Examensarbeit, 1977
66 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Einleitung
Kapitel 1 Biographischer und politischer Hintergrund: Voraussetzung für Motivation und Inhalt des Hobbes'schen Werkes
Kapitel 2 Die theoretischen Grundlagen der Hobbes'schen Staatstheorie
2.1. Die wissenschaftstheoretische Grundlage: Mos geometricus, die einzige Methode gesicherter Theoriebildung
2.2 Die naturwissenschaftlichen Grundlagen
2.2.1 Die Bewegungstheorie Galileis
2.2.2 Die anthropologische Grundthese: der Mensch als Maschine
Kapitel 3 Die Staatstheorie
3.1 Der Naturzustand und seine systematische Bedeutung
3.2 Der Herrschaftsvertrag
3.3 Probleme der Hobbes'schen Methode
3.4 Exkurs: Einige Folgen aus der Staatstheorie
Kapitel 4 Die ästhetische Theorie
4.1 Bereiche der ästhetischen Theorie und Probleme des Vorgehens
4.2 Die zentralen Termini der Hobbes'schen ästhetischen Theorie
4.3 Die Theorie der ästhetischen Wahrnehmung
4.4 Die Bedeutung und Aufgabe von Dichtung
4.4.1 Bewertung der Tätigkeit des Dichters im Vergleich zu der des Philosophen
4.4.2 Forderungen an die Sprache
Kapitel 5 Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses von Staatstheorie und ästhetischer Theorie in der Theorie von Thomas Hobbes
5.1. Allgemeines zur Problemstellung
5.2. Zusammenhang über die Anthropologie, dargestellt am ersten Teil des „Leviathan“
5.3 Zusammenhang über die Staatstheorie: Aufgaben der Dichtkunst im bürgerlichen Staat
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der Staatstheorie und der ästhetischen Theorie von Thomas Hobbes. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hobbes’ naturwissenschaftliche Grundannahmen – insbesondere seine mechanistische Anthropologie und seine Methode des "mos geometricus" – sowohl seine politische Philosophie als auch seine Ästhetik prägen und wie diese Teilbereiche innerhalb seines Werkes in Zusammenhang stehen.
Die anthropologische Grundthese: der Mensch als Maschine
Hobbes leitet aus dieser Naturlehre mit einer Konsequenz, deren Fähigkeit, sich über alle bestehenden Schranken des herrschenden Bewußtseins hinwegzusetzen, für seine Zeit als unglaublich erscheinen mußte, eine Anthropologie ab, deren Wirkung auf das geistige Leben (die beispielsweise darin zum Ausdruck kommt, daß seine Bücher von Studenten und Professoren der Universität von Oxford öffentlich verbrannt wurden) leicht vorstellbar ist, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Macht die kirchlichen Lehren vom Menschen als dem Geschöpf Gottes, vom freien bzw. durch die Gebote Gottes und der Kirche geleiteten Willen und vom Gewissen als moralischer Instanz im 17. Jahrhundert noch hatten. Die Ungeheuerlichkeit der Theorien dieses Mannes gipfelt in der Aussage, der Mensch selbst sei ein Mechanismus, der zwar komplizierter sei als alle bekannten Maschinen, jedoch letztlich aus nichts als aus körperlichen Teilen bestehe:
er unterscheidet sich von allen anderen Körpern in der Natur nicht etwa dadurch, daß irgendwelche Vorgänge in ihm anderen als den mechanischen Gesetzen gehorchen, sondern lediglich durch eine größere Kompliziertheit des Aufbaus und der Funktionen. Hobbes hat das Herz mit einer Feder, die Nerven mit Schnüren, die Gelenke mit Rädern verglichen, die den Körper in Bewegung setzen. Ist Hobbes gelegentlich vom Problem, daß der Mensch sich doch wenigstens durch sein Bewußtsein von einem Teil der übrigen Körper unterscheidet, gequält worden, hat er dieses Problem auch in verschiedenen Epochen seines Lebens in verschiedener Weise behandelt, so spricht er sich doch nirgends darüber eindeutig aus... Jedenfalls, so ist seine Meinung, berechtigt die Tatsache des Bewußtseins zu keinen anderen Erklärungen menschlichen Tuns als zu mechanischen, jedenfalls sind menschliche Bewegungen genau wie etwa Bewegungen der Atmosphäre aus Teilbewegungen als ihren Ursachen zu begreifen.
Einleitung: Umriss der Breite des Hobbes'schen Werkes und Problemstellung hinsichtlich des geringen Niederschlags seiner ästhetischen Überlegungen in der Literaturwissenschaft.
Kapitel 1: Darstellung des biographischen und politischen Kontextes Englands im 17. Jahrhundert, insbesondere der Einfluss der Bürgerkriegserfahrungen auf Hobbes' Denken.
Kapitel 2: Untersuchung der methodischen Grundlagen (mos geometricus) und der naturwissenschaftlichen Voraussetzungen (Bewegungstheorie, Mensch als Maschine) bei Hobbes.
Kapitel 3: Analyse der Staatstheorie, des Naturzustandes als "bellum omnium contra omnes" und der Notwendigkeit des Herrschaftsvertrages.
Kapitel 4: Erörterung der ästhetischen Theorie, der zentralen Begriffe wie "fancy" und "judgement" sowie der Rolle der Sprache und der Dichtung.
Kapitel 5: Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen Staats- und ästhetischer Theorie durch die gemeinsame anthropologische und methodische Basis.
Thomas Hobbes, Staatstheorie, ästhetische Theorie, Leviathan, mos geometricus, mechanistisches Weltbild, Anthropologie, Naturzustand, Herrschaftsvertrag, Phantasie, Urteilskraft, Sprache, Dichtung, politische Philosophie, Naturwissenschaft.
Die Arbeit analysiert das bisher wenig beachtete Verhältnis zwischen der politischen Staatstheorie und der ästhetischen Theorie von Thomas Hobbes.
Die Themenfelder umfassen die wissenschaftstheoretische Methode (mos geometricus), die Anthropologie, die Staatstheorie (Leviathan) sowie die Ästhetik und Sprachtheorie bei Hobbes.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie ein konsistenter Zusammenhang zwischen den politischen Aussagen und den ästhetischen Überlegungen des Autors besteht, basierend auf einer gemeinsamen naturwissenschaftlich-anthropologischen Basis.
Der Autor führt eine textanalytische Untersuchung durch, die Hobbes’ Originalschriften auf ihre methodischen und inhaltlichen Übereinstimmungen hin prüft und dabei maßgebliche Interpretationen (z.B. von Habermas oder Macpherson) einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der wissenschaftlichen Grundlagen, der Staatstheorie (Naturzustand und Vertrag) und der ästhetischen Theorie (Wahrnehmung, Phantasie und Sprache).
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "mos geometricus", "mechanistisches Weltbild", "Leviathan", "Anthropologie" und "Zusammenhang von Staats- und ästhetischer Theorie" definiert.
Hobbes betrachtet "fancy" und "judgement" in späteren Schriften als komplementäre Fähigkeiten; ein Dichter, der über diese verfügt und die Anforderungen der Philosophie erfüllt, wird dem Philosophen gleichgestellt.
Sprache ist für Hobbes zentral für das Denken und die gesellschaftliche Kommunikation; er fordert Klarheit, Eindeutigkeit und Aufrichtigkeit, da sinnlose Metaphern oder Rhetorik nur Verwirrung und Streit stiften.
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