Diplomarbeit, 2007
98 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Begriffsbestimmungen und Grundlagen
2.1 Leistungsrisiken
2.1.1 Definition
2.1.2 Struktur der Leistungsausgaben
2.1.3 Steuerungsmöglichkeiten
2.2 Predictive Modeling
2.2.1 Definition
2.2.2 Abgrenzung zu Prior-Expense-Analysen
2.2.3 Einsatzmöglichkeiten zum Management der Leistungsrisiken
3 Theoretische Ausgestaltung von Predictive Models
3.1 Modellierungsansätze
3.2 Risk Grouper basierte Modelle
3.2.1 Grundlegende Konzeption
3.2.2 Datenbasis
3.2.2.1 Morbiditätsindikatoren
3.2.2.2 Codierungen
3.2.3 Risiko- und Ausgabenschätzung
3.2.3.1 Zellenansatz
3.2.3.2 Zuschlagsansatz
3.2.3.3 Vergleich der Ansätze
3.2.4 Zeitgleiche und prospektive Anwendung
3.2.5 Modelloutput
3.2.6 Kritische Würdigung
4 Vergleich bestehender Predictive Modeling Systeme
4.1 Vergleichskriterien
4.2 Übersicht ausgewählter Systeme
4.2.1 ACG Case-Mix System
4.2.2 IHCIS Impact Pro
4.2.3 DxCG Risk Smart Global
4.3 Empirische Testergebnisse
4.3.1 Maße zur Schätzgenauigkeit
4.3.2 SOA Risk Adjuster Study
4.3.3 IGES/Lauterbach/Wasem-Studie
4.4 Anpassungsmöglichkeit an GKV-Strukturen
4.5 Kritische Würdigung und Systemauswahl
5 Implementierung eines Risk Grouper basierten Predictive Models
5.1 Vorgehensmodell
5.1.1 Ableitung eines Vorgehensmodells
5.1.2 Implementierungsphasen
5.2 Kritische Erfolgsfaktoren bei der Implementierung
5.2.1 Risiko-Framework
5.2.2 Systemauswahl
5.2.3 Datenqualität
5.2.4 Klassifikation und Kostengewichte
5.2.5 Risikomanagement-Prozess
5.2.6 Risiko-Berichtswesen
6 Schluss
6.1 Fazit
6.2 Ausblick
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Potenzial von Predictive Modeling für das Management von Leistungsrisiken in gesetzlichen Krankenkassen zu untersuchen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie durch zuverlässige Prognosemodelle eine morbiditätsorientierte Klassifizierung des Versichertenbestandes erreicht werden kann, um den Ressourceneinsatz planbar zu machen und auf die Anforderungen durch den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) zu reagieren.
2.2.2 Abgrenzung zu Prior-Expense-Analysen
Predictive Modeling löst sich von dem Ansatz sog. Prior-Expense Modelle, welche zukünftige Ausgaben eines Versicherten allein durch die Analyse der Ausgaben eines früheren Jahres ableiten. Ziel von Predictive Modeling ist es vielmehr, unter Verwendung von Morbiditätsdaten wie Diagnosen oder Arzneimittelverordnungen, Versicherte hinsichtlich ihres Risikos einzuschätzen und davon ausgehend die zukünftigen Ausgaben eines Versicherten abzuleiten. Damit sollen im Unterschied zu Prior-Expense - Analysen auch jene Versicherte erkannt werden, welche in der Vergangenheit keine hohen Ausgaben verursacht haben, jedoch zukünftig hohe Ausgaben verursachen könnten.
Ein weiterer Nachteil einer vergangenheitsbezogenen, kostenzentrierten Betrachtung im Sinne der Prior-Expense Modelle ist, dass Versicherte, die in der Vergangenheit hohe Ausgaben verursacht haben, in eine Phase überwechseln, in welcher sie nur noch geringe Ausgaben verursachen werden. Diese Entwicklung wird oftmals vor dem Hintergrund des statistischen Phänomens der Regression zum Mittelwert umschrieben. Die hohen Ausgaben im ersten Jahr tendieren im nachfolgenden Jahr in Richtung des Mittelwertes, da das akute Stadium der Krankheit, bspw. in Form eines Krankenhausaufenthaltes, bereits durchlaufen wurde. Predictive Models durchbrechen dieses Problem, indem sie auf Ebene der Morbiditätsindikatoren entscheiden, ob bspw. eine Diagnose, die in der Basisperiode gestellt wurde, mit nennenswerten Ausgaben in der Folgeperiode einhergehen wird.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation einer gesetzlichen Krankenkasse, ein Risikomanagement mittels Predictive Modeling aufzubauen, und definiert die leitenden Forschungsfragen.
2 Begriffsbestimmungen und Grundlagen: In diesem Kapitel werden die Kernbegriffe Leistungsrisiken und Predictive Modeling theoretisch fundiert sowie deren Zusammenspiel im Managementkontext erläutert.
3 Theoretische Ausgestaltung von Predictive Models: Es werden verschiedene Modellierungsansätze, insbesondere regelbasierte Modelle, Risk-Grouper-basierte Systeme und Verfahren der künstlichen Intelligenz, detailliert beschrieben und vergleichend bewertet.
4 Vergleich bestehender Predictive Modeling Systeme: Das Kapitel bietet einen systematischen Vergleich kommerzieller Predictive-Modeling-Systeme (ACG, IHCIS, DxCG) anhand von Schätzgüte und Anpassungsbedarf an die GKV-Strukturen.
5 Implementierung eines Risk Grouper basierten Predictive Models: Hier wird ein Vorgehensmodell für die Implementierung in Krankenkassen hergeleitet und kritische Erfolgsfaktoren wie Risiko-Framework, Datenqualität und Berichtswesen werden analysiert.
6 Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung kombinierter Modellierungsmethoden.
Predictive Modeling, Leistungsrisiken, Krankenkasse, Risikomanagement, Risikostrukturausgleich, Morbi-RSA, Risk Grouper, Morbidität, Prognosemodelle, Kostenschätzung, Disease-Management, Case-Management, Datenqualität, GKV, Gesundheitsökonomie.
Die Arbeit untersucht, wie deutsche gesetzliche Krankenkassen mittels Predictive-Modeling-Systemen ihre Versichertenbestandsrisiken aktiv steuern und prognostizieren können.
Zentral sind die methodische Vorgehensweise bei der Risikoanalyse, der Vergleich verschiedener internationaler Softwaresysteme und die organisatorischen Anforderungen an eine Implementierung in einer Krankenkasse.
Das Ziel ist es, Entscheidungsträgern in Krankenkassen fundierte Antworten zu geben, wie sie Predictive Modeling zur Identifikation von Hochkostenpatienten und zur Verbesserung der Versorgungseffizienz nutzen können.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der kritischen Auswertung empirischer Studien zur Schätzgüte von Risikomodellen (z.B. SOA-Studie und IGES/Lauterbach/Wasem-Studie).
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Ausgestaltung von Predictive Models, den Vergleich bestehender kommerzieller Systeme sowie die Ableitung eines praktischen Implementierungs-Vorgehensmodells.
Die zentralen Aspekte sind Predictive Modeling, Risikomanagement, Morbi-RSA, Risk Grouper und die Verbesserung der Prognosegenauigkeit bei der Leistungsausgaben-Steuerung.
Predictive Modeling nutzt Morbiditätsdaten (wie Diagnosen) anstelle bloßer vergangener Kosten, um auch Versicherte mit zukünftig hohem Risiko frühzeitig zu identifizieren, selbst wenn diese in der Vergangenheit noch keine extrem hohen Ausgaben verursacht haben.
Die geplante Einführung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs macht es für Krankenkassen zwingend erforderlich, die Morbidität ihres Versichertenbestandes präzise zu erfassen, was die Notwendigkeit für Predictive Modeling verstärkt.
Eine hohe Datenqualität ist entscheidend, da unvollständige oder fehlerhafte Diagnosedaten die Zuverlässigkeit der Prognosen drastisch senken und somit das Risikomanagement gefährden.
Es dient dazu, die mittels Predictive Modeling gewonnenen Daten verständlich an die Geschäftsführung zu vermitteln, damit diese rechtzeitig steuernde Maßnahmen einleiten kann.
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