Bachelorarbeit, 2021
60 Seiten, Note: 1,3
1. Was ist Wohnen?
1.1 Wohnen als menschliche Grundsituation
1.2 Wohnen im Heimatlichen versus Heimatlosen
1.3 Synästhesie und Phänomenologie
1.4 Mensch, Raum und Atmosphäre
1.5 Mensch und Architektur
2. Was ist ungutes Wohnen?
2.1 Stressoren
2.2 Von Wohnungen, die erschlagen
2.3 Wohnen in der Stadt als Gesundheitsfrage
2.4 Steigende Bodenpreise – Wohnraum als Knappheitsproblem
2.5 Wohnen und soziale Ungerechtigkeit
2.6 Wohnungs- und Obdachlosigkeit
2.7 Wohnen in Zeiten der Pandemie
3. Wie kann gutes Wohnen gelingen?
3.1 Realpolitische Aspekte und Möglichkeiten
3.1.1 Sozialer Wohnungsbau
3.1.2 Genossenschaftliches Wohnen
3.1.3 Wohnprojekte und Mietshäuser-Syndikat
3.2 Architektonische Faktoren
3.2.1 Sinnlich-sinnhafte Bedingungen für gutes Wohnen
3.2.2 Biophile Architektur
3.2.3 Nachhaltiges Bauen und Sanieren
3.3 Zwischenfazit
4. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht Wohnen als anthropologische Konstante und menschliche Grundsituation, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen ökonomischen Zweckmäßigkeiten und individuellen Bedürfnissen zur Selbstverwirklichung liegt. Die Arbeit analysiert, wie unterschiedliche Wohnformen und architektonische Gegebenheiten das menschliche Wohlbefinden beeinflussen, und diskutiert Lösungsansätze für ein gelingendes, gesundes Wohnen.
1.1 Wohnen als menschliche Grundsituation
Der Mensch wohnt. Wohnen als anthropologische Konstante, als menschliche Grundsituation zu deuten, fordert auf, den Menschen und seine kulturelle Eigenart des „Einrichtens in der Welt“ genauer zu betrachten. „ Ebenso wie das Haus als Gerüst zu deuten ist, muss auch die Welt, in der das architektonische Verhalten betrieben wird, als ein Gefüge, das die menschlichen Verhaltensweisen „trägt“, verstanden werden.“ Der Mensch befindet sich in einer Spannung von und einem ständigen Zwiespalt zwischen Natur und Kultur. Als natürlich gegeben können geographische Eigenarten betrachtet werden, die wiederum Einfluss auf die Art und Umsetzung des kulturellen Lebens und Bauens der Menschen haben. Als kulturell kann dann die Beherrschung der Natur, die Domestizierung, in Form von menschlichen Bauten, Gebäuden, Hütten oder sonstiger Architektur amplifiziert werden.
Der deutsche Philosoph Eugen Fink, der sich mit dem ursprünglichen Phänomen von der Welt und den Weltverhältnissen auseinandergesetzt hat, beschreibt den Sachverhalt des Wohnens als eine grundlegend anthropologische Bestimmung, als die Weise, wie sich der Mensch in der Welt einrichtet, weil er existiert. „Die Rede von „Wohnen“ oder „Wohnsitz“ des Menschen bezieht Fink also unmittelbar darauf, wie sich menschliches Leben als ein weltliches realisiert, oder anders gesagt, weltlich verfasst zu sein, ist gleichbedeutend mit dem Faktum, ein sich orthaft-zeitlich generierendes Lebensverständnis auszubilden.“ Fink beschreibt das Phänomen Wohnen als Selbstverhalten menschlicher Existenz. Dieses Selbstverhalten der Menschen erläutert Fink am Begriff der physis, welche im antiken Sinne das Eingefügtsein des Menschen in der Welt meint. Für Fink setzt das Selbstverhalten des Menschen, ein Weltverhalten voraus. So wird, laut Fink, das Selbstverhalten von dem Weltverhalten „getragen“, „da das Verhalten zur Welt insofern „früher“ ist, als in diesem Verhalten und durch es das zeit-räumliche Wirken der Welt zugänglich wird.“ Der Mensch verhält sich im Selbstverhalten also immer auch automatisch zur Welt und im Weltverhalten zu sich selbst. Jedes Selbstverhalten ist somit auf die Welt bezogen, das Selbstverhalten ist insofern gleich Weltverhalten, da das menschliche Sein Welt im Wie des Selbstverhaltens einschließt.
1. Was ist Wohnen?: Dieses Kapitel definiert Wohnen als eine menschliche Grundsituation und anthropologische Konstante, die eng mit philosophischen Konzepten von Weltverhältnis, Atmosphäre und Architektur verknüpft ist.
2. Was ist ungutes Wohnen?: Hier werden die verschiedenen Stressoren analysiert, die ein gesundes Wohnen verhindern, wie etwa Umweltbelastungen, soziale Dichte, hohe Bodenpreise und die besonderen Herausforderungen durch die Pandemie.
3. Wie kann gutes Wohnen gelingen?: Das Kapitel diskutiert realpolitische Maßnahmen und architektonische Lösungsansätze, wie sozialen Wohnungsbau, Genossenschaften und nachhaltige, biophile Bauweisen, um Lebensqualität zu verbessern.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Wohnen ein existenzielles Grundbedürfnis ist, dessen Qualität maßgeblich von einer humanen Architektur und politischen Rahmenbedingungen abhängt, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen.
Wohnen, Anthropologie, Architekturtheorie, Stressoren, Urbaner Raum, Wohnraummangel, Soziale Ungerechtigkeit, Biophilie, Nachhaltiges Bauen, Phänomenologie, Wohnqualität, Selbstverwirklichung, Wohnungspolitik, Raumwahrnehmung, Gesundheit
Die Arbeit untersucht das menschliche Wohnen als anthropologische Konstante und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen notwendigem Zweckbau und der Möglichkeit zur persönlichen Selbstverwirklichung.
Die zentralen Themen sind die philosophische Einordnung des Wohnens, die Identifikation von negativen Umwelteinflüssen (Stressoren) sowie die Suche nach zukunftsfähigen, menschzentrierten Wohn- und Architekturkonzepten.
Das Ziel ist es, zu ergründen, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Wohnen als gelingend und gesund empfunden wird, und wie Architektur dabei als Mittel zur Lebensgestaltung fungieren kann.
Die Arbeit nutzt kulturwissenschaftliche und philosophische Ansätze, insbesondere die Architekturtheorie und Phänomenologie, um das Wechselverhältnis von Mensch, Raum und Umwelt zu analysieren.
Im Hauptteil werden zunächst die Definitionen des Wohnens, dann die negativen Faktoren wie Stressoren und soziale Not, und schließlich konkrete politische sowie architektonische Lösungsstrategien für ein "gutes Wohnen" behandelt.
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Wohnen, Architektur, Stressoren, Anthropologie, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit charakterisieren.
Durch Dichte, Lärm und eine mangelhafte architektonische Gestaltung können Stressreaktionen ausgelöst werden, die bis zu psychischen Erkrankungen führen; eine humane Architektur kann hingegen als präventives Mittel wirken.
Die Arbeit kontrastiert das ortsgebundene Heimatverständnis (z.B. bei Heidegger) mit nomadischen oder heimatlosen Daseinsformen (z.B. bei Flusser), um die Vielschichtigkeit des menschlichen Bedürfnisses nach einem Ankerplatz aufzuzeigen.
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