Magisterarbeit, 2008
124 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Forschungslage
3. Zu den Begriffen Erzähler und Leser
4. Theoretischer Hintergrund
4.1 Die ästhetische Illusion. Ein Überblick.
4.2 Illusionsfördernde und illusionsstörende Strategien in der Erzählkunst
5. Textanalyse
5.1 Explizite Metafiktion
5.2 Die direkte Leseranrede
5.3 Interferenz der Erzählebenen
5.4 Multiperspektivisches Erzählen
5.5 Unzuverlässiges Erzählen
5.6 Komisches Erzählen als distanzaktualisierendes Darstellungsmittel
5.6.1 Literatur und Karneval/Groteske Darstellung
5.6.2 Satire
5.6.3 Ironie
5.6.4 Humor
6. Fazit: Konsequenz der illusionsstörenden Erzählweise
Ziel dieser Magisterarbeit ist es, die Erzählstrategien E.T.A. Hoffmanns systematisch auf ihre potenzielle illusionsstörende Wirkung hin zu untersuchen und dabei zu klären, ob diese Verfahren als bloße Störung oder als Teil einer sekundären Illusionsbildung zu verstehen sind.
Die direkte Leseranrede
Die direkte Leseranrede ist ein charakteristisches Erzählmittel aller Romane und Kunstmärchen E.T.A. Hoffmanns. In Der goldne Topf, Klein Zaches genannt Zinnober und Prinzessin Brambilla wendet sich der fiktive Erzähler immer wieder, allerdings nicht ohne in handlungserfüllten Szenen wieder vollständig hinter das Geschehen zurückzutreten, in Form einer direkten Anrede an seine Leser. Dabei appelliert er an die Bereitschaft der Leser, das Dargestellte zu glauben und gibt Anweisungen und Tipps, in welcher Art und Weise die Geschichte zu rezipieren sei; er bittet um Nachsicht, was allzu fantastisch geratene Passagen betrifft oder unterbricht die Handlung zuweilen, um völlig Nebensächliches zu erwähnen.
Nicht selten, das soll im Folgenden noch gezeigt werden, gibt sich der Erzähler dabei als historischer Autor aus und berichtet von seinem Schaffensprozess und den Schwierigkeiten, etwa einen passenden Schluss zu gestalten. Diese Leseranreden stellen, vor allem wenn es sich um Reflexionen über den Schreibprozess handelt, die Fiktionalität der Erzählung bloß und tragen zur wiederkehrenden Distanzaktualisierung des Lesers zur Primärillusion des Erzählten bei.
Stellt man die vier bedeutendsten Kunstmärchen E.T.A. Hoffmanns in eine chronologische Reihenfolge, dann lässt sich eine Zunahme der Erzählunterbrechungen in Form von Erzählereinschaltungen konstatieren. In Der goldne Topf wendet sich der Erzähler insgesamt viermal, in Klein Zaches genannt Zinnober siebenmal, in der Prinzessin Brambilla bereits 16-mal und im Meister Floh sogar 24-mal an den Leser.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der ästhetischen Illusion und Abgrenzung der Forschungsfrage hinsichtlich illusionsstörender Erzählelemente.
2. Forschungslage: Überblick über die literaturwissenschaftliche Rezeption von Hoffmanns Werk mit Fokus auf die bisherige Vernachlässigung der Erzähltechnik.
3. Zu den Begriffen Erzähler und Leser: Definition der narratologischen Instanzen und Abgrenzung zwischen fiktivem, realem und implizitem Leser.
4. Theoretischer Hintergrund: Theoretische Grundlegung durch Begriffe der Illusionstheorie und Erläuterung von Strategien der Illusionsbildung und -störung.
5. Textanalyse: Systematische Untersuchung von Metafiktion, Leseranreden, Interferenz, Perspektivismus, Unzuverlässigkeit und Komik anhand der drei Primärtexte.
6. Fazit: Konsequenz der illusionsstörenden Erzählweise: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage über die ästhetische Funktion und Wirkung von Hoffmanns Erzählstrategien.
E.T.A. Hoffmann, Illusionsstörung, Ästhetische Illusion, Erzähltechnik, Metafiktion, Leserlenkung, Narratologie, Historie, Diskurs, Kunstmärchen, Perspektivismus, Ironie, Humor, Groteske, Literaturwissenschaft
Die Arbeit untersucht, wie E.T.A. Hoffmann durch spezifische Erzählstrategien die ästhetische Illusion in seinen Kunstmärchen durchbricht und welche Funktion diese Störungen im Gesamtkonzept haben.
Im Mittelpunkt stehen die Begriffe der ästhetischen Illusion, die Trennung von erzählter Welt (histoire) und Vermittlungsebene (discours) sowie die verschiedenen Techniken der Metafiktion.
Ziel ist es, nachzuweisen, dass die von Hoffmann eingesetzten Unterbrechungen und Störungen kein Qualitätsmangel sind, sondern eine bewusste poetologische Strategie darstellen.
Die Arbeit nutzt narratologische Analyseverfahren, insbesondere die Kategorien von Werner Wolf, um die Störfaktoren in den Primärtexten systematisch zu klassifizieren.
Der Hauptteil analysiert explizit metafiktionale Kommentare, direkte Leseranreden, die Interferenz von Erzählebenen sowie unzuverlässiges und multiperspektivisches Erzählen.
Wichtige Begriffe sind Illusionsstörung, Metafiktion, Narratologie, Leserlenkung und Hoffmanns Poetik.
Celionati dient als Beispiel für eine Figur, die die Ebenenhierarchie sprengt, indem sie sich als intradiegetische Figur ihres fiktionalen Status bewusst ist und mit dem realen Leser kommuniziert.
Der Schluss illustriert, wie der Erzähler in der Autorfiktion den Schaffensprozess thematisiert und somit die Grenze zwischen seiner Rolle als Erzähler und der fiktiven Welt des Märchens auflöst.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

