Bachelorarbeit, 2020
38 Seiten, Note: 1,8
1. EINLEITUNG
2. POLITIKWISSENSCHAFTLICHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE IN DER ÜBERSICHT UND IM VERGLEICH
2.1. WOLFGANG MERKEL
2.2. UWE JUN
2.3. FRANK DECKER
2.4. OSKAR NIEDERMAYER
2.5. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION DER POLITIKWISSENSCHAFTLICHEN ANSÄTZE
3. QUALITATIVE EXPERTENINTERVIEWS: DIE PERSPEKTIVE DER PRAXIS
3.1. HORAND KNAUP
3.2. GEORG BROCKMEYER
3.3. MICHAEL RÜTER
3.4. LARS KÜHN
3.5. REFLEXION DER ZENTRALEN AUSSAGEN DER EXPERTENINTERVIEWS
4. DIE BEGRÜNDUNGSSTRUKTUREN VON WISSENSCHAFT UND POLITIK IM VERGLEICH
5. DIE BEGRÜNDUNGSSTRUKTUREN IN DER TABELLARISCHEN ÜBERSICHT
6. FAZIT
7. ANHANG
8. LITERATURVERZEICHNIS
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründe für das historisch schlechte Abschneiden der SPD bei der Bundestagswahl 2017. Ziel ist es, durch die Verknüpfung politikwissenschaftlicher Erklärungsansätze mit der praxisnahen Perspektive von Experten zu ergründen, warum das gesteckte Wahlziel der Kanzlerschaft nicht erreicht werden konnte.
2.1. Wolfgang Merkel
In der Einleitung wurde die Grundthese des Politologen Wolfgang Merkels schon kurz angerissen: Er beobachtet eine neue Konfliktlinie, die Europas Parteienlandschaft grundlegend verändert (vgl. Merkel 2017: 9). Diese dreht sich in erster Linie um die Frage, wie stark die Grenzen des Nationalstaats etwa für Migration geöffnet oder geschlossen werden und inwieweit nationalstaatliche Kompetenzen an supranationale Organisationen wie die Europäische Union abgeben werden sollen. Diese Konfliktlinie wird laut Merkel verkörpert durch überdurchschnittlich gebildete Befürworter von Grenzöffnungen und Globalisierung auf der einen und geringer gebildeten Befürwortern des Nationalstaats sowie Kritikern von Migration und Globalisierung auf der anderen Seite (vgl. ebd.). Zugespitzt stehen sich Globalisierungsgewinner und -verlierer auch Kosmopoliten und Kommunitaristen gegenüber. Dabei handle es sich um „knappe idealtypische Konstruktionen“ (Merkel 2017: 12). Dem Verfasser dieser Arbeit ist bewusst, dass der Dualismus Kommunitaristen und Kosmopoliten bei weitem nicht die ganze Breite der ausdifferenzierten Wählerschaft beschreibt. Um die nachfolgende Argumentation zu untermauern, macht diese binäre Unterscheidung jedoch Sinn.
In einer von Merkel, Michael Zürn und Ruud Koopmanns durchgeführten Untersuchung lassen sich zwei Konfliktdimensionen erkennen: eine ökonomische, an wirtschaftlichen Interessen ausgerichtete einerseits und eine kulturelle, die sich insbesondere an Fragen der Multikulturalität und der Immigration beziehungsweise der Aufnahme von Flüchtlingen polarisiert andererseits (vgl. Merkel 2017: 13). Je mehr beide Dimensionen gemeinsam auf einem Pol überlappen und dies von hinreichend vielen Individuen so gesehen oder gefühlt wird, umso höher ist das sozial-kulturelle Konfliktpotenzial (vgl. ebd.). Oliver Strijbis, Celine Teney und Marc Helbling diagnostizieren in ihrer Fünf-Länder-Vergleichsstudie eine klare Teilung in kosmopolitische Eliten und kommunitaristische „Massen“ (vgl. De Wilde/Koopmanns/Merkel/Strijbis/Zürn 2017).
1. EINLEITUNG: Einführung in die Ausgangslage der Bundestagswahl 2017 und Darlegung der Forschungsfrage zur Wahlniederlage der SPD.
2. POLITIKWISSENSCHAFTLICHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE IN DER ÜBERSICHT UND IM VERGLEICH: Theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen politikwissenschaftlichen Perspektiven auf die strukturellen, programmatischen und personellen Probleme der SPD.
3. QUALITATIVE EXPERTENINTERVIEWS: DIE PERSPEKTIVE DER PRAXIS: Präsentation und Analyse von Experteninterviews mit Akteuren, die direkt an der Wahlkampfführung oder -evaluation beteiligt waren.
4. DIE BEGRÜNDUNGSSTRUKTUREN VON WISSENSCHAFT UND POLITIK IM VERGLEICH: Synthese der wissenschaftlichen Analysen und der Erkenntnisse aus den Experteninterviews zur Diskussion der zentralen Aussagen.
5. DIE BEGRÜNDUNGSSTRUKTUREN IN DER TABELLARISCHEN ÜBERSICHT: Zusammenfassende tabellarische Darstellung der Ergebnisse hinsichtlich der strukturellen, programmatischen und personellen Ebenen.
6. FAZIT: Zusammenführung der Erkenntnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage, wobei betont wird, dass die Niederlage auf ein komplexes Geflecht verschiedener Ursachen zurückzuführen ist.
7. ANHANG: Kurze Biografien der im Rahmen der Arbeit befragten Experten und der zitierten Politologen.
8. LITERATURVERZEICHNIS: Vollständige Auflistung der verwendeten Quellen und Literatur.
Bundestagswahl 2017, SPD, Wahlniederlage, Martin Schulz, Agenda 2010, Soziale Gerechtigkeit, Wahlkampf, Politische Kommunikation, Konfliktlinie, Kosmopoliten, Kommunitaristen, Strukturwandel, Parteienlandschaft, Vertrauensverlust, Kanzlerkandidat
Die Arbeit analysiert die Ursachen für das schlechte Abschneiden der SPD bei der Bundestagswahl 2017 unter Berücksichtigung sowohl wissenschaftlicher Theorien als auch praktischer Expertenperspektiven.
Die Untersuchung konzentriert sich primär auf die strukturellen, programmatischen und personellen Faktoren, die den Wahlverlauf und das Endergebnis beeinflusst haben.
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Warum hat die SPD die Bundestagswahl 2017 verloren, und wie lassen sich die Erklärungsfaktoren aus Sicht von Wissenschaft und Politik einordnen?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse politikwissenschaftlicher Erklärungsansätze mit einer qualitativen Methode, basierend auf leitfadengestützten Experteninterviews mit ehemaligen Wahlkampfverantwortlichen und Beobachtern.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung durch etablierte Politikwissenschaftler sowie die Auswertung von persönlichen Interviews mit Akteuren wie Horand Knaup, Georg Brockmeyer, Michael Rüter und Lars Kühn.
Wichtige Schlagworte sind neben der SPD und der Bundestagswahl 2017 insbesondere Begriffe wie "Agenda 2010", "Soziale Gerechtigkeit", "Wahlkampfführung" und die polarisierende Konfliktlinie zwischen "Kosmopoliten" und "Kommunitaristen".
Der Personenfaktor Martin Schulz wird als zentrales Element untersucht, wobei insbesondere die anfangs euphorische Wahrnehmung und der spätere Vertrauensverlust sowie strategische Fehler in seiner Kampagne kritisch hinterfragt werden.
Die Arbeit arbeitet heraus, dass die Agenda 2010 als fortwährender Belastungsfaktor für die SPD identifiziert wurde, der zu einer dauerhaften Entfremdung von Teilen der Stammwählerschaft und zu Glaubwürdigkeitsproblemen in der programmatischen Ausrichtung führte.
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