus: Hier werden theoretische Grundlagen des Populismusbegriffs sowie dessen Ausprägungen im deutschen Parteiensystem analysiert.
4 Rechtsextremismus und AfD: Das Kapitel befasst sich mit den ideologischen Schnittmengen zwischen rechtsextremen Strömungen und den Positionen der AfD.
5 Die Wählerschaft der AfD: Hier wird die soziostrukturelle Zusammensetzung der AfD-Wählerschaft im Ost-West-Vergleich untersucht.
6 Der Wahlerfolg der AfD – Erklärungsansatz: Dieses zentrale Kapitel analysiert theoretische Wahlmodelle sowie die gesamtgesellschaftliche Konfliktlinie als Erklärung für den Erfolg der AfD.
7 Der Wahlerfolg der AfD in den neuen Bundesländern: Hier erfolgt die spezifische Anwendung der erarbeiteten Theorien auf die Situation in Ostdeutschland, unter besonderer Berücksichtigung der Transformationserfahrungen.
8 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und bewertet die Dynamiken zwischen ökonomischer Unsicherheit, Identitätsbedürfnissen und politischer Entfremdung.
AfD, Wahlerfolg, Ostdeutschland, Rechtspopulismus, Gesellschaftliche Konfliktlinie, soziale Milieus, Transformationserfahrung, DDR-Vergangenheit, Migration, ökonomische Bedrohung, politische Entfremdung, Identität, Wahlverhalten, Globalisierung, soziale Ungleichheit.
Die Arbeit untersucht die Ursachen des signifikanten Wahlerfolgs der AfD, insbesondere in den neuen Bundesländern, und analysiert die politischen sowie soziologischen Hintergründe dieses Phänomens.
Die zentralen Felder umfassen die Theorie der gesellschaftlichen Konfliktlinien, das Modell der sozialen Milieus, die Rolle von Rechtspopulismus und Rechtsextremismus sowie die spezifische ostdeutsche Identität nach der Wiedervereinigung.
Das primäre Ziel ist es, ein multikausales Erklärungsmodell für den Erfolg der AfD zu entwickeln, das sowohl ökonomische als auch kulturelle und politische Faktoren integriert.
Die Arbeit nutzt eine umfassende Analyse politikwissenschaftlicher und soziologischer Theorien sowie die Auswertung empirischer Umfragedaten und Studien zur politischen Stimmung in Deutschland.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des Wahlverhaltens, die Beschreibung der gesamtgesellschaftlichen Konfliktlinie in ihren Dimensionen (ökonomisch, kulturell, politisch) und deren spezifische Anwendung auf den Ost-West-Vergleich.
Zentrale Begriffe sind neben der AfD und deren Wahlerfolg insbesondere die Begriffe Modernisierungsverlierer, soziale Milieus, Identität, politische Entfremdung und die spezifischen Herausforderungen in der ostdeutschen Transformationsgeschichte.
Der Erfolg beruht laut Arbeit auf dem Zusammenspiel von ökonomischer Belastung, einer stärkeren Ausprägung "abgehängter" Regionen, dem Gefühl politischer Vernachlässigung und einer spezifischen ostdeutschen Identitätssuche, die die AfD erfolgreich für ihre Zwecke instrumentalisiert.
Die Arbeit argumentiert, dass die Transformationserfahrungen nach der Wende, das Gefühl, als "Bürger zweiter Klasse" behandelt zu werden, und das damit verbundene Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen einen fruchtbaren Boden für populistische Rhetorik bereitet haben.
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