Masterarbeit, 2020
109 Seiten
1. Einleitung
2. Migration
2.1. Gegenwärtige Situation in Deutschland
2.2. Entwicklung der Migration in Deutschland
2.3. Migration und Bildung: Von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Pädagogik
3. Bildungsbenachteiligungen
3.1. Darstellung der Bildungsdisparitäten
4. Erklärungsansätze für die Entstehung von Bildungsbenachteiligungen
4.1. Soziale Herkunft
4.1.1. Kapitaltheorie nach Bourdieu
4.1.2. Primäre und Sekundäre Herkunftseffekte nach Boudon
4.2. Die Rolle der Sprache
4.2.1. Die Defizithypothese nach Bernstein
4.2.2. Zwei- und Mehrsprachigkeit
4.2.2.1. Darstellung der Forschungssituation
4.2.2.2. Spracherwerbstheorien – Die Interdependenz- und Schwellenhypothese
4.2.2.3. Einflussfaktoren auf den Spracherwerb
4.3. Schule und Schulsystem
4.3.1. Institutionelle Diskriminierung
4.3.2. Der Monolinguale Habitus
4.3.3. Die Bildungssprache
4.4. Zwischenfazit
5. Sprachsensibler Fachunterricht
5.1. Entwicklung im deutschsprachigen Raum
5.2. Voraussetzungen zur Durchführung
5.2.1. Das Prinzip des Seitenwechsels
5.2.2. Diagnostische Kompetenz
5.3. Scaffolding
5.3.1. Der Planungsrahmen
5.3.2. Das Konkretisierungsraster
5.3.3. Die Schlüsselworttabelle
5.3.4. Umsetzung in drei Phasen
6. Diskussion
7. Fazit
Die Masterarbeit untersucht, inwiefern sprachsensibler Fachunterricht in der Grundschule dazu beitragen kann, Bildungsbenachteiligungen bei Kindern mit Migrationshintergrund abzubauen, indem fachliches und sprachliches Lernen integrativ miteinander verknüpft werden.
4.2.1. Die Defizithypothese nach Bernstein
Zwischen der sozialen Herkunft von Schüler*innen und deren sprachliche Kompetenzen, welche, wie bereits deutlich herausgearbeitet wurde, eine maßgebliche Voraussetzung für den jeweiligen Schulerfolg sind, besteht ein enger Zusammenhang (Schnoor, 2019). Bereits bei dreijährigen Kindern zeigt sich je nach Schichtzugehörigkeit eine erhebliche Differenz im Wortschatz. So konnte beispielweise gezeigt werden, dass Kinder aus einem Elternhaus mit dem höchsten Bildungsabschluss bereits um die 30 Millionen Wörter gehört haben, Kinder aus Arbeiterfamilien um die 20 Millionen Wörter und solche aus Sozialhilfefamilien nur bis zu 10 Millionen Wörter (Hart & Risley, 1995). Als theoretischer Erklärungsansatz für diese Korrelation kann die Defizithypothese nach Basil Bernstein (1964) herangezogen werden, in welcher zwischen zwei verschiedenen Sprachcodes unterschieden wird.
Bildungsbezogene Diversitäten zwischen Schüler*innen aus der Arbeiterschicht und Schüler*innen aus der mittleren sowie oberen Schicht erklärte er sich über die jeweils unterschiedlichen schichtspezifischen Sozialisationsprozesse, welche unter anderem eine sprachliche Sozialisation beinhalten (Bernstein, 1964). Sozialisationsbedingungen führen demnach zu der Entwicklung von schichtspezifischen sprachlichen Codes, also zu „[…] sprachlichen Organisationssystemen, in denen ein schichtspezifisches Repertoire an sprachliche Handlungsmuster gebündelt ist“ (Schnoor, 2019, S.59). Je nachdem, wie variabel dieses Repertoire ist, kann eine Person kompetenter oder auch weniger kompetent mit sprachlichen Anforderungen oder spezifischen Kommunikationssituationen umgehen und sprachlich auf diese reagieren. Hier unterscheidet Bernstein zwischen einem restringierten und einem elaborierten sprachlichen Code. Der restringierte Code meint eine sprachliche Organisationsform, welche in Bezug auf die Syntax sehr gering variabel ist (Bernstein, 1964). Darüber hinaus kennzeichnet er sich durch stereotype, kurze Sätze und einfache Wörter. Dieser Sprachcode wird verstärkt in Situationen genutzt, in welchen soziale Beziehungen im Vordergrund stehen und gemeinsame Vorstellungen und Interessen geteilt werden. Beispielhaft hierfür wären Freundschaften oder auch Vereine. Bernstein sieht diesen restringierten Code, welcher zu einer Reproduktion von sozialen Strukturen und zu einer Erzeugung von Solidarität beiträgt, als typische Eigenschaft und Organisationsform der Arbeiterschicht (ebd.).
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Disparitäten im deutschen Bildungssystem und stellt die Notwendigkeit dar, durch sprachsensiblen Unterricht Bildungsnachteilen entgegenzuwirken.
2. Migration: Dieses Kapitel erläutert aktuelle Migrationsphänomene und deren historische Entwicklung in Deutschland sowie den Wandel der pädagogischen Sichtweise von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Pädagogik.
3. Bildungsbenachteiligungen: Hier werden die messbaren Bildungsdisparitäten zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund dargelegt, insbesondere unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Schulleistungen in verschiedenen Kompetenzbereichen.
4. Erklärungsansätze für die Entstehung von Bildungsbenachteiligungen: Das Kapitel analysiert die komplexen Ursachen für Ungleichheit, wobei soziale Herkunft, sprachliche Barrieren und die Strukturen des Schulsystems als wesentliche Faktoren identifiziert werden.
5. Sprachsensibler Fachunterricht: Es werden didaktische Konzepte wie Scaffolding vorgestellt, die darauf abzielen, sprachliche und fachliche Kompetenzen systematisch im Unterricht zu fördern.
6. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, wobei insbesondere die Gefahr einer defizitären Sichtweise auf Migration sowie die Bedeutung einer ressourcenorientierten Haltung hervorgehoben werden.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass sprachsensibler Unterricht zwar großes Potenzial bietet, jedoch eine tiefgreifendere Verankerung in der Lehrerausbildung und im System Schule erfordert.
Sprachsensibler Fachunterricht, Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Mehrsprachigkeit, Bildungssprache, Scaffolding, Soziale Herkunft, Bourdieu, Institutionelle Diskriminierung, Monolingualer Habitus, Interkulturelle Pädagogik, Sprachförderung, Diagnostische Kompetenz, Schulerfolg, Sprachstandserhebung.
Die Arbeit befasst sich mit den Bildungsdisparitäten von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Grundschulsystem und untersucht, wie ein sprachsensibler Fachunterricht dazu beitragen kann, diese Benachteiligungen abzubauen.
Zentrale Themen sind die Ursachen für Bildungsungleichheit, die Bedeutung der sozialen Herkunft, die Rolle von Mehrsprachigkeit sowie die institutionelle Gestaltung von Schule und Unterricht.
Die Forschungsfrage lautet: „Wie kann sprachsensibler Fachunterricht in der Grundschule Bildungsbenachteiligungen von Kindern mit Migrationshintergrund entgegenwirken?“
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie der Auswertung bestehender Schulleistungsstudien und bildungswissenschaftlicher Theorien (z. B. Kapitaltheorie nach Bourdieu, Schwellenhypothese nach Cummins) basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung von Bildungsdisparitäten, eine Analyse der Erklärungsansätze (Soziale Herkunft, Sprache, Schulsystem) sowie die Vorstellung konkreter didaktischer Konzepte für einen sprachsensiblen Fachunterricht.
Zu den prägenden Begriffen gehören unter anderem Sprachsensibler Fachunterricht, Bildungsbenachteiligung, Mehrsprachigkeit, Bildungssprache und Scaffolding.
Eine rein additive Sprachförderung greift oft zu kurz, da sie Sprache vom Fachinhalt trennt. Der sprachsensible Fachunterricht setzt hingegen auf eine durchgängige Sprachbildung, die in allen Fächern integriert ist.
Der monolinguale Habitus bezeichnet die institutionelle Einsprachigkeit von Schulen als Norm. Dies führt dazu, dass Kinder mit einer nichtdeutschen Erstsprache oft strukturell benachteiligt werden, da ihre Mehrsprachigkeit im Schulalltag häufig nicht als Ressource, sondern als Hindernis gewertet wird.
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