Examensarbeit, 2006
91 Seiten, Note: 2,0
1 Begründung des Themas
2 Psychomotorische Grundsätze und Konzepte
2.1 Allgemeine Prinzipien
2.1.1 Körper-, Material- und Sozialerfahrung
2.1.2 Didaktische Grundsätze in der Psychomotorik
2.1.3 Die Persönlichkeit des Psychomotorikers und die Rolle der Erwachsenen
2.1.4 Rahmenbedingungen der Förderung
2.2 Die Psychomotorische Übungsbehandlung nach KIPHARD und ihre Entwicklung
2.3 Der Kindzentrierte Ansatz nach ZIMMER
2.4 Der Verstehende Ansatz nach SEEWALD
3 Das Spiel
3.1 Allgemeine Merkmale des Spiels
3.1.1 HUIZINGA (1872-1945)
3.1.2 SCHEUERL (*1919)
3.2 Verschiedene Vertreter und ihre Theorien
3.2.1 SCHILLER (1759 - 1805)
3.2.2 FRÖBEL (1782-1852)
3.2.3 PIAGET (1896 - 1980)
3.2.4 KRAPPMANN (*1936)
3.3 Was behindert das Spiel heutzutage?
3.4 Verschiedene Typen des Spiels
3.4.1 Sensomotorische Spiele (Spiele mit etwas)
3.4.2 Symbolspiel (Spiel als etwas)
3.4.3 Regelspiel (Spielen um etwas)
3.4.4 Lernspiel
4 Das Spiel in der Psychomotorik
4.1 ZIMMER
4.1.1 Rahmenbedingungen für das Spiel
4.1.2 Das Symbolspiel
4.1.3 Das sinnvolle Kinderspiel
4.2 BEINS
4.2.1 Verschiedene Spiele
4.2.2 Allgemeine Merkmale
4.2.3 Kindergarten
4.3 Weitere Möglichkeiten des Spiels in der Psychomotorik
4.3.1 Das Spiel als Therapie
4.3.2 Spiele im Wasser
4.3.3 Tischspiele
4.3.4 Spiele an Automaten
5 Die Kindergruppe
5.1 Rahmenbedingungen
5.1.1 Institutionelle Voraussetzungen
5.1.2 Räumlichkeiten und Ausstattung
5.1.3 Anthropologische Voraussetzungen
5.1.4 Ablauf und Prinzipien der Stunden
5.2 Einzelne bedeutungsvolle Situationen
5.2.1 Das „Ungeheuer“ Ismet
5.2.2 Spiele auf dem Trampolin
5.2.3 Spiele mit Wasser
5.2.4 Bewegungslandschaft „Dschungel“
5.2.5 Bewegungslandschaft „Wiese“
5.2.6 Markus und Simon
5.3 Einordnung der Stunden in psychomotorische Theorien
5.4 Auswirkungen der Förderung auf das Verhalten der Kinder
6 Reflexion und konstruktive Kritik
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung des Spiels für die psychomotorische Entwicklungsförderung von Kindern zu beleuchten und anhand einer Kindergruppe in der Praxis zu reflektieren, um aufzuzeigen, wie Bewegung und Spiel die psychische und soziale Entwicklung positiv beeinflussen können.
3.1.1 HUIZINGA (1872-1945)
JOHANN HUIZINGAs Buch „Homo Ludens“ spielt eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung von Spieltheorien und der Spielforschung allgemein. Übersetzt heißt der Titel „Der spielende Mensch“. Er stellt das Spiel als wichtigen Baustein der Kultur dar, der fast alle Bereiche des Lebens untermauert. Das Spiel ist mehr „als eine rein physiologische Erscheinung oder eine rein physiologisch bestimmte psychische Reaktion“ (HUIZINGA, 1938, S. 143). Es hat Sinn und bedeutet etwas. Deshalb stelle ich im Folgenden einige Merkmale vor, die für HUIZINGA das Spiel charakterisieren. Ich orientiere mich dabei an der Zusammenstellung von NESTLE (2005) und HUIZINGAS Aufsatz in SCHEUERL (1975).
Für HUIZINGA ist Spielen zunächst freies und freiwilliges Handeln, weil es keine physische Notwendigkeit besitzt, noch eine sittliche Pflicht ist. Der Mensch kann sich selbst entscheiden, ob er spielen möchte oder nicht. Spielt ein Kind, so tritt es aus dem normalen Alltag für eine begrenzte Zeit heraus. Das heißt, es gibt einen Anfang und ein Ende. Das Spiel findet meistes in einem abgeschlossenen Raum statt und hat sein Ziel in sich selbst. Diese Darlegung meint aber nicht, dass das Spiel überflüssig sei. Im Gegenteil, es „schmückt“ und ergänzt das Leben und ist insofern unbedingt nötig.
Ein weiteres Merkmal nach HUIZINGA ist, dass das Spiel wiederholbar ist. Viele Spiele charakterisiert geradezu das immer Wiederkehrende. Das kann im Kinderspiel das Aufbauen eines Turmes sein, das regelmäßige Würfeln oder das Üben einer bestimmten Szene im Rollenspiel. Es gelten Regeln und feste Ordnungen, an die sich der halten muss, der mitspielen möchte. Das schafft die „zeitweilige begrenzte Vollkommenheit“ (Huizinga, 1938, S. 146) im verworrenen Leben. Die kleinste Abweichung kann das Spiel verderben und es wertlos machen.
1 Begründung des Themas: Einleitung in die Thematik der Psychomotorik und Darstellung des Forschungsinteresses an der Bedeutung des Spiels.
2 Psychomotorische Grundsätze und Konzepte: Überblick über theoretische Grundlagen und Ansätze nach Kiphard, Zimmer und Seewald.
3 Das Spiel: Analyse von Spieltheorien verschiedener Vertreter sowie Kategorisierung von Spieltypen.
4 Das Spiel in der Psychomotorik: Vertiefende Betrachtung der praktischen Anwendung und Einbindung des Spiels in psychomotorische Settings.
5 Die Kindergruppe: Vorstellung des Praxisteils mit Beobachtungen zu einzelnen Kindern und Reflexion der angewandten Methoden.
6 Reflexion und konstruktive Kritik: Kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit und den Beobachtungen in der Gruppe.
Psychomotorik, Kinderspiel, Entwicklungsförderung, Psychomotorische Übungsbehandlung, Selbstkonzept, Symbolspiel, Regelspiel, Kindorientierung, Rollentheorie, Bewegungserziehung, Sozialkompetenz, Selbstwirksamkeit, Motologie, Wahrnehmung.
Die Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung des Spiels in der psychomotorischen Entwicklungsförderung von Kindern und verknüpft dabei theoretische Konzepte mit praktischen Beobachtungen in einer Kindergruppe.
Die Arbeit behandelt die Grundlagen der Psychomotorik, verschiedene Spieltheorien, gesellschaftliche Einflussfaktoren auf das kindliche Spiel sowie die Anwendung dieser Erkenntnisse in der therapeutischen und pädagogischen Praxis.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch gezielte, kindzentrierte Bewegungsangebote und das Medium Spiel das Selbstkonzept und die soziale Kompetenz bei Kindern mit Entwicklungsdefiziten gestärkt werden können.
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche zu psychomotorischen Theorien sowie auf eine qualitative Beobachtungsstudie in zwei Kindergruppen, ergänzt durch Fragebögen an Eltern und Psychomotoriker.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der Psychomotorik-Konzepte, eine detaillierte Auseinandersetzung mit Spieltheorien (u.a. Huizinga, Piaget, Fröbel) und die anschließende Übertragung dieser Erkenntnisse auf den Praxisteil mit Fallbeispielen.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Psychomotorik, Selbstwirksamkeit, kindzentrierter Ansatz, Symbolspiel und die Bedeutung der Persönlichkeit des Psychomotorikers.
Ismet zeigt beispielhaft, wie ein Kind durch das Spiel in eine machtvolle Rolle schlüpfen kann, um sprachliche Defizite zu kompensieren und angstbesetzte Situationen eigenständig zu verarbeiten.
Weil Kinder oft einen eigenen, für Außenstehende nicht immer sofort ersichtlichen Sinn in ihr Spiel legen, den man als Therapeut wahren und unterstützen muss, anstatt ihn durch zu starre Lernziele zu zerstören.
Sie dient als komplexes Fallbeispiel, das soziale Interaktionen und die Notwendigkeit von Verhandlungen zwischen den Kindern (z.B. bei Begegnungen in der Mitte) provoziert und so Kompetenzen zur Konfliktlösung fördert.
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