Masterarbeit, 2021
57 Seiten
1. Einleitung
2. Von apokalyptischen Texten der Antike zum postapokalyptischen Narrativ gegenwärtiger Literatur – eine Skizze
3. Theorie: Merkmale postapokalyptischer Texte
3.1. Postapokalyptische Motive in Die Arbeit der Nacht
4. Methodik: Raumtheorie
4.1. Raumsemantik nach Jurij M. Lotman
4.2. Nicht-Orte nach Marc Augè
5. Raumtheoretische Analyse von Die Arbeit der Nacht
5.1. Nicht-Orte als Inszenierung von Isolation
5.1.1. Transiträume: Funktionalität im leeren Raum
5.1.2. Erinnerungsräume: Das Gedächtnis des Raumes
5.2. Raumaneignung durch Schrift
5.3. Grenzüberschreitungen nach Jurij M. Lotman
5.3.1. Die mediale Erweiterung des Raumes: Das Unerfahrbare erfahrbar machen
5.3.2. Die Reise nach England: Das Vertraute und das Fremde
5.3.3. Der Suizid als letzte Grenze
6. Fazit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht das Verhältnis von Raum und Romanfigur in Thomas Glavinics postapokalyptischem Roman "Die Arbeit der Nacht". Ziel ist es zu analysieren, wie die räumliche Ordnung und die psychische Entwicklung des Protagonisten Jonas in einer menschenleeren Welt miteinander interagieren und sich gegenseitig destabilisieren.
1. Einleitung
Ein Mann Mitte Dreißig tritt eines Morgens aus seiner Wiener Wohnung hinaus auf die Straße und stellt fest, dass er allein ist. Eine verlassene Stadt offenbart sich ihm – Menschen und Tiere sind über Nacht verschwunden. Nach mehreren Versuchen, die Situation zu sondieren, muss er einsehen, dass die Abwesenheit allen Lebens sich nicht auf Wien beschränkt. Österreichische Städte, europäische Nachbarländer, England: Nirgends eine Spur von Leben.
Dies ist die Ausgangssituation in Thomas Glavinics 2006 erschienenen Roman Die Arbeit der Nacht. Die Motivik erinnert an postapokalyptische Narrative, die in Deutschland ab den 1950er Jahren vermehrt in Literatur und Film auftreten. Angefangen mit Arno Schmidts Schwarze Spiegel (1951) und Marlen Haushofers Die Wand (1963) konzentrieren sich die postapokalyptischen Texte auf eine*n Protagonisten*in oder eine kleine Gruppe Menschen, die nach einer Katastrophe in einer Welt ohne Zivilisation verbleibt.
Während in Die Wand im Laufe der Handlung ein Mann in das Revier der Protagonistin eindringt und eines ihrer Tiere angreift, und die Hauptfigur in Schwarze Spiegel auf eine Frau trifft, mit der sie temporär eine Beziehung eingeht, ist Glavinics Protagonist Jonas bis zum Ende allein. Dieser Umstand ist eine Besonderheit in der postapokalyptischen Narrativik. Ohne eine Erklärung für das Verschwinden der Menschen und Tiere abzuliefern, wird der Roman zu einem abstrakten Gedankenexperiment, das die existenzielle Frage aufwirft, was Menschsein ausmacht. In vollkommener Einsamkeit verliert Jonas zunehmend den Verstand und entwickelt einen Verfolgungswahn. Am Ende bleibt für ihn nur noch der Suizid. Ohne ein Gegenüber, in dem er sich spiegeln kann, ist sein Dasein sinnlos.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Ausgangssituation des Romans ein, erläutert die postapokalyptische Tradition und formuliert die These der Wechselbeziehung zwischen der isolierten Romanfigur und dem veränderten Raum.
2. Von apokalyptischen Texten der Antike zum postapokalyptischen Narrativ gegenwärtiger Literatur – eine Skizze: Das Kapitel skizziert die literaturhistorische Entwicklung vom biblischen Apokalypse-Verständnis hin zum säkularisierten, endgültigen Weltuntergangsszenario in modernen Narrativen.
3. Theorie: Merkmale postapokalyptischer Texte: Hier werden die theoretischen Grundlagen postapokalyptischer Erzählstrukturen erarbeitet und auf Glavinics Roman angewandt, wobei die Katastrophe als statischer Fixpunkt betont wird.
4. Methodik: Raumtheorie: Dieses Kapitel stellt die raumtheoretischen Instrumente vor: Lotmans Raumsemantik zur Analyse semantischer Felder sowie Augés Konzept der "Nicht-Orte" zur Untersuchung funktionaler, identitätsloser Räume.
5. Raumtheoretische Analyse von Die Arbeit der Nacht: Der Analyseteil untersucht detailliert, wie Nicht-Orte Isolation inszenieren, Jonas versucht, sich den Raum durch Schrift anzueignen, und wie verschiedene Grenzüberschreitungen die Handlungsdynamik und den psychischen Zerfall der Figur strukturieren.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Raum und Figur sich gegenseitig bedingen und wie Jonas' Suizid die finale Konsequenz des Verlusts von Identität und räumlicher Kontrolle darstellt.
Postapokalyptische Literatur, Thomas Glavinic, Die Arbeit der Nacht, Raumtheorie, Jurij M. Lotman, Marc Augé, Nicht-Orte, Isolation, Identitätsverlust, Jonas, literarische Raumdarstellung, Suizid, Erinnerungsräume, Romananalyse, Weltuntergangsszenario.
Die Arbeit untersucht das Wechselspiel zwischen der Romanfigur Jonas und dem sich wandelnden Raum in Thomas Glavinics Roman "Die Arbeit der Nacht" nach einer globalen Katastrophe.
Die Arbeit fokussiert sich auf postapokalyptische Narrative, Raumtheorie, die Bedeutung von Isolation sowie die Konstruktion von Identität durch den Raum.
Wie ist die Wechselbeziehung zwischen Romanfigur und Raum erzählerisch gestaltet und wie beeinflusst diese den psychischen Verfall der Figur Jonas?
Es werden raumtheoretische Ansätze, insbesondere die Raumsemantik nach Jurij M. Lotman und das Konzept der "Nicht-Orte" nach Marc Augé, als analytisches Instrumentarium verwendet.
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise von Nicht-Orten, Jonas' Versuche der Raumaneignung durch Schrift und Medien sowie die durch Grenzüberschreitungen strukturierte Handlungsdynamik.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Postapokalypse, Raumsemantik, Nicht-Orte, Isolation, Identitätsverlust und Narratologie geprägt.
Der Schläfer wird als Projektion von Jonas' Unterbewusstsein und als abgespaltenes Alter Ego analysiert, dessen Handlungen den Kontrollverlust des Protagonisten verdeutlichen.
Die Reise fungiert als Grenzüberschreitung in ein fremdes, semantisiertes "Antifeld", welches Jonas' Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit Marie repräsentiert und letztlich zu seinem Suizid führt.
Die Nicht-Orte wie Bahnhöfe oder Flughäfen zwingen Jonas in eine anonyme Rolle; ihr Leerlaufen nach der Katastrophe verstärkt sein Gefühl der Einsamkeit und treibt seine paranoide Suche nach menschlichen Spuren voran.
Die Arbeit deutet den Suizid als logische Konsequenz der vollständigen Dekonstruktion der räumlichen Ordnung und als finalen Akt der "Erlösung" von der sinnlos gewordenen Isolation.
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