Bachelorarbeit, 2021
34 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
Das Avunkulat
Gawein und König Artus
Gawein - Der Mutterbruder in Absentia
Mabonagrin und König Ivreins von Brandigan
Die problematische Avunkulatsbeziehung im Parzival Wolframs von Eschenbach
Fazit
Diese Arbeit untersucht die komplexen Verwandtschaftsstrukturen zwischen Mutterbruder und Schwestersohn in den Artusromanen der mittelhochdeutschen Klassik, mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Werken von Wolfram von Eschenbach und Hartmann von Aue.
Gawein und König Artus
Die Bindung zwischen Artus und Gawein ist besonders interessant zu beobachten, da sie nahezu am besten auserzählt ist. Sowohl Artus als auch Gawein spielen bedeutende Rollen in den mittelhochdeutschen Artusromanen. Die Verbindung der beiden wird in allen drei Texten, Erec, Iwein und Parzival, beschrieben. Am deutlichsten wird die sehr positiv konnotierte Bindung jedoch im Parzival. Das Avunkulat steht als Konstante im Kontrast zu den nicht oder kaum auserzählten familiären Beziehungen in höfischen Romanen. Zwischen Gawein und Artus ist durchweg eine familiäre Bindung zu beobachten, die vor allem aber auserzählt ist. Die Figur des König Artus ist im Erec etwas aktiver in ihren Handlungen, so reiten Artus und Gawein gemeinsam mit Persevaus und anderen Erec und Enite entgegen (Er. V. 1510ff.).
Bereits seit seiner Kindheit weilt Gawein am Hof seines Mutterbruders, seine Eltern sind König Lot und Sangive, die Artus Schwester ist. Erst im hinteren Drittel des Parzival erfährt der Rezipient, dass Gawein bei Artus aufwuchs.
Einleitung: Einführung in das Thema der Verwandtschaftsbeziehungen in der mittelalterlichen Dichtung und Eingrenzung auf das Avunkulat.
Das Avunkulat: Theoretische Grundlagen zur matrilinearen und patrilinearen Verwandtschaftsfolge und deren Bedeutung für den Adel.
Gawein und König Artus: Analyse der positiv konnotierten, harmonischen Beziehung zwischen dem Artuskönig und seinem Neffen Gawein.
Gawein - Der Mutterbruder in Absentia: Betrachtung der Abwesenheit Gaweins bei der Rettung seiner Schwesterkinder und der stellvertretenden Rolle Iweins.
Mabonagrin und König Ivreins von Brandigan: Untersuchung der unklaren und komplexen Beziehung zwischen dem Burgherren und seinem im Baumgarten isolierten Neffen.
Die problematische Avunkulatsbeziehung im Parzival Wolframs von Eschenbach: Tiefgehende Analyse der komplexen Beziehungen zwischen Anfortas, Trevrizent und Parzival im Gralsgeschlecht.
Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Diversität und Brisanz von Avunkulatsbeziehungen in den untersuchten Artusromanen.
Avunkulat, Mutterbruder, Schwestersohn, Parzival, Artusroman, Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Gawein, Anfortas, Trevrizent, Verwandtschaftsstruktur, Mabonagrin, Gralsgesellschaft, Patrilinearität, Rittertum.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der besonderen sozialen und familiären Beziehung zwischen einem Mutterbruder und seinem Schwestersohn, dem sogenannten Avunkulat, in den mittelhochdeutschen Artusromanen.
Zentral sind die Dynamiken von Verwandtschaftsstrukturen, dynastische Machtinteressen, die Rolle der Erziehung durch den Onkel sowie die literarische Ausgestaltung von Konflikten innerhalb dieser Beziehungen.
Das Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Avunkulatsbeziehungen bei verschiedenen Autoren wie Wolfram von Eschenbach und Hartmann von Aue aufzuzeigen und deren Funktion für das soziale Gefüge der literarischen Welt zu analysieren.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Interpretation von Textstellen aus den Primärquellen (Parzival, Erec, Iwein) und dem Vergleich mit fachspezifischer Sekundärliteratur basiert.
Der Hauptteil analysiert spezifische Fallbeispiele, insbesondere die Beziehung zwischen Gawein und Artus, die problematische Rolle Iweins als Stellvertreter, Mabonagrins Isolation und das komplexe Verhältnis von Parzival zu Anfortas und Trevrizent.
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Avunkulat, Mutterbruder, Parzival, Verwandtschaftsstruktur, Artusroman und Gralsgesellschaft beschreiben.
Trevrizent dient Parzival nicht nur als Mentor, der ihn in die Lehren des Christentums einführt, sondern stellt als Mutterbruder auch eine entscheidende Verbindung zum Gralsgeschlecht und zum Verständnis seiner eigenen Sünden dar.
Trevrizents eingestandene Lüge erschüttert seine Autorität als Eremit und belehrender Charakter und hinterlässt beim Rezipienten Zweifel an der Stabilität des vermittelten Wissens und dem Ende der Erzählung.
Das Verhältnis ist deshalb problematisch, weil es von einer tiefen Dysfunktionalität der Gralsgesellschaft geprägt ist und der Held Parzival durch seine eigene Unerfahrenheit und die Schwere von Anfortas' Wunde vor enorme Herausforderungen gestellt wird.
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